Ein schwerer Schlag für den Produktionsstandort Aargau: Die Gemalto AG könnte wichtige Teile der Produktion ins Ausland verlegen und Dutzende Arbeitsplätze streichen. Beim früher unter dem Namen Trüb AG firmierenden Unternehmen handelt es sich um den Entwickler sensibler Produkte wie Schweizer Identitätskarte, SwissPass und des zukünftigen Schweizer Passes im aargauischen Unterentfelden. Wie eine mit dem Fall vertraute Person der «Aargauer Zeitung» meldete, sollen künftig noch Produkte für die Schweiz im Aargau hergestellt werden. Die Trüb wurde im 2015 von der niederländischen Gemalto übernommen.

Pressesprecher Stephan Lips bestätigt auf Anfrage der «Aargauer Zeitung»: «Am 25. April hat die Gemalto AG die Mitarbeitenden über den Start eines Reorganisationsprojekts in Kenntnis gesetzt. Es beabsichtigt, aus dem Standort Unterentfelden ein spezialisiertes Zentrum zur Herstellung von Polycarbonat-Karten und -Datenseiten zu machen, mit denen unsere Schweizer Kunden beliefert werden. Die Konsultationsphase, in deren Rahmen ein Sozialplan ausgearbeitet wird, dürfte noch bis Mitte Mai dauern.»

Ein solches Projekt könnte die Reduktion von 55 der 85 Stellen in Unterentfelden nach sich ziehen, erklärt Gemalto weiter. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt 300 Mitarbeitende in der Schweiz. Sollte das Projekt umgesetzt werden, wird betroffenen Mitarbeitenden ein Sozialplan angeboten. Nicht betroffen sei der Verwaltungsstandort in Aarau.

Standort Unterfelden wird nicht geschlossen

Schlimmstenffalls könnten alle nicht auf die Schweiz bezogene Fertigungsaktivitäten an andere Gemalto-Standorte verlegt werden. Bis zum Abschluss der Konsultationsphase können keine finalen Angaben gemacht werden, erklärt die Pressestelle. Die mögliche Verlagerung betreffe die Kartenrohling- und Datapage-Fertigungsaktivitäten. Es sei zunehmend schwierig geworden, vom aktuellen Standort aus die internationalen Märkte zu adressieren. «Unterentfelden kann Skaleneffekte nicht bieten, die grössere Standorte ermöglichen», heisst es aus der Pressestelle. Man schliesse den Standort aber nicht. Ziel sei eine Reorganisation der Fertigung.

2015 hatte die Gemalto bei der Gemeinde Unterentfelden ein Baugesuch für die Verlängerung des Provisoriums für den Produktionspavillon um 5 Jahre gestellt. Angesichts der neuen Entwicklung fragt sich, ob das Provisorium im Wissen beibehalten wurde, dass der Standort schliessen muss und sich ein definitives Bauprojekt nicht lohnt. Das Unternehmen hält demgegenüber fest, dass der Standort Unterentfelden nicht geschlossen werde. Es gebe keinen Zusammenhang zwischen der Baugesuchs-Frage und dem laufenden Projekt.