Suhr
Bei der Bilderbörse wurden schon Bilder mit dem Polizeiauto angeliefert

Die Aargauer Bilderbörse ist für Überraschungen gut. Immer wieder wickeln Bilderlieferanten Schätze aus den Wolldecken. Am Freitag startet die zehnte Ausgabe in der Bärenmatte in Suhr.

Katja Schlegel
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1996 hat Beat Bianchi die allererste Bilderbörse organisiert, dieses Wochenende findet die 10. Ausgabe statt.

1996 hat Beat Bianchi die allererste Bilderbörse organisiert, dieses Wochenende findet die 10. Ausgabe statt.

Jiri Reiner

Da gefror den Organisatoren das Blut in den Adern. Damals, kurz vor der Eröffnung der allerersten Bilderbörse in der ehemaligen Elfa-Fabrik in Aarau, als ein Polizeiwagen vorfuhr und die Beamten skeptisch in die mit Gemälden vollgehängten Räume linsten. «Wer weiss, was die Polizisten gedacht haben», sagt Beat Bianchi und lacht. «Wir hatten jedenfalls schon Angst, wir hätten irgendwelche Bewilligungen vergessen.»

Die Polizisten liessen sich ausführlich erklären, wie das mit der Bilderbörse abläuft, und eine halbe Stunde später stand der eine Polizist wieder in der Halle, unter dem Arm die Bilder seiner Grossmutter.

Die Geschichte stammt aus dem Jahr 1996. Auch 18 Jahre später stehen sie wieder in einer Halle, die Leute mit den Bildern ihrer Grossmütter unter den Armen. Diesmal aber in der Bärenmatte Suhr. Hier organisiert Bianchi, Galerist, Ausstellungsmacher und auf Schloss Wildenstein in Veltheim zuständig für Kunst, nach fast zehnjähriger Pause die zehnte Ausgabe der Aargauer Bilderbörse.

Kofferraum voller Kunst

Es ist später Donnerstagnachmittag, seit wenigen Minuten läuft die Annahme der Bilder. Aus der ganzen Schweiz kommen sie angefahren, die Kofferräume voller Kunst. Eingewickelt in Wolldecken, Seidenpapier, Luftpolsterfolie und Strandtücher werden die Werke in den Saal getragen. Da hämmern zwei Männer Nägel in die Stellwände, um die Helgen aufzuhängen. Bianchi nickt zufrieden. «Schöne Sachen», murmelt er.

Es sind keine Sammler, die ihre Bilder herbringen. Es sind Leute, die geerbt oder den Estrich aufgeräumt haben. Leute, die ins Altersheim ziehen und die Bilder loswerden müssen. Oder Leute, die zu Hause einen Tapetenwechsel brauchen und das Bild über dem Sofa auswechseln wollen. Ein Mann aus Uitikon beispielsweise hat die Bilder der Schwiegermutter gebracht, weil sie nicht zur Einrichtung passen, wie er sagt. «Anstatt sie im Keller herumstehen zu lassen, gebe ich sie lieber an jemanden weiter, der Freude daran hat.»

Exquisite Schnäppchen

Die Bandbreite an eingelieferten Werken ist breit; mal sind es Ölbilder, mal Lithografien, mal Radierungen. Nicht angenommen werden Kunstdrucke und Poster. Noch vielfältiger sind natürlich die Sujets, über die sich zum Teil noch nicht einmal mehr streiten lässt. Aber das spielt keine Rolle. «Wir nehmen alle gemalten Bilder an», sagt Bianchi und zuckt mit den Schultern, «wir reden den Verkäufern jeweils nur bei der Preisvorstellung ins Gewissen.» Dann kostet ein Bild halt nur 20 Franken.

Manchmal, da verirren sich auch ganz exquisite Werke hierher, Schnäppchen, nach denen sich Sammler die Finger lecken. Bianchi erinnert sich an Grafiken von Pablo Picasso, Friedensreich Hundertwasser, Hans Erni und Hans Falk, an Originale von Cuno Amiet und an Zeichnungen von Albert Anker und Rolf Knie. Das teuerste, je an einer Bilderbörse verkaufte Werk war eines des Bündner Künstlers Alois Carigiet, bekannt durch den «Schellenursli». Es brachte 20000 Franken.

Oft hat der Rahmen schon mehr Wert

Rund ein Viertel aller abgelieferten Bilder wird in der Regel verkauft. Den Verkaufspreis der Bilder bestimmen die Eigentümer selbst. Für jedes eingelieferte Bild bezahlen sie einen Unkostenbeitrag von 10 Franken. Wird es verkauft, bekommt der Veranstalter 27 Prozent des Verkaufspreises inklusive Mehrwertsteuer. Hoch seien die Verkaufspreise jeweils nicht, im Gegenteil. Bei vielen würde schon allein der Rahmen mehr kosten als die paar Franken, die die Besitzer für den Helgen verlangen. «Den meisten geht es nicht ums Geld, sondern ums Wissen, dass jemand Freude daran hat», sagt Bianchi. Oftmals bekomme er von den Besitzern ganze Familiengeschichten zu hören. Viele würden sich trotz allem schwertun, das Bild, das jahrzehntelang in der Stube hing und mit vielen Erinnerungen behaftet ist, wegzugeben.

Aargauer Bilderbörse in der Bärenmatte Suhr. Freitag, 10 bis 17 Uhr Anlieferung, 19 Uhr Eröffnung. Samstag, 10 bis 19 Uhr Verkauf und weitere Anlieferung. Sonntag, 11 bis 16 Uhr Verkauf, 16 bis 19 Uhr Abholung nicht verkaufter Bilder

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