Biberstein
Gruppe «Lebenswertes Biberstein» will mithelfen, dass die neue Bauordnung nicht nochmals bachab geht

Bei der im Dezember 2020 abgelehnten Vorlage seien die Interessen von Investoren zu stark berücksichtigt worden, heisst es von Seiten der Gruppierung.

Nadja Rohner
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Die BNO-Abstimmung hat für gewaltiges Rumpeln um Dorf gesorgt.

Die BNO-Abstimmung hat für gewaltiges Rumpeln um Dorf gesorgt.

Britta Gut

In Biberstein ist es sich der Gemeinderat eigentlich gewohnt, dass die Stimmbürger durchwinken, was er vorschlägt. Bei der neuen Bau- und Nutzungsordnung war das anders. Im September 2020 an der Gmeind noch angenommen, wurde sie an einer Referendumsabstimmung im Dezember richtiggehend gebodigt. Seither arbeiten die Gemeindebehörden an einer neuen Fassung. Diese soll an einer ausserordentlichen Gmeind 2022 zur Abstimmung kommen.

Mittlerweile hat sich in Biberstein eine «politisch unabhängige» Gruppe gebildet, die bei der Überarbeitung mitreden will. Noch hat «Lebenswertes Biberstein» keine Form; aber Gesichter. Dazu gehören unter anderen Gregor Moser und Bruno Wehrli, die sich mit der AZ getroffen haben.

«Man hat schnell gemerkt, dass im Dorf eine Bewegung entsteht»

Die Saat für die Gruppe Lebenswertes Biberstein war eigentlich schon vor der Referendumsabstimmung gelegt worden – bei der Unterschriftensammlung, die fast von alleine lief. «Man hat schnell gemerkt, dass im Dorf eine Bewegung entsteht», sagt Gregor Moser. «Es hat immer weitere Kreise gezogen.» Nach der klaren Abstimmung – die BNO wurde mit 492 Nein bei 310 Ja versenkt, die Stimmbeteiligung lag bei 68 Prozent – haben Bruno Wehrli, Gregor Moser und Gleichgesinnte überlegt, wie es weitergehen könnte. «Wir möchten dazu beitragen, dass nicht noch einmal eine BNO vier Jahre lang geplant und dann an der Urne abgelehnt wird», sagt Moser. Die Gruppierung suche nun den Kontakt mit jenen Leuten, die ein Nein eingelegt haben. «Wir möchten ihnen Mut machen, sich mit uns zu engagieren.»

Gruppe will, dass wieder eine Begleitkommission eingesetzt wird

Im Januar haben 23 Unterzeichnende aus dem Umfeld der Gruppe einen Brief an den Gemeinderat geschrieben. «Es gab noch mehr Sympathisantinnen und Sympathisanten, die sich aber nicht getraut haben, zu unterschreiben», sagt Bruno Wehrli. Biberstein ist klein, nicht jeder will sich exponieren. Eines der Anliegen: «Wir möchten, dass wieder eine Begleitkommission für die Überarbeitung der BNO eingesetzt wird.» Der Gemeinderat hat dem eine Absage erteilt – er setzt auf Einzelgespräche und Gruppenveranstaltungen. «Das ist qualitativ, aber nicht dasselbe», so Wehrli. Eine Begleitgruppe deponiere nicht nur einmalig ihre Anliegen, sondern begleite den Prozess zur neuen BNO.

Eine Begleitkommission gab es bei der Erarbeitung der abgelehnten BNO. Gregor Moser, selber Architekt, war Mitglied. In dieser fachlich gut besetzten Gruppe seien, so hört man im Dorf, die Meinungen über einzelne Bereiche der neuen BNO teils sehr weit auseinander gegangen. Moser will das nicht kommentieren und nicht ins Detail gehen. Er sagt nur:

«Die wesentlichen Themen sind von der Bevölkerung erkannt worden.»

