Dass um die 2500 Menschen quasi direkt vor seiner «Haustür», in den Telli-Wohnzeilen, leben, scheint ihn nicht gross zu stören. Am Sengelbach, der vom Einkaufszentrum her offen dahinfliesst – am Polizeikommando vorbei und dann, zwischen den Wohnzeilen Delfterstrasse und Neuenburgerstrasse, nordwärts Richtung Aare – lebt ein Biber. Die Spuren seines Wirkens sind hier leicht zu erkennen – und die Bemühungen der Menschen, kapitale Bäume vor ihm zu schützen ebenso: in Form von Drahtgittern, die um manche Stämme gewickelt wurden.

Und manchmal zeigt sich Meister Bockert höchstpersönlich. So auch am Freitag, kurz vor Tagesanbruch. «Dort sitzt er», sagt Hans Döbeli von der kantonalen Jagdverwaltung, und zeigt auf eine Drainage-Röhre, die in den Sengelbach entwässert. In der Mündung der Röhre sitzt er und nagt an einem Frühstücks-Ästchen, nahezu regungslos. Vermutlich handelt es sich um einen Einzelgänger. Hans Döbeli weiss nur, dass ganz in der Nähe ein Weibchen tot aufgefunden wurde.

Rückstau-Problem für Drainagen

Der Drainagen wegen bereitet der Telli-Biber den Gemeinde- und Kantonsbehörden Sorgen. Weiter unten am Bach hat er einen Damm gebaut, um das Wasser zu stauen. Das gibt ihm die Möglichkeit, hin- und herzuschwimmen – und auch zu fressen. «Der Biber frisst nicht an Land, sondern immer im Wasser», erklärt Experte Döbeli. «Er sucht sich an Land einen Ast, zwickt ihn ab und geht dann mit ihm ins Wasser, um ihn abzunagen.»

Der jetzige Wasserstand, sagt Döbeli, sei bei den letzten Regenfällen noch nicht zu einem kritischen Fall geworden. Doch das könnte sich ändern: Man habe gemerkt, dass das Wasser nicht mehr abziehe. Die Jagdverwaltung hat deshalb – in Zusammenarbeit mit dem Gewässerbau der Stadt Aarau und dem Werkhof – entschieden, den Damm zu entfernen. Damit das Wasser, wenn es im Frühjahr mehr davon geben sollte, abfliessen kann – und die Drainagen wieder sauber funktionieren.

«Bis Ende Monat», so Döbeli, «ist der Damm weg.» Die Entscheidung habe der Kanton selbstständig treffen können, zumal dieser Damm für den Telli-Biber nicht lebenswichtig sei und er nicht in einem Schutzgebiet steht. Biber sind nach eidgenössischem Jagdgesetz geschützte Tiere. Auch ihre Baue und Dämme stehen unter gesetzlichem Schutz. Je nach Art und Standort eines Biberdamms benötigt dessen Entfernung eine kantonale Verfügung.

Im Moment ist der Damm bei der kleinen Brücke nördlich des Polizeikommando-Kreisels der einzige am Sengelbach. Dessen hat sich Hans Döbeli gestern früh noch einmal vergewissert. «Weiter unten habe ich keinen gefunden.» Der Experte schliesst aber nicht aus, dass der Biber, wenn sein Damm weg ist, anderswo am Bach von vorne beginnt. Aber sicher sei das nicht. Und je weiter unten am Bach er diesen staue, desto weniger Probleme gebe es mit den Drainagen.

Futterservice für den Biber

Sicher ist für Döbeli, dass der Telli-Biber weitere Bäume am Sengelbach zwischen die Zähne nehmen wird. Der Gewässerunterhalt werde dann abzuklären haben, ob der eine oder andere Baum gefällt werden muss, weil er sonst auf die falsche Seite kippen könnte. Aber man werde den Baum so legen, verspricht Döbeli, «dass ihn der Biber weiter nutzen kann». Darum bleibt auch ein grosser Ast einer Weide, den der Sturm heruntergerissen hat, im Bach liegen. Und aus dem gleichen Grund wird eine Weide, die der Biber gefällt hat, von Mitarbeitern des Forstbetriebs Aarau so zersägt, dass sie nicht so weit in der Luft hängt. Service für den Telli-Biber!