Es ist mucksmäuschenstill im Saal, als Gerichtspräsident Thomas Müller am Freitag um 15 Uhr die Urteile im Mordprozess von Gränichen eröffnete. Nach drei langen Verhandlungstagen folgen die Urteile innerhalb weniger Minuten: Einstimmig spricht das Bezirksgericht Aarau die beiden Angeklagten des Mordes an David M. schuldig. Daniel G., der Inhaber einer Metallverarbeitungsfirma in Gränichen und Auftraggeber, muss für 15 Jahre ins Gefängnis. Das Strafmass für Zeljko J., Taxiunternehmer in Gränichen und Todesschütze, wird in einem zweiten Prozess fest-
gelegt – zuvor muss ein psychiatrisches Gutachten erstellt werden.

Entscheid im Mordprozess Gränichen: Beide Angeklagte wegen Mord verurteilt

Entscheid im Mordprozess Gränichen: Beide Angeklagte wegen Mord verurteilt

Daniel G. plante, Zeljko J. schoss

Gerichtspräsident Müller erläuterte, beim brutalen Mord an David M. sei Daniel G. «der Planende und Finanzierende, Zeljko J. der Ausführende und Schiessende» gewesen. Für das Gericht ist erwiesen, dass Daniel G. seinem Kollegen Zeljko J. den Auftrag gab, David M. zu beseitigen. Grund dafür war, dass G. ein heimliches Verhältnis mit Nadja M. hatte, der Ehefrau des Opfers. David M. sei seinen Plänen im Weg gestanden, die Beziehung offen auszuleben und längerfristig weiterzuführen.

Die Aussage von Daniel G., er habe Zeljko J. lediglich darum gebeten, dem späteren Opfer klar zu machen, dass ihm G. kein Geld mehr geben würde, erachtete das Gericht als unglaubwürdig. Gespräche zu führen, sei keine Stärke von Zeljko J. Hingegen habe der Bosnier die Möglichkeit gehabt, in seiner Heimat illegal Waffen und Schalldämpfer zu beschaffen. Zudem kenne sich Zeljko J. auch gut mit der Handhabung dieser Waffen aus.

Schwager hörte ersten Schuss

Auch das Argument von Daniel G.’s Verteidiger, dieser hätte David M. sicher nicht in seine Werkstatt bestellt, wenn er ihn hätte umbringen wollen, zog beim Gericht nicht. Der Tatort – ein Firmengebäude in einem Industriequartier ohne Nachbarn, wo sich am Sonntagabend niemand aufhalte und ständig laute Maschinen liefen, sei vielmehr gut geeignet für diesen Zweck.

Dennoch hätten sich bei der Umsetzung des Mordplans für Daniel G. und Zeljko J. zwei Probleme ergeben, sagte der Gerichtspräsident. Einerseits sei der erste Schuss für David M. nicht tödlich gewesen, andererseits habe der Schwager von Daniel G., der oberhalb der Werkstatt wohnt, den Knall gehört. Dies, weil Zeljko J. an der Pistole zwar einen Schalldämpfer, aber keine spezielle Munition verwendet habe.

Um den allfälligen Zeugen loszuwerden, habe Daniel G. seinen Schwager aufgefordert, die Polizei zu rufen. Zeljko J. sei danach dem verletzten David M. gefolgt und habe diesen mit einem zweiten Schuss getötet. Dies habe der Schwager beobachtet, jedoch gemeint, Daniel G. sei das Opfer. In seiner Angst habe der Schwager selber einen Schuss durch die Werkstatttür abgegeben, sei in ein Maisfeld geflüchtet und habe von dort die Polizei angerufen. Daniel G. habe erst viel später einen Notruf abgesetzt und dem angeschossenen David M. auch keine erste Hilfe geleistet.

Nach der Tat habe Daniel G. zudem Zeljko J. eine Woche gedeckt. Er habe alles getan, damit das Verbrechen nicht aufgeklärt werde – so ist unter anderem die Tatwaffe verschwunden.

Lesen Sie die Urteilsverkündung in unserem Liveticker hier nach. 

Mordprozess Gränichen Urteil