Kantonsspital Aarau

Besuchsverbot für frischgebackene Väter: «Das sind einschränkende Massnahmen»

Hebamme Claudia Spielmann im Kantonsspital Aarau.

Hebamme Claudia Spielmann im Kantonsspital Aarau.

Die Hebamme Claudia Spielmann erklärt, wieso das Besuchsverbot am Kantonsspital Aarau für Patientinnen auch Vorteile haben kann.

Bei der Geburt eines Kindes darf der Vater dabei sein und sein Neugeborenes in der Welt willkommen heissen. Ein paar Stunden danach muss er das Spital verlassen, es herrscht Besuchsverbot. Die Mutter und das Kind sieht der Vater erst wieder, wenn sie nach Hause dürfen und er sie abholt. «Das sind schon sehr einschränkende Massnahmen», sagt Claudia Spielmann. Doch die Leitende Hebamme am Kantonsspital Aarau betont, dass diese Vorgaben momentan leider notwendig seien. «Wir müssen alles tun, um die Menschen vor einer Übertragung zu schützen.» Gemäss dem aktuellen Erkenntnisstand ist die Gefahr für einen schweren Corona-Krankheitsverlauf bei Neugeborenen sehr gering. Doch es geht auch um den Schutz der Frau im Bett nebenan. Und natürlich um den des Personals.

Auf den Vater verzichten zu müssen, tut weh. «Wir geben uns auf jeden Fall grösste Mühe, die Mütter so gut wie möglich zu unterstützen», sagt Claudia Spielmann. Und weist darauf hin, dass es auch für die Väter nicht einfach sei. «Doch zum Glück haben wir Skype und WhatsApp für Gespräche und Bilder», sagt Spielmann. Für manche Frauen könne es im Wochenbett, in dieser diffizilen Zeit, wie Claudia Spielmann sagt, auch eine Erleichterung sein, wenn nicht so viel Geschäftigkeit herrscht und sie sich ohne viele Besucher erholen können. Und wie die Hebamme immer wieder hört, komme es nach der Trennung jeweils zu rührenden Familienzusammenführungen, wenn der Vater dann seine Familie abholt.

Im Kantonsspital Aarau wird momentan aufgerüstet. Angst vor dem, was kommen könnte, hat Claudia Spielmann keine. «Respekt», sagt sie. «Bei uns begreifen alle, worum es geht.» Sie spielt darauf an, dass es ausserhalb des Spitals ein bisschen länger ging, bis die Brisanz der Situation erkannt wurde. Schon seit längerem herrscht auf der Abteilung Maskenpflicht für alle, auch für Sekretärinnen. Bis jetzt hat noch keine coronapositive Frau im Kantonsspital Aarau ein Kind geboren.

Doch das Team von Claudia Spielmann ist gerüstet für diesen Fall. «Isolation ist für uns kein Fremdwort», sagt sie. Coronapositive oder -verdächtige Personen müssen isoliert werden, das bedeutet für das Personal einen grossen Aufwand mit Schutzkleidung und 1:1-Betreuung. Nach der Geburt verlassen die Frauen die Geburtenabteilung und kommen auf die Station. In der Frauenklinik wurde vorsorglich eine Isolierstation eingerichtet. Die Schutzmassnahmen sind für Patientinnen und Personal gleichermassen wichtig. «Wir müssen Sorge tragen, dass unsere Leute gesund bleiben», sagt sie. «Geburten leiten kann nicht jede Gesundheitsfachperson, wir sind ein Spezialgebiet im Spital und nicht so schnell ersetzbar.»

Damit die schwere Coronakrise gemeistert werden kann, ist guter Zusammenhalt im Team wichtig. Und den hat die Geburtenabteilung. «Wir sind in diesen Zeiten näher zusammengerückt», sagt Spielmann und fügt lachend hinzu: «Natürlich nach den Regeln von Social Distancing.»

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