«Saubannerzug in Buchs» titelte der «Blick», von «Saubannerzug» sprach der Staatsanwalt und «Saubannerzug» rutschte auch der Verteidigerin heraus. Kein Wunder: Das Ergebnis einer durchsoffenen Nacht dreier Buchser Jugendlicher summiert sich auf fast 30 000 Franken Sachschaden. Am Mittwoch sassen die Protagonisten – Reto, Dejan und Kevin (alle Namen geändert), zum Tatzeitpunkt im November 2017 um die zwanzig Jahre alt – vor dem Aarauer Bezirksgericht. Sie dienten den anwesenden Schulklassen als Beispiel für jugendliche Dummheit und deren Konsequenzen, aber auch für Reue und Busse.

Der Ablauf jenes Samstagabends war an sich unbestritten. Laut Anklageschrift ging das Trio spätabends zum Buchser Schulhaus Suhrenmatte, «um dort Alkohol zu konsumieren und zu kiffen». Ein paar Joints und eine Flasche Bombay-Gin später beschlossen sie, Radau zu machen. Sie knickten einen Gartenzaun um, zerdepperten einen Briefkasten, beschädigten beim Veloständer des Schulhauses zwei Velos und nutzten deren Sättel, um Aussenlampen zu zerstören. Sie traten auch gegen diverse Pollerleuchten, rissen sie aus und warfen sie unterwegs in die Suhre. Beim Areal des Tennisclubs Buchs brachen sie die Gittertür auf. «Im Innern randalierten sie und beschädigten beim Sitzplatz des Clubhauses zwei runde Granittische, einen rechteckigen Tisch, zehn Gartenstühle, drei Abfalleimer sowie einen Sammelständer ‹Alu + Pet›», heisst es in der Anklageschrift. Reto schlug die Scheibe mit einem Stein ein; Dejan und Kevin warfen Stühle herum, stiessen Tische um und traten gegen Eimer.

Danach liefen die drei – «in zerstörerischer Absicht», so die Anklageschrift – zum Regenklärbeckenhäuschen am Buchser Zopfweg. Auch hier hinterliessen sie eine kaputte Lampe, eine herausgetretene Tür, einen angesengten Besen.

Beim Kiesparkplatz am Zopfweg fanden die jungen Männer dann einen roten Seat vor. Mit einem Wander-Wegweiser droschen sie auf das Auto ein, bis die Scheiben barsten. Im Innern fanden sie Werbeprospekte. Reto wollte einen anzünden, aber weil es windete, gelang das nicht auf Anhieb. Er beugte sich durch das mittlerweile scheibenlose Fenster ins Auto und versuchte es im Windschatten erneut.

In diesem Moment, sagte Reto vor Gericht, sei die Polizei gekommen, und vor lauter Schreck habe er den angekokelten Prospekt fallen lassen und sei davongerannt. Dass der Seat Momente später in Vollbrand stand, habe er keineswegs beabsichtigt. Direkt festgenommen wurde nur Kevin, der auf der Flucht gestürzt war. Seine Kumpels schnappte die Polizei tags darauf, sie sassen zwei Tage in Untersuchungshaft. «Es war völlig idiotisch, das ist uns bewusst», sagte Reto vor Gericht. Wie seine Mitbeschuldigten war er geständig – und schämte sich.

Die Staatsanwaltschaft klagte alle drei an wegen Hausfriedensbruchs und teils qualifizierter Sachbeschädigung sowie Betäubungsmittelkonsums an (alles mehrfach). Sie forderte für Dejan und Kevin je 12 Monate Freiheitsstrafe bedingt und 4000 Franken Busse. Reto sollte wegen der hinzukommenden Brandstiftung 20 Monate bedingt erhalten und 5000 Franken zahlen.Strittig war nur die Brandstiftung. Er habe das Auto nicht anzünden wollen, beteuerte Reto. Der Staatsanwalt plädierte auf Eventualvorsatz: Reto habe wissen müssen, dass wenn etwas Brennendes auf etwas Brennbares fällt, ein Feuer entsteht.

Das Gesamtgericht hingegen sah den Autobrand als Fahrlässigkeit an – die sogenannt «fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst» war aber nicht angeklagt. Vom Vorwurf der Brandstiftung wurde Reto freigesprochen. Alle drei wurden zu je 210 Tagessätzen Geldstrafe à 110 respektive 130 Franken bedingt verurteilt. Weil sie aber «eine Strafe spüren sollen», so die vorsitzende Richterin, müssen alle eine Busse von 4000 Franken zahlen. Hinzu kommen je rund 2700 Franken Verfahrenskosten. Die Zivilforderungen der zahlreichen Geschädigten haben sie gleichmässig zwischen sich aufgeteilt – pro Kopf um die 10 000 Franken – und zu einem grossen Teil bereits beglichen. «Darauf bin ich stolz», sagte Dejan.

In der Pause suchten Kevin, Dejan und Reto das Gespräch mit anwesenden Zivilklägern und entschuldigten sich. «Der hatte bei mir Berufsschulunterricht», sagte ein Zivilkläger später und wies auf einen Beschuldigten: «Isch kein Ungrade.»