Es ist dieser Moment nach Mitternacht, wenn auf dem Schlossplatz alle versammelt sind, trunken vor Übermut, Glück und Sonstigem; und mit «Palko!Muski» tanzen wie die Lumpen am Stecken. Der wehmütige Moment, in dem man sich bewusst wird, dass das «Musig i de Altstadt» (MidA) schon wieder vorbei ist. Zwei Tage mit Konzerten von über 40 Acts an 19 Spielorten.

Das 15. «Musig i de Altstadt» war grandios. Auch – oder gerade weil – die ganz grossen Namen dieses Jahr fehlten. Das «Lo&Leduc-Gmoscht» auf dem Schlossplatz vom letzten Jahr hat keiner vermisst. Viel los war trotzdem, rund 12'000 bis 14'000 Besucherinnen und Besucher waren es, schätzt das OK. Ein bisschen mehr als letztes Jahr, aber viel besser verteilt, im steten Fluss zwischen den Bühnen, um da mal ein Ohr reinzuhängen und hier zu tanzen, um da eine bekannte Melodie mitzusingen oder dort etwas Neues zu entdecken.

«Besser kann es nicht sein», sagt Luca Schaffer, Medienverantwortlicher des MidA. «Man fühlte sich nie eingeengt, und doch war fast jedes Konzert sehr gut besucht.» Und es ist schön zu hören, dass die Männer und Frauen auf der Bühne nicht nur so tun, als hätten sie Spass: «Die Feedbacks der Bands waren selten so gut wie dieses Jahr», sagt Schaffer. Viele würden Aarau nicht kennen und eher so etwas wie ein Dorffestival erwarten. «Dann sind sie positiv überrascht. Viele sagen, sie schätzen die schönen Örtchen, an denen sie spielen dürfen; die unmittelbare Nähe zum Publikum, die den Funken überspringen lässt. Es herrscht eine familiäre Stimmung –ein Wohlfühlfestival, auch für die Bands.» 

Trotz seiner Grösse, trotz der Auftritte von 40 nationalen und internationalen Bands, ist das MidA kostenlos. Es gibt jedoch einen Festival-Pin für 10 Franken, dessen Kauf als «Ehrensache» gilt. Dieses Jahr waren mehr Helfer als sonst mit einer Schachtel voller Pins in der Menge unterwegs – das OK hat entschieden, den Verkauf zu forcieren. Laut Luca Schaffer zeigen erste Zahlen, dass sich das gelohnt hat. «Es ist uns offenbar gut gelungen, den Besuchern zu erklären, dass wir nicht nur von unseren Sponsoren, sondern auch vom Pin-Verkauf an Private abhängig sind.»

Erstmals an einer Aarauer Veranstaltung dieser Grössenordnung im Einsatz: Mehrwegbecher mit Depot an allen MidA-eigenen Bars. «Wir hatten in den letzten Jahren Mühe, das Abfallproblem zu bewältigen», sagt Luca Schaffer. «Die Mehrwegbecher waren ein kurzfristig angesetzter Feldversuch – und wir sind wahnsinnig zufrieden, es gab viel weniger Abfall.» Wer wollte, konnte die zwei Franken Depot an MidA spenden; 500–600 Becher landeten in den dafür vorgesehenen Kübeln.

Bewährt hat sich auch das Aufmöbeln der Markthalle zum Festivalzentrum. Hier gab es nicht nur Infos rund um das Festival; dank der Holzinstallationen mit Beleuchtung und Sträuchern konnte man hier gemütlich eine Auszeit nehmen oder den Abend ausklingen lassen.