Petitio
Berliner-Gestank in Aarau: Pendlerin fordert «gute Luft» in der Bahnhof-Unterführung

Eine Pendlerin lanciert auf petitio.ch eine Petiton «Für gute Luft auch am Mittwoch». Sie ist nicht die erste, die sich am Duft der Berliner stört.

Nadja Rohner
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Das Endprodukt sieht zweifellos gluschtig aus.

Das Endprodukt sieht zweifellos gluschtig aus.

Mario Heller
Berliner Aarau Unterführung Petitio

Berliner Aarau Unterführung Petitio

Mario Heller

Wer regelmässig mittwochs beim Aarauer Bahnhof unterwegs ist, kennt es: Aus der Unterführung kriecht ein starker Geruch bis auf einzelne Perrons und in die Kleider der Passanten. Für die einen riecht es lecker, für die anderen überhaupt nicht. Doch entziehen kann sich dem Duft keiner.

Es ist die Bäckerei Wälchli aus Rothrist, die in der kühleren Jahreszeit jeden Mittwoch vor ihrer Filiale in der Bahnhofunterführung (beim WSB-Bahnhof) frische Berliner herstellt. Das macht man bekanntlich in einer Fritteuse – und von dieser gehen die Geruchsemissionen aus. Das missfällt einigen Passanten. Zum Beispiel der Buchserin Tatjana Lambrinoudakis. Sie pendelt via Bahnhof zur Arbeit, stellt ihr Velo beim Veloparking Süd ab und geht zu Fuss aufs Perron.

Lambrinoudakis stört sich daran, dass die wenigen Augenblicke in der Unterführung schon ausrechen, um ihre Jacke nach Frittiertem riechen zu lassen. «Wenn ich sie an meinem Arbeitsplatz an der Garderobe aufhänge, schäme ich mich fast ein bisschen dafür», sagt sie. Lambrinoudakis hat deshalb eine Online-Petition auf www.petitio.ch gestartet. «Wir fliegen auf den Mond», sagt sie. «Dann schaffen wir es auch, Berliner ohne Gestankwolke und gesundheitsschädliche Öl-Spaltprodukte herzustellen!» Sie fordert einen «angemessenen Abluftfilter oder einen höheren Kamin nach draussen, wo mehr Luftzirkulation ist».

«Immer wieder Reklamationen»

Tatjana Lambrinoudakis ist längst nicht die Einzige, die sich am Frittiergeruch stört. «Beim Stadtbauamt gehen in den Wintermonaten immer wieder Reklamationen diesbezüglich ein», bestätigt Thomas Oetiker, Leiter der Sektion Baubewilligungen der Stadt Aarau. Die Installation einer Abluftanlage sei bereits verschiedentlich von der Stadt Aarau und in Zusammenarbeit mit der SBB geprüft worden. «Leider stehen einer Lösung grosse bauliche Probleme entgegen», so Oetiker weiter. «Im Bereich der Fritteuse in der Unterführung kann aufgrund der darüber verlaufenden Gleisanlagen ohne Störung des Bahnverkehrs keine Abluft vertikal abgeführt werden.»

Lesen Sie hier auch den Kommentar zu diesem Thema.

Seitlich der SBB-Passage bestünden grundeigentumsrechtliche und bautechnische Hindernisse (vermietete Geschäftsräume), die sich nicht beseitigen liessen. «Hinzu kommt, dass die Rohrführung einer wirkungsvollen Abluftanlage möglichst kurz sein sollte, was vorliegend aufgrund der vorherrschenden Situation auf keine Seite der Fall ist. Eine vertretbare und technisch realisierbare Lösung mit einer Abluftanlage gibt es somit nicht», konstatiert der Leiter Baubewilligungen. Er hält zudem fest: «Eigene Wahrnehmungen zeigen, dass der Geruch je nach Wetterlage, Wind und Temperaturen sehr unterschiedlich ist.» Zudem sei es «festzustellen, dass die frischen Berliner trotz des Geruchs ein sehr begehrter Artikel sind und reissenden Absatz finden».

2018 ist wohl Schluss

Die Bäckerei Wälchli verfügt seit August 2014 über die Dauer-Bewilligung für den Betrieb der Berliner-Backstation in der Bahnhofunterführung. Vorangegangen war dem ein ordentliches Baugesuchsverfahren. Auch war eine kantonale Brandschutzbewilligung der Aargauischen Gebäudeversicherung vonnöten. «Die Betreiberin der Berliner-Backstation sorgt für die Einhaltung der verfügten Brandschutzmassnahmen und hält in unmittelbarer Nähe eine Brandschutzdecke und einen Feuerlöscher bereit», so Thomas Oetiker.

Ob man die frischen Berliner nun liebt oder den Geruch verabscheut – ein Ende der Frittiererei ist absehbar. «In Zusammenhang mit der geplanten Neugestaltung Bahnhof Süd wird die Bäckerei Wälchli und damit auch die Berliner-Backstation weichen müssen», sagt Oetiker. «Dies wird voraussichtlich im Jahr 2018 der Fall sein.» Eine Neuigkeit, die Tatjana Lambrinoudakis freut: «Dann dient die Petition halt dazu, beim Bahnhof-Neubau eine bessere Lösung für eine Berliner-Backstation zu finden.»

Suhr: Schlittelhügel-Petition erfolgreich

In Suhr soll beim Krankenheim Lindenfeld für 8,6 Mio. Franken ein Demenzzentrum gebaut werden. Aber: Dafür muss der bei Suhrer Kindern beliebte Schlittelhügel weichen. Zudem wird das neue Demenzzentrum sehr nahe am Spielplatz beim Hügel stehen. Oliver Tiller aus dem Feldquartier will das nicht einfach so hinnehmen. Mit einer Petition fordert er den Gemeinderat auf, zu prüfen, ob das Demenzzentrum andernorts gebaut werden könnte.

Die Petition «Schlittelhügel soll nicht geopfert werden!» läuft zwar noch vier Tage, hat aber das Ziel von 200 Unterschriften bereits erreicht – Stand gestern waren es 2016 Personen, welche die Petition unterstützen.

Dass dies den Gemeindeverband Lindenfeld umstimmen kann, darf bezweifelt werden, wartet man doch nur noch auf die Baubewilligung des Kantons. Aber: Gemeindepräsident Beat Rüetschi hatte vor einem halben Jahr angedeutet, es gebe allenfalls die Möglichkeit, den Schlittelhügel abzutragen und an einem anderen Ort wieder aufzuschütten. (NRO)