Es ist klar, was er damit meint: die geplante Streichung der Vorgartenzone bei der «Aarfähre», die vorgesehenen «W2+»-Zonen (drittes Vollgeschoss statt Attika) und der «Bärehoger», wo sich Naturschutz- und Baugebiet in die Quere kommen.

Biberstein: Aarfähre

Biberstein: Aarfähre

Nadja Rohner / Aargauer Zeitung

Die Gruppe Lebenswertes Biberstein wolle konstruktiv sein, nicht alte Wäsche waschen, betonen Moser und Wehrli. Aber man kann den Gordischen Knoten wohl nicht zerschlagen, ohne zuerst zu eruieren, wie er entstanden ist. Im Dorf ist von ungleichen Spiessen die Rede. «Das Thema Bauen provoziert in Biberstein zunehmend», bestätigt Gregor Moser. Bruno Wehrli wird deutlicher: «Der Gemeinderat hat die Anliegen einzelner Investoren in der neuen BNO höher gewichtet als die Interessen der Gesamtbevölkerung – und man hat alles getan, um zu verdichten.»

Biberstein: Arealüberbauung im Wissenbachquartier

Biberstein: Arealüberbauung im Wissenbachquartier

Nadja Rohner / Aargauer Zeitung

Nun ist Verdichtung etwas, das der Kanton von den Gemeindebehörden verlangt, schliesslich gibt es ein Raumplanungsgesetz. In der neuen Bibersteiner BNO wurden dazu beispielsweise die Ausnützungsziffern erhöht und die W2+-Zonen eingerichtet. Gregor Moser findet aber, es sei gar nicht nötig gewesen. «Biberstein hat in den letzten 20 Jahren ein sehr deutliches Wachstum erlebt – zu guten Teilen durch Neuüberbauungen, aber eben auch mit Musterbeispielen erfolgreicher Verdichtung. Durch die Attraktivität des Dorfes passiert diese fast von alleine – deshalb sind wir diesbezüglich weiter als andere Dörfer. Wenn heute ein Einfamilienhaus ersetzt wird, dann mit grosser Wahrscheinlichkeit durch ein Terrassenhaus.» Die Mehrheit der Stimmberechtigten, so fügt Bruno Wehrli an, habe «an der Urne zum Ausdruck gebracht, dass sie Verdichtung nicht per se wünscht».

Es brauche eine bessere Durchmischung

Wie die neue BNO aussehen soll, wollen die beiden nicht definieren. Das müsse gemeinschaftlich erarbeitet werden, finden sie. Aber sie haben durchaus Anliegen. «Es gibt nach wie vor ein Verbot von Solaranlagen in Kernzonen, das würde ich gerne aufheben», sagt Wehrli. Moser wäre es wichtig, dass die Grünräume in der BNO mehr thematisiert werden – in Form schützenswerter Bäume vielleicht. Die beiden weisen darauf hin, dass die BNO des Nachbardorfs Küttigen mit seiner sehr vergleichbaren Juralandschaft Hochstammbaumschutzzonen definiert hat. Für Wehrli ist ausserdem die Durchmischung – oder eben deren Fehlen – ein Problem:

«Biberstein darf nicht zum Schlafdorf werden. Viele Neubauten können sich nur noch wohlhabende Menschen leisten. Es braucht auch bezahlbare Wohnungen.»

Die Gruppe Lebenswertes Biberstein fordert den Gemeinderat auf, auf die Planungsbremse zu stehen. Es wirke, als würde die Revision nun durchgepeitscht, wenn sie bereits in einem Jahr wieder zur Abstimmung kommen solle. Die Gruppe freue sich auf einen demokratischen Prozess zur Ausarbeitung der neuen BNO und bringe gerne ihr Engagement und Fachwissen dazu ein, teilt sie mit. «Gemeinsam mit vielen weiteren Bibersteinerinnen und Bibersteinern wird es gelingen, die BNO im Interesse einer grossen Mehrheit der Bevölkerung zu erarbeiten.»