Aarau
Behindertenschwimmen im Hallenbad Telli: Alle Teilnehmer sind Sieger

In Aarau schwammen am Samstag 115 körperlich und geistig Behinderte in Freistil und Brust über 25 oder 50 Meter um den Titel eines Aargauer Meisters .Die Emotionen bei den Teilnehmern waren hoch: Die Sieger waren glücklich, die Verlierer traurig.

Sibylle Haltiner
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Ein Schwimmer crawlt in der Kategorie Freistil. Doch auch Rücken- und Brustschwimmen sind erlaubt.

Ein Schwimmer crawlt in der Kategorie Freistil. Doch auch Rücken- und Brustschwimmen sind erlaubt.

Sibylle Haltiner

«Hopp, hopp, ziehen, du schaffst es!» tönte es am Samstagnachmittag im Hallenbad Telli in Aarau. Die Schwimmerinnen und Schwimmer wurden von Trainerinnen und Freunden angefeuert und beim Verlassen des Wassers fröhlich in Empfang genommen. Anerkennendes Schulterklopfen belohnte die Sportler, aufmunternde Worte trösteten, wenn es nicht nach Wunsch gelaufen war.

Eine Sportveranstaltung wie viele andere? Ja, mit einem Unterschied: Die Teilnehmenden leben alle mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung. Dies hielt sie aber nicht davon ab, hart um Siege und Platzierungen zu kämpfen, ging es doch um den Titel des Aargauer Meisters.

Bereits zum 26. Mal wurden diese Wettkämpfe ausgetragen, abwechslungsweise finden sie in Aarau, Wettingen, Mellingen oder Brugg statt. Am Samstag zeichnete die Behindertensportgruppe Aarau für die Organisation verantwortlich, unterstützt i vom Schwimmclub Aarefisch.

Wer mit einem Kopfsprung in den Wettkampf starten konnte, war im Vorteil
5 Bilder
Simon Nussbaumer, Jonas Brigger und Roger Frey (v
Auf den letzten Metern gaben die Schwimmerinnen und Schwimmer nochmals alles
Der beidhändige Zielanschlag wurde genau überprüft
Die Schnellsten im Freistil waren im Crawl unterwegs, doch auch Rücken- und Brustschwimmen war erlaubt

Wer mit einem Kopfsprung in den Wettkampf starten konnte, war im Vorteil

115 Schwimmerinnen und Schwimmer hatten sich angemeldet. Ausgetragen wurden Wettkämpfe über 25 oder 50 Meter, Brust oder Freistil. Wobei hier Freistil die ursprüngliche Bedeutung hatte: Neben Crawl sah man Rückenschwimmer, und Brustschwimmerinnen hatten auch in dieser Disziplin eine Chance.

Einige Sportler stürzten sich mit einem Kopfsprung in den Wettkampf, andere bevorzugten den Start aus dem Wasser. Gewisse Regeln galten trotzdem: Der Zielanschlag hatte mit beiden Händen zu erfolgen, disqualifiziert wurde, wer in der Brustdisziplin den Crawl-Beinschlag benützte oder sich an den Leinen abstiess.

Die Schnellsten der Vorläufe qualifizierten sich für den Final. «Wettkämpfe sind wichtig, wir haben drei Monate nur auf diesen Tag hin trainiert», erklärte Bruno Lussi, technischer Leiter der Behindertensportgruppe Wettingen. Von rund 40 Mitgliedern, die regelmässig das Schwimmtraining besuchen, waren 28 am Start. «Die Besten von ihnen dürfen an der Schweizermeisterschaft teilnehmen. Das werden etwa zehn sein.» Im Training mit Behinderten brauche es viel Zeit, Geduld und Nerven, meinte Lussi. «Es geht länger, bis etwas gelernt ist. Dafür kommt viel retour, auch Dankbarkeit.»

Anniek Moser, Trainerin beim Behindertensport Region Brugg, erzählte: «Man muss das Training individuell gestalten und immer wieder auf die Emotionen Rücksicht nehmen.» Diese gingen auch am Samstag schnell hoch und wieder runter. Überglücklich, wer es in den Final geschafft, enttäuscht, wer sich eine bessere Rangierung vorgenommen hatte. Doch eine Trainerin schaffte es, auch die weniger Erfolgreichen zu trösten: «Alle, die heute hier geschwommen sind, sind Sieger.»