Nur wenige Jahre nach der Gründung der Musikgesellschaft Küttigen im Jahr 1867 hatten sich die Vereinsmitglieder bereits massiv verkracht. Eine Spaltung des Vereins in zwei Musikkorps war die Folge. Die Anekdoten, die über die Auseinandersetzungen in der Vereinschronik festgehalten sind, mögen heute zum Schmunzeln anregen. So wird beispielsweise von einer handfesten Reiberei berichtet, bei der ein Mitglied der «Feldmusik» einen Musikanten der «Grütlimusik» auf «einem Steinhaufen beim Bärenbrunnen mit dem Bass-Mundstück bearbeitet habe».

Doch das Bild des Mundstück schwingenden Bassisten sollte nicht über die Tiefe des Risses hinwegtäuschen. Immerhin dauerte es bis Mitte der 1880er-Jahre, bevor die Vereinstrennung wieder rückgängig gemacht wurde.

Seit 53 Jahren dabei

Solch feindselige Zeiten sind zum Glück lange vorbei. Die Musikgesellschaft Küttigen hat über die Jahre alle Schwierigkeiten gemeistert und wird heute Freitag bei einem Festakt im Rahmen des Jugendfests ihr 150-jähriges Bestehen feiern und dabei auf eine aufregende Vereinsgeschichte mit vielen Höhepunkten zurückblicken.

Einen Drittel dieser Vereinsgeschichte hat Heinz Hunziker (68) hautnah miterlebt. Er trat vor 53 Jahren in die Reihen der Musikgesellschaft ein und wurde dann als Achtzehnjähriger als offizielles Mitglied aufgenommen. Vor zwei Wochen, am Musiktag in Wittnau, wurde dem pensionierten Schulhauswart die zweithöchste Auszeichnung im Schweizerischen Blasmusikwesen zuteil, die Ernennung zum kantonalen Ehrenveteranen.

Die Ehrung kommentiert Heinz Hunziker gelassen: «Ich bin eigentlich nicht so der Medaillenträger. Aber natürlich habe ich mich gefreut.»

Die grossen Höhepunkte in seiner persönlichen Vereinsgeschichte seien jeweils die Teilnahmen an den Eidgenössischen Musikfesten gewesen, sagt Hunziker, der selbst aus einer musikfernen Familie stammt. Dass er der Musikgesellschaft über fünf Jahrzehnte lang treu geblieben ist, dafür sei die gute Kameradschaft im Verein ein entscheidender Faktor gewesen.

Die Zukunft der Musikgesellschaft Küttigen hänge vor allem davon ab, wie gut es gelinge, den Nachwuchs für das Vereinsleben zu begeistern, sagt Heinz Hunziker. «Ohne junge Musikanten kann kein Verein überleben. Und wenn ich daran denke, welche gute Ausbildung die Musikschüler heute erhalten, dann bedeutet das auch ein grosses Entwicklungspotenzial für den Verein.»

Weil die Musikgesellschaft Küttigen mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen hatte, schloss sie sich vor vier Jahren mit der Musikgesellschaft Biberstein zu einer Spielgemeinschaft zusammen. «Inzwischen hat sich die Situation gebessert. Der Zusammenschluss der Korps erlaubt uns mehr Möglichkeiten bei der Auswahl der Spielliteratur, die auch für junge Musikanten ansprechend ist», sagt Stefan Bernhard, der Präsident der Musikgesellschaft Küttigen.

Von der Literatur der Spielgemeinschaft angesprochen gefühlt hat sich Fabian Bütikofer. Der 16-jährige ist das jüngste Mitglied der Musikgesellschaft Küttigen. Er hat über seinen grossen Bruder zum Trompetenspielen gefunden und trat später dem Jugendspiel Küttigen-Biberstein bei. «In der Spielgemeinschaft kann ich weitere musikalische Fortschritte machen», sagt der Jungmusikant. Ebenfalls sei es sein Ziel, weitere Musikschüler in seinem Alter für das Vereinsleben begeistern zu können.

400 Jungmusikanten kommen

In Küttigen werden an diesem Wochenende nicht nur das Jugendfest und das Jubiläum der Musikgesellschaft gefeiert. Am Sonntag findet auch der Kantonale Jugendmusiktag statt. Insgesamt 15 Jugendspiele und rund 400 Jungmusikanten präsentieren ab 9.15 Uhr in der Mehrzweckhalle ihre Konzertvorträge. Ab 15.30 Uhr findet auf der Hauptstrasse der Paradewettbewerb statt.