Freitagnachmittag am Bahnhof Aarau. Ein Mann eilt über das Perron 4/5 und wirft vor der Unterführung eine zusammengedrückte Redbull-Dose in den Abfallkübel. Eine Frau runzelt die Stirn und sagt zu ihrer Kollegin: «Unglaublich, Aarau hat einen neuen Bahnhof und der Abfall wird nicht getrennt.»

Das Resultat davon zeigt sich kurze Zeit später, als ein Mitarbeiter von SBB-Railclean den Abfalleimer öffnet und den durchsichtigen Sack herausnimmt. Zu sehen ist ein Eintopf aus PET-Flaschen, Zeitungen, Papier von Süssigkeiten sowie Alu-Dosen.

Ein ganz anderes Bild zeigt sich am Bahnhof Bern: Hier haben die SBB 2012 in einem Pilotversuch Abfalltrennboxen installiert, wo Pendler Papier, Alu und PET getrennt entsorgen können. Das Recycling-System funktioniert laut SBB sehr gut und wurde vor einem Jahr auf weitere Bahnhöfe ausgeweitet. Derzeit wird der Abfall auch an den Bahnhöfen Zürich (Hauptbahnhof und Löwenstrasse), Basel SBB, Genf und Luzern getrennt. Die Trennquote der 579 Recycling-Stationen beträgt laut SBB um die 40 Prozent, was weit über den Erwartungen liege. Das hat auch für die SBB grosse Vorteile: Sie müssen viel weniger Abfall in den Zügen entsorgen.

Warum wird dieses Konzept nicht auch am Bahnhof Aarau angewandt? Eine konkrete Antwort gibt es von der SBB auf Anfrage nicht. Mediensprecherin Lea Meyer sagt jedoch: «Wir wollen künftig auch weitere Bahnhöfe ausrüsten, weil das Recycling hervorragend funktioniert.» Ob und wann auch das Entsorgungssystem am Bahnhof Aarau angepasst wird, lässt Meyer offen. «Momentan sind wir an der Finalisierung des Zeitplans und werden diesen nach Abschluss kommunizieren.»