Auenstein
Bereit für die Faustball-WM – nur beim Text der Schweizer Hymne haperts noch

Die Geschwister Tim und Noemi Egolf sind Teil der Schweizer U18-Nationalmannschaft im Faustball und reisen an die Weltmeisterschaft.

Fabio Baranzini
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Die Geschwister Noemi und Tim Egolf wurden für die U18-WM im Faustball nominiert.

Die Geschwister Noemi und Tim Egolf wurden für die U18-WM im Faustball nominiert.

Fabio Baranzini

Faustball ist eine Randsportart. Eine Randsportart, die oft belächelt und etwas abschätzig als «Altherrensport» oder «Ball über die Schnur» bezeichnet wird. Vorurteile, die nur schwer wegzubringen sind. Doch das stoppt Noemi (15) und Tim Egolf (17) keinesfalls. Im Gegenteil: Die beiden Geschwister aus Auenstein sind mit dem Faustball-Virus infiziert.

Die Begeisterung für ihren Sport ist im Gespräch spürbar. Zu erklären, was den Faustballsport für sie so besonders macht, fällt allerdings beiden nicht leicht. «Ich denke, es ist die Action, die den Unterschied ausmacht. Es wird nie ein null zu null geben im Faustball. Es gibt immer einen Sieger und es passiert immer etwas auf dem Feld», sagt Tim Egolf. Für Noemi Egolf ist das Zusammenspiel zwischen Kraft, Technik und Taktik in Kombination mit dem Teamgeist der entscheidende Faktor, dass die Sportart «einfach cool» ist.

Vater Reto ist eine lebende Legende

Seit ihrem sechsten Altersjahr spielen Tim und Noemi Egolf Faustball. Dass die beiden zum Faustballsport gefunden haben, ist kein Zufall, denn ihre Eltern haben ebenfalls gespielt. Vor allem Vater Reto ist in der Schweizer Faustballszene eine lebende Legende. Vom nationalen Verband wurde er als «Schweizer Angreifer des Jahrhunderts» ausgezeichnet, hat in den 90er Jahren unter anderem mit dem STV Full-Reuental die Schweizer Liga dominiert und war fester Bestandteil der Schweizer Nationalmannschaft. In den letzten gut fünfzehn Jahren war er zudem intensiv daran beteiligt, den STV Oberentfelden zu einer der Topadressen im Schweizer Faustball zu entwickeln.

Genau bei diesem Verein trainieren Noemi und Tim Egolf drei Mal pro Woche und arbeiten daneben an ihrer Fitness. In einer normalen Woche kommen so rund acht Trainingsstunden zusammen. Ein Aufwand, der sich lohnt. Die Egolf-Geschwister stehen kurz davor, beim STV Oberentfelden den Sprung in die erste Mannschaft zu schaffen, die sowohl bei den Frauen, als auch bei den Männern in der Nationalliga A antritt. Im Frühjahr wurden die beiden für die U18-Nationalmannschaft selektioniert und dürfen an der U18-WM im deutschen Eibach teilnehmen.

Vor 1000 und mehr Zuschauern

«Ich war zwar letztes Jahr schon an der EM mit dabei, aber eine WM ist nochmals etwas anders. Das Kribbeln ist bereits im Vorfeld gross», sagt Tim Egolf, der bald die dritte Kanti in Angriff nehmen wird. Noemi Egolf, die ihre Lehre als Detailhandelsfachfrau beginnen wird, ist zum ersten Mal selektioniert worden. «Ich bin mega glücklich, dass es gereicht hat und jetzt darf ich sogar noch auf der Mittelposition spielen, damit hätte ich nicht gerechnet», freut sich die jüngste Spielerin des U18-WM-Kaders der Schweiz.

Im faustballverrückten Eibach werden Tim und Noemi Egolf an der U18-WM wohl vor 1000 oder noch mehr Zuschauern aufspielen können. Eine Erfahrung, auf die sie sich freuen, auch wenn eine gewisse Nervosität vorhanden ist. «Ich glaube, ich muss den Text der Schweizer Nationalhymne nochmals anschauen», meint Noemi Egolf lachend. «Das hab ich bereits gemacht», antwortet ihr Bruder. Wenn die beiden auch künftig mit der gleichen Begeisterung weiter trainieren und ihr Talent ausschöpfen, werden sie regelmässig für die Nationalmannschaft auflaufen können. Und dann wird auch der Text der Nationalhymne kein Problem mehr sein.

Schweizer Kader: Aargauer Trio unter Ostschweizern

Im Schweizer Kader für die U18-WM in Eibach, Deutschland, die vom 20. bis 24. Juli ausgetragen wird und wo die beiden Schweizer Equipen eine Medaille anpeilen, stellt die Ostschweiz sowohl bei den Junioren als auch bei den Juniorinnen das Gros der selektionierten Athleten.

Diepoldsau, Jona und Elgg-Ettenhausen sind die Topadressen in der Ostschweiz, wo der Faustballsport in den letzten Jahren einen Aufschwung erlebt hat. Neben Noemi und Tim Egolf ist an der U18-WM noch ein weiterer Aargauer mit dabei. Simon Erb (15) aus Staffelbach hat die Selektion auch geschafft und reist als jüngster Teilnehmer nach Eibach. (fba)