Aarau
Biel fixierte Konventionalstrafe für Stadionbauerin HRS – Aarau hat nicht daran gedacht

Anders als in Biel wurde beim Aarauer Stadionprojekt im Vertrag mit der Bauherrin HRS keine Konventionalstrafe festgeschrieben.

Urs Helbling
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Schönes Stadion, unterklassiger Fussball: Die «Tissot Arena» ist seit der Pleite des FC Biel (Sommer 2016) schlecht genutzt.

Schönes Stadion, unterklassiger Fussball: Die «Tissot Arena» ist seit der Pleite des FC Biel (Sommer 2016) schlecht genutzt.

KEYSTONE

War die Stadt Aarau zu optimistisch? Zu lieb? Kann sie jetzt zu wenig Druck machen, weil sie im Vertrag mit der HRS keine Konventionalstrafe festgeschrieben hat? Fest steht: In Biel spielte beim Bau der «Tissot Arena» eine Garantiesumme eine entscheidende Rolle. Ein Insider sagte der az: «Dort hat die HRS nur gebaut, weil sie sonst sieben Millionen Franken hätte bezahlen müssen.» In Aarau gibt es keinen entsprechenden Passus.

Die HRS kann sich – folgenlos – viel Zeit nehmen bei der Neuberechnung des Projektes Torfeld. Zuletzt hatte der Stadtrat erklärt, er rechne vor den Sommerferien mit einer aktualisierten Kostenschätzung der HRS. Aus dem Kreis des FC Aaraus ist zu hören, die Geduld der Fussball-Fans werde überstrapaziert. Die Baubewilligung für das Stadion und die Mantelnutzung ist seit dem letzten Sommer rechtskräftig.

Die Projekte in Biel und Aarau haben viele Gemeinsamkeiten: An beiden Orten brauchte es mehrere Volksabstimmungen, Einsprachen führten zu Verzögerungen, neue Sicherheitsbestimmungen zu höheren Kosten und – und bei beiden Projekten war das Einkaufszentrum (Mantelnutzung) der kritische Faktor (siehe unten). In Biel dauerte es vom Moment der ersten Projekt-Präsentation bis zur Stadioneröffnung (2015) neun Jahre. In Aarau dürften es mindestens dreizehn Jahre werden.

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Mitglieder hat der Verwaltungsrat der Stadion Aarau AG: Beat Blattner (Präsident, ehemalige SP-Stadtrat), Rudolf Zinniker (alt Stadtrat, FDP), Felix Fuchs (alt Stadtbaumeister), Peter Gloor (Vertreter der Platzgenossenschaft Brügglifeld), Lukas Pfisterer (Stadtrat, FDP). Die Stadion Aarau AG gehört zu 100 Prozent der Stadt Aarau. Sie hat einen Vertrag mit der HRS, in dem die Kosten für das Stadion (die «Schüssel») mit 36 Millionen Franken festgeschrieben sind.

Die «Tissot-Arena» (ursprünglich «Stades de Bienne») ist deutlich grösser als das geplante Stadion Torfeld: eine Fussballarena (6000 Plätze; in Aarau 10 000), ein Eisstadion (7000 Zuschauer), eine Curlinghalle (sechs Rinks). Das Einkaufszentrum ist 65 000 Quadratmeter gross. In Aarau beträgt die reine Verkaufsfläche maximal 11 000 Quadratmeter (dazu kommen 2000 Quadratmeter verkehrsintensive Freizeitnutzung, etwa ein Kino).

In Biel war die Finanzierung des Mantels ein grosses Problem. In einer ersten Phase hat der Totalunternehmer HRS das Einkaufszentrum ausgegliedert. Doch dann gelang es der Investorenfirma Alstone SA nicht, innert der vorgegebenen Zeit genügend Mieter zu finden. Die Hauptverantwortung ging 2012 an die HRS Real Estate zurück.

Bei Baubeginn Ende 2012 wurde ein neuer Investor präsentiert: die Komura Delta AG (Wollerau SZ). Sie gehört Marcel Séverin (er war mit der Apotheken-Kette Sun Store reich geworden) und dem Chef der HRS, Martin Kull, der privates Geld in das Projekt steckte. Wer in Aarau den Mantel finanziert, ist öffentlich nicht bekannt.

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