In Aarau findet heute Abend der Gesamtrapport der Feuerwehr statt. Was die Einsätze anbetrifft, können die Brandbekämpfer auf ein (bisher) ruhiges Jahr zurückblicken. So war der Bordell-Brand am 2. Januar an der Stadtgrenze in Wöschnau eines der grösseren Ereignisse. Die Feuerwehr war dieses Jahr weniger mit Löschen als mit sich selber beschäftigt. Ende Juni gab es einen überraschenden Kommandantenwechsel von Michael Gautschi zu Thomas Kuhn.

Ende August sagte die Feuerwehr ihre Teilnahme am Markt Aarauer Gewerbetreibender (MAG) ab. Der neue Kommandant Thomas Kuhn schrieb: «Wie allen bekannt ist, haben wir in der Feuerwehr mit den Demissionen des ehemaligen Kommandanten per Ende Juni 2017, seines Stellvertreters und weiteren Kadern, turbulente Zeiten hinter und auch noch vor uns.»

Schlimme Gerüchte

Vor diesem Hintergrund lassen Gerüchte aufhorchen, wie sie derzeit in der Stadt umgehen. Es heisst: «25 von 100 Angehörigen der Feuerwehr Aarau geben auf Ende Jahr ihren Austritt.» Und: «Der neue Feuerwehrkommandant hat sich selbst noch zum Fahrerchef befördert, weil niemand dieses Amt übernehmen wollte.»

Zusatzfunktion für Kommandanten

Stimmt das? Die AZ hat bei der zuständigen Stadträtin Regina Jäggi (SVP) nachgefragt: Sie bestätigt die Sache mit dem Motorfahrchef. Der erst vor einem Jahr angetretene und damals zum Leutnant beförderte Chef ist nicht mehr im Amt. Und sie relativiert die Zahl der Austritte: Diese sind zwar höher als im Vorjahr (knapp 10 Prozent), aber nicht so hoch, wie die Gerüchte besagen.

Regina Jäggi erklärt: «Die Austritte belaufen sich auf 15 Prozent, verteilt auf das gesamte Jahr und unter Berücksichtigung von altersbedingten Rücktritten und Austritten aufgrund einer beruflichen Veränderung oder aufgrund eines Wegzuges von Aarau. Die Austritte wurden personell aufgefangen. Thomas Kuhn übernimmt unter anderem ad interim die Leitung des Motorfahrchefs.»

Die abtretende Stadträtin Jäggi windet dem neuen Kommandanten ein Kränzchen: «Es ist festzustellen, dass sich die Situation rund um die Feuerwehr Aarau normalisiert hat. Hervorzuheben ist der sehr gute Zusammenhalt innerhalb des Korps. Thomas Kuhn hat als neuer Feuerwehrkommandant massgeblich zu dieser Entwicklung beigetragen.» Die Feuerwehr Aarau sei «aktuell personell gut besetzt und sowohl von der technischen Ausrüstung wie auch in Bezug auf die Ausbildung auf einem guten Stand».

Neuorganisation frühestens 2019

Und wie weit fortgeschritten sind die Überlegungen über die künftige Führungsstruktur der Feuerwehr, die der Stadtrat nach dem Gautschi-Rücktritt initiiert hatte? Es geht beispielsweise darum, zu überprüfen, ob der künftige Kommandant ein Profi sein soll. Thomas Kuhn hat nur bis Ende 2018 zugesagt (er arbeitet 75 Prozent als Berufsschullehrer).
Regina Jäggi sagt dazu: «Die Neuausrichtung der Feuerwehrorganisation ist ein mittelfristiges Projekt, welches die Stadt Aarau nun nach der erfolgten Konsolidierung an die Hand nimmt.» Und: «Die mögliche Neuausrichtung wird frühestens ab dem Jahr 2019 umgesetzt.»