Buchs

«Bevor jemand an Weihnachten alleine sein muss, kommt er zu mir»

Reto Fischer: «Bevor jemand an Weihnachten alleine sein muss, kommt er zu mir.»

Reto Fischer: «Bevor jemand an Weihnachten alleine sein muss, kommt er zu mir.»

Der Buchser Reto Fischer hat von seinen Eltern gelernt, wie man an Weihnachten Nächstenliebe zeigt.

Weihnachten ist ein geselliges Fest. Doch was ist, wenn man an Heiligabend niemanden zum Feiern hat? Die Abende an Weihnachten und Heiligabend sind gewöhnlich der Familie vorbehalten. Wer – aus welchen Gründen auch immer – nicht mit der Familie feiern kann oder will, läuft Gefahr, an den Weihnachtsabenden allein zu sein. Und das ist eine Vorstellung, die Reto Fischer aus Buchs ganz und gar nicht gefällt.

Nicht, dass er schon in diese Situation gekommen wäre. Der in Aarau aufgewachsene Reto Fischer feiert schon sein ganzes Leben lang am 24. Dezember mit seinen Eltern. Und sie waren es, die eine neue Tradition ins Leben riefen: An Heiligabend öffnen die Fischers ihre Tür auch für Menschen, die nicht zum engen Kreis der Familie gehören. «Meine Eltern sind sehr aufgeschlossen, hatten immer viele Gäste», sagt Fischer, der ein Einzelkind ist. Ungefähr Mitte der 80er-Jahre waren zum ersten Mal Gäste an Heiligabend dabei. Darunter waren Singles oder Kollegen, die keinen Kontakt zu ihren Angehörigen hatten, sowie weitere Bekannte.

«Es war schön, dass meine Eltern das Fest für andere öffneten»

Von da an war es für die Familie Fischer normal, an Heiligabend eine offene Tür zu haben. «Manchmal hatten wir bis zu einem Dutzend Leute in der Stube», erinnert sich Reto Fischer. Für gewöhnlich erschien die Truppe nach dem Znacht in der Aarauer Telli. Man hörte Musik, führte gute Gespräche, sang und spielte Spiele. Reto Fischer hat diese Abende in bester Erinnerung. «Es war sehr schön, dass meine Eltern unser Fest für andere öffnen konnten», sagt er. Und nicht nur die Fischers öffneten ihre Tür: Im Block, wo Fischer aufwuchs, hatten die Nachbarn ein sehr gutes Verhältnis untereinander und waren als «Tellibären» stadtbekannt.

Nach der Bescherung schaute man bei einander vorbei. Reto Fischer wollte jeweils herausfinden, welche Geschenke der Nachbarsbub unter dem Weihnachtsbaum hatte. Und wenn es schneite, zog die ganze Gruppe hinauf zum Gottesdienst in der katholischen Kirche. Danach ging die Feier am Girixweg weiter.

Einsame Bekannte in der Altstadt lädt er zu seinen Eltern ein

Reto Fischer hat die Tradition seiner Eltern weitergeführt. Vor dem Fest am 24. ist er gerne noch in der Stadt unterwegs. «Früher nahm ich jeweils einen Apéro in der ‹Waage›», sagt er. «Wenn ich da auf einsame Bekannte traf, schleppte ich die mit zu meinen Eltern», sagt er.

Mittlerweile weicht er zum Heiligabend-Apéro auf das Restaurant Altstadt oder das «El Camino» aus. Aber das Credo ist geblieben: «Bevor jemand an Weihnachten alleine sein muss, kommt er zu mir.»

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