Aarau

Bei Rauch und Regen: Acht Stunden am Jubiläumsfeuer

Libelle, Pitschina, Nudle, Zwaschpel, Chilwa und Mutz beim Jubiläumslagerfeuer auf dem Schlossplatz

Libelle, Pitschina, Nudle, Zwaschpel, Chilwa und Mutz beim Jubiläumslagerfeuer auf dem Schlossplatz

Mitglieder eines alten Pfadifähnleins trafen sich nach 25 Jahren wieder. Sie verbrachten acht Stunden am Jubiläumsfeuer.

Nostalgie hat immer einen Geruch. Manchmal ist es ein bestimmter Essensduft, der uns an etwas erinnert, mal ein feuchter Kellergeruch. Für ehemalige Pfadis ist es meist Rauch, der sie um Jahre zurückversetzt. Im Falle des Fähnlein Felsenburg der Abteilung Adler Aarau war es der Geruch des Feuers, der an diesem Morgen durch die Stadt zog. Seit mehr als einer Woche brennt das Jubiläumslagerfeuer der Abteilung Adler nun schon im Schlosspark mitten in Aarau.

Am Sonntag rückten ehemalige Felsenburger zur Feuerwache an: von 8 Uhr bis 16 Uhr. Die Nachtwache, drei ehemalige Mitglieder einer Buben-Gruppe, hat wacker die Nacht durchgehalten, gejasst, Sprüche gemacht wie damals, Krambambuli gekocht, morgens den Unrat der Stadtjugend beseitigt. Nur die Mehlsuppe misslang.

Am Morgen machten es sich die Frauen in den Sesseln bequem. Die Stadt ist leer, nass und stürmisch. Sonntagmorgens bei Hudelwetter geht keiner freiwillig raus. Ausser eben, man ist Pfadi und hat sich etwas vorgenommen, von dem man am Tag selber nicht mehr genau weiss, warum.

Aber das Gefühl ist befreiend: Acht unverplante Stunden lagen vor den inzwischen 40-Jährigen. Und im Zelt hinter ihnen genug Nahrung. Das ist noch immer die DNA der Pfadi: ein Feuer und ein Zelt voller «Not»-Versorgung. Sogar hier, mitten in Aarau, gab das ein wohliges Gefühl. Die Sturmböen hoben das Zelt eine Handbreit vom Boden weg, die Verankerungsseile zerrten an den Wasserkanistern, Regen tropfte vor die Füsse. Altbekannt, das alles. Und der Geruch von Abenteuer war sowieso da: der Rauch.

Schlangenbrot statt Langeweile

Um die Mittagszeit erschienen vier weitere ehemalige Fähnli-Mitglieder, die eigenen Kinder mit dabei. «Pitschina hast du doch geheissen, und wie ging noch mal der Fähnli-Ruf?» – Erinnerungen wurden wach. «Das Lager am Bodensee, wisst ihr noch», sagte Chilwa, «als alle krank wurden wegen den Salmonellen im Wasser.» «Überall die Flecken von Erbrochenen in der Wiese», warf Libelle ein. Wohliges Erinnerungs-Gruseln. Nudle, die damals die Gruppenleiterin war, sagte: «Ihr seid mir voll Vertrauen überall hin gefolgt. Dabei war ich bloss fünf Jahre älter und selber noch ein Teenager.»

Die Kinder markierten mit ein paar Holzscheiten ein Gefängnis und spielten Gefangene und Wärter. Sechs Stunden Feuerwache, und noch immer keine Langeweile. Dann gab es Schlangenbrot und Schoggibananen, damit der Nachwuchs weiss, wie Pfadi auf der Zunge schmeckt.

Um 16 Uhr kamen die aktiven Pfadi-leiter und hielten ihren Lagerplanungshöck am Feuer ab: An Pfingsten will die ganze Abteilung anlässlich des Jubiläums ins Pfingstlager verreisen. Zuerst steht aber am 23. März der Schnuppertag an. Die Adler setzen alles daran, dass die Mitgliederzahlen nach einem Rekordtief 2011 weiter massiv steigen: In den letzten acht Jahren hat sich die Grösse der Abteilung mehr als verdoppelt und liegt schon fast bei 200 Mitgliedern. Nur in den 90er-Jahren hatten die Adler noch mehr Zulauf: 300 Pfadis zählte die Abteilung, als die ehemaligen Felsenburger-Pfadis aktiv waren. Jetzt ziehen sie ab vom Schlossplatz Richtung geheizte Stube – endlich mal wieder nach Feuer duftend und mit schwarzen Rändern unter den Nägeln.

* Sabine Kuster/Zwaschpel war Mitglied des Fähnlein Felsenburg und arbeitet heute für die CH Media.

Meistgesehen

Artboard 1