Buchs
Bei «Liquidation» droht die Schnäppchen-Falle

Teppichverkäufer werben in Buchs unter dem Vorwand einer Liquidation mit angeblich tiefen Preisen. Branchenkenner warnen allerdings vor schnellen Käufen bei der Firma AMSF.

Anna Wanner
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Die AMSF AG tourt mit ihren Teppichen durch die ganze Schweiz.Efu

Die AMSF AG tourt mit ihren Teppichen durch die ganze Schweiz.Efu

Das Angebot ist verlockend: Handgeknüpfte Perser- und Orientteppiche sollen «bis zu einem Drittel des Gutachtenwertes» verkauft werden. Damit wirbt die Alektra Mercantile, Shipping & Financing AG (AMSF) aus Zug, für einen Pfandverwertungsverkauf im Gemeindesaal in Buchs. Und tatsächlich breiten am Dienstag drei Verkäufer viele Teppiche aus, stapeln sie auf dem Parkettboden und hängen sie über umgekippte Tische. Auf die Frage, von welcher konkursiten Firma die Teppiche stammen, sagt einer der Verkäufer: «Ich gebe keine Auskunft. Ich bin bloss der Sachverständige.» Und verweist auf seinen Chef. Kontaktinformationen rückt er aber keine heraus.

Nach einer Recherche bestätigt Herr Obrist von der AMSF am Telefon, wie es im Inserat steht: dass die Teppiche ein «Pfandgut einer Schweizer Grossbank» seien. Obrist sagt aber: «Die Grossbank hat uns vertraglich abgerungen, keine Namen zu nennen.» Die Herkunft der Teppiche bleibt also geheim. Und Herr Obrist ist fortan nicht mehr erreichbar.

«Die Beschwerden stapeln sich»

Branchenkenner und Präsident der Interessengemeinschaft Orientteppich (IGOT), Bruno Meier, vermutet, dass es die Grossbank und das Pfandgut «mit grösster Wahrscheinlichkeit gar nicht gibt». Er warnt vor schnellen Käufen beim Liquidator AMSF: «Die Beschwerden gegen die Firma stapeln sich bei der IGOT.»

Schon vor zwei Jahren untersuchte Meier für den «Kassensturz» das Liquidations-Angebot der AMSF. Und kam damals zum Schluss, dass die Teppiche in der Regel gar nicht billiger sind als im Detailhandel. «Der genannte Anfangspreis ist viel zu hoch», sagt er. Dadurch werde das Rabattversprechen nicht eingehalten.

Werbung in der ganzen Schweiz

Mit demselben Inserat wirbt die AMSF systematisch in der ganzen Schweiz um Käufer – nur der Verkaufsort ändert. Trotzdem eilt das Geschäft laut Werbung. Denn die «erstaunliche Sammlung» werde nur «innert der kurz bemessenen Zeitspanne von zwei Tagen» feilgeboten. Stossend an diesem Vorgehen ist ausserdem die Irreführung der Kunden. Laut Bruno Meier entsteht dadurch ein Zeitdruck für den Käufer, der sich viel zu schnell entscheiden muss: «Man meint, es sei eine günstige Gelegenheit, und schlägt zu. Dabei ziehen die Verkäufer der AMSF das ganze Jahr von Ort zu Ort.» Bruno Meier rät deshalb, nie einen Teppich unter Zeitdruck zu kaufen.

Zu den Vorwürfen nahm die Firma selbst keine Stellung. Mitarbeiter Daniel Bucher sagte, er sei neu bei der AMSF und während zweier Tage alleine im Büro. Die Kollegen seien per Mobiltelefon nicht zu erreichen. Bucher: «Sie haben das Natel meist ausgeschaltet.»

Info: Wer seinen Teppich nachträglich prüfen lassen will, kann sich an die IGOT wenden: info@igot.ch