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Betriebsferien sind für Aarauer Gastronomen und Ladenbesitzer diesen Sommer kein Thema

«Wir mussten dieses Jahr bereits länger darauf verzichten, gute Gastgeber zu sein, als uns lieb war. Jetzt brennen wir darauf, unseren Gästen einen unvergesslichen Sommer zu bieten», sagt Alessandro Crivaro, Präsident des Vereins Gastro Altstadt Aarau.

«Wir mussten dieses Jahr bereits länger darauf verzichten, gute Gastgeber zu sein, als uns lieb war. Jetzt brennen wir darauf, unseren Gästen einen unvergesslichen Sommer zu bieten», sagt Alessandro Crivaro, Präsident des Vereins Gastro Altstadt Aarau.

Ist der Maienzug um, schaltet Aarau einen Gang zurück. Mit dem Beginn der Sommerferien schwärmt die halbe Stadt in die Ferne und mit ihnen auch viele Gastronomen, Ladenbesitzer und Gastgeber – Betriebsferien, wohlverdient. Die Stadt fällt in einen sommerwarmen Dornröschenschlaf. Diesen Sommer über wird alles etwas anders sein.

Weniger Aarauerinnen und Aarauer werden verreisen, mehr Inland-Touristen erwartet. Das lässt auch die Gastronomen und Ladenbesitzer ihre Terminplanung umkrempeln: Nicht nur, dass die allermeisten am Maienzug geöffnet hatten – auch wer in vergangenen Jahren Betriebs­ferien gemacht hat, verzichtet jetzt (mit wenigen Ausnahmen) darauf, wie eine Umfrage zeigt. Ein Entscheid zugunsten der Gäste und Kunden von nah und fern, wie ihn sich auch Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker gewünscht hatte. Das «Zentrum Aarau», die Vereinigung der Fachgeschäfte in Aarau, hat seinen Mitgliedern empfohlen, offen zu halten, sagt etwa Vorstandsmitglied Marianne Bolliger («Zauberhaft», Rathausgasse). «Natürlich entscheidet jeder Ladeninhaber selber über seine Öffnungszeiten, aber ich vermute, dass nach den vergangenen Monaten es sich kaum einer leisten wird, längere Betriebsferien zu machen.»

Bolliger rechnet diesen Sommer mit sehr vielen Velotouristen, die nach einer Erfrischung in der Beiz noch durch die Stadt bummeln werden. «Deshalb ist es so wichtig, dass wir nun alle am gleichen Strang ziehen, Gastronomen wie Ladenbesitzer.»

«Wir alle hoffen auf möglichst viele Touristen»

Bei den Gastronomen rennt Bolliger offene Türen ein, auch sie verzichten praktisch allesamt auf Betriebsferien. «Wir mussten dieses Jahr bereits länger darauf verzichten, gute Gastgeber zu sein, als uns lieb war. Jetzt brennen wir darauf, unseren Gästen einen unvergesslichen Sommer zu bieten», sagt Alessandro Crivaro, Präsident des Vereins Gastro Altstadt Aarau.

Gestützt auf die Rückmeldungen seiner Gastro-Kollegen sagt Crivaro, man werde nicht etwa auf Sparflamme wirten, sondern Vollgas geben: «Wir alle hoffen darauf, dass Aarau aufgrund seiner Überschaubarkeit und als nicht klassischer Touristenmagnet erst recht viele Gäste anziehen wird.» Wie die Detailhändler auch, rechnen die Gastronomen mit ausnehmend vielen Velotouristen; ein Trend, der bereits jetzt deutlich spürbar sei, und auf den die Gastronomen teilweise bereits reagiert haben: Mit durchgehenden Öffnungszeiten und Mittagsmenüs, die auch mitten am Nachmittag bestellt werden können.

Offen bleibt den ganzen Sommer über erstmals auch das Bed&Breakfast «Zum Graf» in der Pelzgasse. Arbeiten, die sonst jeweils während der Sommerpause erledigt wurden – die Eichenböden ölen beispielsweise – hätten sie bereits während des Lockdown gemacht, sagt Tobias Graf. Noch sei das Haus nicht ausgebucht. «Aber wir spüren, dass es schon jetzt mehr Touristen in der Stadt hat, und hoffen, dass dem auch während der Sommerferien so sein wird.»

Nachtschwärmer kommen diesen Sommer ebenfalls auf ihre Kosten: Der Club Boiler ist – wie immer – den ganzen Sommer über freitags und samstags geöffnet. Auch «Krone tanzt» wird diesen Sommer ausnahmsweise stattfinden, zusätzliche Events seien angedacht, sagt Crivaro.

Regulär zu bleibt den Sommer über das KIFF – voraussichtlich. «Auch wir hätten gern den Sommer über durchgefeiert», sagt Mediensprecherin Nadia Zanchi. Aber es werde im Saal unter dem Dach schlichtweg zu heiss, um Konzerte im gewohnten Stil zu veranstalten. Zudem wurden die wenigen geplanten (Metal-)Konzerte gegen Ende Sommer coronabedingt schon vor Wochen abgesagt. Es sei aber gut möglich, dass kurzfristig doch noch kleine, feine Konzerte oder eine Party stattfänden. Zanchi: «Wir vermissen die Veranstaltungen und unser Publikum einfach so sehr. Gut möglich, dass wir es nicht bis zum Saisonstart im September ohne aushalten.»

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