Die Aula im Rohrer Stämpflischulhaus war voll besetzt. Vier Jahre nach der Fusion mit der Stadt Aarau sind von den rund 100 Personen im Saal 18 so unzufrieden, dass sie sich dem roten Bereich zuordnen. 27 würde ihre Ampel auf grün stellen. Der grosse Rest gruppierte sich in der «orangen» Saalecke zum Bilanzgespräch.

Moderator Walter Vogt hatte die relativ neuen Aarauerinnen und Aarauer nach der Generalversammlung des Stadtteilvereins Rohr aufgefordert, in den Gruppen grün, orange, rot Stellung zur Befindlichkeit in Rohr zu nehmen.

Positiv: Häufigere Papiersammlung

Das Gute zuerst: Die Rohrer können vom (Kultur-)Angebot Aaraus profitieren, sie gehören dazu. Die Fusion habe gleichzeitig das Gemeinschaftsgefühl unter den Rohrern gestärkt, fanden einige. Dazu trug auch die Gründung des Stadtteilvereins bei. Die guten Busverbindungen nach Aarau und die häufigere Papiersammlung werden geschätzt. Auch Kleinigkeiten: mehr Robidog-Kübel und speziell die offenbar äusserst freundlichen Angestellten auf dem Aarauer Steueramt.

Negativ: Sammelstelle verschwindet

Die Negativ-Liste ist länger: Dass die Rohrer Buchserstrasse nach der Fusion in Furorastrasse umbenannt wurde, weil es in Aarau bereits eine Buchserstrasse gab, haben einige Bewohner noch nicht verwunden.

Ebenso, dass die Zweigstelle des Stadtbüros aufgehoben wurde. Und dass die Rohrer mit Alteisen und Bauschutt bald in den Aarauer Werkhof fahren müssen.

Die Festgarnitur ist für rein private Anlässe nicht mehr gratis zu haben und die Miete der Auenhalle sei zu teuer, fanden andere.

Ausserdem sei die Aarauer Verwaltung bürokratischer: Die Herausgabe der Adressen für die traditionelle Rohrer Zopftour oder um Weihnachtsguetzli an die Bevölkerung zu verteilen, ist nun nicht mehr gratis sondern kostet respektable 100 Franken.

Privaten Spielgruppen wird die Herausgabe wegen dem Datenschutz gar verweigert. Ebenfalls teurer geworden sei die Miete von Schrebergärten: Ein Rohrer sagte, seine sei von 60 auf 120 Franken gestiegen.

Unbürokratische Lösungen gewünscht

Stadtpräsidentin Jolanda Urech und ihre Kolleginnen aus Rohr, Regina Jäggi und Franziska Graf Bruppacher schrieben fleissig mit.

Urech zeigte Verständnis: In Schönenwerd aufgewachsen kenne sie das Dorfleben und wisse, dass Probleme dort unbürokratischer gelöst würden. Das hätten sich die Rohrer auch beim Familienergänzenden Tagesangebot in Rohr gewünscht: eine pragmatische, schnelle Lösung.

Für die unterschiedlichen Kulturen fehle manchmal das gegenseitige Verständnis, sagte Urech und bilanzierte: «Es braucht eine Generation bis man sich eingelebt hat. Bis dahin müssen wir die Ohren füreinander speziell weit offen halten.»

Sie zollte dem umfangreichen Programm des Stadtteilvereins Respekt und dass sich die Bewohner in Aarau engagieren. «Meldet euch weiterhin!», sagte Urech. Die Paritätische Kommission, bestehend aus vier Rohrern und vier Alt-Aarauern, bleibt weiterhin bestehen. Man hat noch immer zu tun.

Lehren aus der ersten Fusion

Rohr war Aaraus erste Fusionsgemeinde. Was ist zu beachten, falls weitere Fusionen zustande kommen? Stadträtin Graf erinnerte an den gröbsten Fauxpas: An der ersten gemeinsamen Ortsbürgerversammlung im November 2009 wurde der in corpore erschienene Rohrer Gemeinderat vom Stadtpräsidenten nicht begrüsst.