Ein Rollstuhlfahrer, der in Zürich sein Auto auf einem Behindertenparkplatz abstellt, kann es dort so lange stehen lassen, wie er will. Ideal also für einen Kinobesuch oder einen Einkauf ohne Stress.

Viel weniger liberal ist die Parkordnung in Aarau: In der Nähe der Altstadt etwa gibt es für Rollstuhlfahrer zwei Behindertenparkplätze am Rain und zwei auf dem Schlossplatz. Sie alle sind zeitlich begrenzt: Wer hier parkiert, muss spätestens zweieinhalb Stunden später wieder weg sein. «Viel zu kurz», ärgert sich Nicolas Hausammann: «Die Zeit reicht ja nicht einmal für ein Abendessen.»

Parkplätze besetzt

Er hat beobachtet, dass die Behindertenparkplätze in Altstadtnähe in letzter Zeit oft leer bleiben. Denn, und das ist in den Augen von Hausammann ein politischer Irrsinn, mit der Behindertenkarte darf man auf einem normalen Parkfeld sechs Stunden über die normale Dauer hinaus parkieren. Auch wenn man argumentieren könnte, das sei ja durchaus komfortabel, gibt es einen Haken: Oft sind herkömmliche Parkplätze in Altstadtnähe besetzt. Viele Behinderte können mit dem Rollstuhl keine langen Distanzen zurücklegen und sind deshalb darauf angewiesen, stets an gleicher Stelle ein Parkfeld vorzufinden.

Ist es gerechter, wenn alle zahlen?

Der Altstadtbewohner hat sich in seinem Ärger bereits an die Stadt gewandt. Sowohl vonseiten Stadtbauamt wie von der Stadtpolizei hat er folgende Antwort bekommen: «Rollstuhlfahrer sollen wie alle anderen für ein Parkfeld zahlen.» Der 30-Jährige findet dies ungerecht: «Schliesslich können Behinderte sich meistens nicht aussuchen, ob sie lieber mit dem öffentlichen Verkehr in die Stadt kommen möchten statt mit dem Auto.» Seine Mobilität definiere sich über das Auto, betont der Rollstuhlfahrer. Deshalb ist für ihn klar: «Es braucht Behindertenparkplätze ohne Zeitbeschränkung.»

So wie es in Zürich der Fall ist: «Bei uns kann jemand mit Behindertenkarte auf einem Behindertenparkplatz unbegrenzt parkieren», sagt Mario Christen von der Stadtpolizei Zürich. 192 solche Behindertenparkplätze gibt es in der ganzen Stadt Zürich.

Noch weiter geht man im EU-Raum: Hier darf mit einer Behindertenkarte sowohl auf Behindertenparkplätzen sowie auf Parkplätzen mit Parkuhr zeitlich unbegrenzt und gratis parkiert werden. Ausgerechnet die Organisation für behinderte Menschen Pro Infirmis versteht aber Aaraus Parkverordnung: «Man kann als behinderter Mensch nicht erwarten, dass man nichts zahlt für einen Parkplatz», sagt Sprecher Mark Zumbühl. Das wäre nicht zu Ende gedachte Gleichstellung. Falls es aber die finanzielle Situation eines Rollstuhlfahrers nicht zulassen würde, einen Parkplatz zu bezahlen, müsste er bei einer zuständigen Stelle Erlass beantragen.

Lange Distanzen sind schwierig

Und was sagt Hausammann dazu? «Ab dem Moment, in dem in einer Stadt alles behindertengerecht ist und wir wählen könnten, ob wir den Zug nehmen, oder doch mit dem Auto fahren, bin ich einverstanden.» Er selber mietet seit kurzem einen fixen Parkplatz in Altstadtnähe. So hat zumindest er, das Problem nicht mehr.