Bezirksgericht Aarau
51 km/h in Buchser 30er-Zone gefahren – Angeklagter wehrt sich gegen Strafbefehl

Ein 51-Jähriger aus der Region fuhr mit dem Lieferwagen seines Arbeitgebers an der Oberdorfstrasse zu schnell. Die Busse von 400 Franken störte ihn aber weniger als der Inhalt der Anklage, wonach er die Höchstgeschwindigkeit vorsätzlich missachtet habe.

Daniel Vizentini
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Montagmorgen ist kaum die beliebteste Tageszeit für Arbeitnehmende: Das Wochenende ist vorüber, das nächste so weit weg wie nur möglich. Dass man da kurz mal etwas unachtsam ist, kann nachvollziehbar sein. An einem solchen Montagmorgen im letzten Februar, kurz vor Mittag, fuhr ein 51-Jähriger mit dem Lieferwagen seines Arbeitgebers auf der Oberdorfstrasse in Buchs. Dort, wie an so vielen anderen Strassen der Gemeinde, gilt Tempo 30.

Der in der Region wohnhafte Mann fuhr aber mit 51 km/h. Abzüglich der Toleranzgrenze von 5 km/h ergab dies eine Geschwindigkeitsüberschreitung von 16 km/h. Bedeutet: eine ziemlich saftige Busse von 400 Franken. Doch nicht nur: Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau stellte einen Strafbefehl aus, wonach der Mann vorsätzlich die Höchstgeschwindigkeit missachtet habe. Plus Strafbefehlsgebühr von 500 Franken hätte er also 900 Franken zu zahlen.

Der Mann, der erst vor wenigen Tagen die neue Arbeitsstelle angenommen hatte und nach eigenen Angaben rund 4500 Franken im Monat verdient, focht den Strafbefehl an. Dies nicht des Geldes wegen: Ihn störte, dass ihm seitens Staatsanwaltschaft Vorsatz und nicht lediglich Fahrlässigkeit angelastet wurde.

Der feine Unterschied kann Konsequenzen haben: Bei Vorsatz könne etwa ein psychologisches Gutachten verlangt oder ein Führerausweisentzug angeordnet werden, sagte der Anwalt des Mannes. Bei Fahrlässigkeit würde er laut Anwalt lediglich für zwei Jahre verwarnt.

Er wusste, dass dort Tempo 30 gilt

Der 51-Jährige und sein Anwalt traten so vor das Aarauer Bezirksgericht. Laut ihren Angaben «nur, weil die Staatsanwaltschaft einen Fehler begangen hat». Diese war an der Verhandlung indes nicht vertreten. Gegenüber Gerichtspräsidentin Bettina Keller erläuterte der Beschuldigte, er habe die Tempo-30-Zone schon wahrgenommen, sei sich also seines Fehlverhaltens bewusst und akzeptiere auch die Busse. «Ich fuhr ein ungewöhnliches Fahrzeug und war schlicht unachtsam», sagte er. Doch betreffend dem Strafantrag, da sei er nicht einverstanden.

Nur: Auf Fahrlässigkeit zu plädieren, wenn man soeben zugegeben hat, dass man um die tiefere Höchstgeschwindigkeit auf dem Strassenabschnitt wusste, war, rein logisch betrachtet, wohl kaum noch möglich. Nach nur kurzer Beratung fiel die Richterin entsprechend auch ein klares Urteil: Das Gericht bestätigte den Vorwurf, der Mann sei vorsätzlich zu schnell gefahren. Nun hat er auch alle Verfahrenskosten zu tragen.