Der Duft von heissem Fett ist intensiv: Für die einen ist er ein Gräuel, für die anderen Verheissung: Jeden Mittwoch bereitet die Bäckerei Wälchli aus Rothrist, die beim Aufgang zur WSB im Bahnhof Aarau eine Filiale betreibt, frische Berliner zu (wir berichteten).

Das süsse Gebäck wird vor dem Laden in einer Fritteuse ausgebacken und verkauft. Das ruft ebenso vehement Gegner wie vehemente Befürworter auf den Plan.

«Dieser Fettgestank in der Unterführung ist eine Zumutung», schreibt ein erboster Passant und prompt doppeln weitere Stimmen nach: «Der Geschmack der Berliner um 7 Uhr ist unerträglich.»

Oder: «Seit langem frage ich mich, wie es möglich ist, dass jemand mit diesem fürchterlichen Fritteusengestank den ganzen Bahnhof in Beschlag nimmt und mitten in der Unterführung seinen Stand aufbauen darf.»

Und weiter: «Es wird mir immer schlecht, wenn es schon in der Früh, wenn ich vom Zug komme, nach Berlinern riecht.»

Mehr Toleranz gefordert

Auf diese und weitere negative Kommentare folgen ebenso vehement positive von «Berliner»-Befürwortern. So meldet sich ein Leser, der gerade in Thailand weilt:

«Ich muss lachen: Die Strassen sind hier voller Gerüche von den Streetfood-Ständen und niemand meckert. Warum muss ich nur wieder in dieses Meckerland zurückkehren?»

Ein Leser fragt gleich in die Runde: «Sind diese empfindlichen Nasen die gleichen, die im Urlaub durch exotische Märkte schlendern und sich am Fischgestank, undefinierbaren Brühen in Kochkesseln, brutzelnden Maden und Heugümpern in abgestandenem Öl ergötzen - und die penetranten Düfte als Urlaubserlebnis hochjubeln?»

Wer die Online-Kommentare liest, merkt: Die Fritteuse - vielmehr deren Gestank oder eben verführerischer Duft - trifft offenkundig einen Nerv.

Kühl lässt das heisse Fett jedenfalls keinen. Selbst wenn die Frage nicht explizit gestellt wird, ist aus manchen Kommentaren deutlich heraus zu spüren: Wie ist es mit der Toleranz unserer Gesellschaft bestellt? Sind wir nur in besonderen Fällen oder generell empfindlicher geworden? (ef)