Aarau
Begehrte Krippenplätze: Aufnahmestopp ist gelockert – vorerst

Der Verein Erziehung und Bildung nimmt wieder neue Kinder in Kita und Hort auf – vorerst

Nadja Rohner
Drucken
Teilen
Der Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder (hier in der Kita Känguru in Aarau) steigt kontinuierlich an.

Der Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder (hier in der Kita Känguru in Aarau) steigt kontinuierlich an.

Annika Buetschi / AZ

105 Kinder hat der Verein Erziehung und Bildung (VEB) im Moment auf den Wartelisten für seine Kita «Spielvilla» und den Hort «Clubhaus Telli». Doch seit Monaten hat sich auf dieser Warteliste nichts mehr bewegt. Bis jetzt.

Rückblick: Gegen Ende letzten Jahres haben einige Aarauer Eltern einen besorgniserregenden Brief bekommen. Absender war der VEB als Trägerorganisation der «Spielvilla» und des «Clubhaus Telli». Den Eltern wurde mitgeteilt, dass bis auf weiteres keine neuen Kinder aufgenommen werden – obwohl die Betreuungseinrichtungen nicht ausgebucht sind. Der Grund: Die Stadt subventioniert 90 (Krippe) beziehungsweise 70 (Hort) Prozent aller Betreuungstage. Nimmt die Institution mehr Kinder auf, darf sie ihnen trotzdem nicht die Vollkosten, sondern nur maximal 110 Franken pro Tag in Rechnung stellen. So verlangt es das gültige Reglement. «Die Betreuungskosten dieser zusätzlichen Kinder sind damit aber nicht gedeckt, sodass wir für die draufzahlen», sagte VEB-Geschäftsführerin Alice Liechti im Dezember zur az. Deshalb habe man einen Aufnahmestopp verhängt.

«Haben gemeinsamen Boden»

Mittlerweile haben sich die Verantwortlichen des VEB, die zuständige Stadträtin Franziska Graf und die Sozialen Dienste zusammengesetzt. «Wir konnten einiges klären», sagt Alice Liechti. «Zwar sind noch Fragen offen, vor allem zu Finanzierungsabläufen. Aber wir sind uns einig, dass wir Familien fördern wollen. Es ist schön, diesen gemeinsamen Boden zu haben.» Sie sei froh, so die VEB-Geschäftsführerin weiter, «dass durch das Gespräch wieder Bewegung entstanden ist».

Froh dürften auch die Eltern sein. Denn der VEB hat seinen Aufnahmestopp letzte Woche gelockert. Eltern, die das Betreuungspensum schon lange aufstocken möchten, können das jetzt nach Möglichkeit mit einem subventionierten Platz tun. Wenn ein Kind aus einer VEB-Krippe in den Hort derselben Organisation übertritt, sollte es nun ebenfalls einen Platz bekommen. Und: Geschwister von VEB-Kindern haben nun ebenfalls wieder Aussicht auf Betreuung. Allerdings zum Maximalpreis von 110 Franken pro Tag. Doch viele Eltern dürften gerne bereit sein, diesen zu bezahlen, wenn sie einen Betreuungsplatz für ihr Kind erhalten.
Nach und nach kontaktiert der VEB nun die Eltern der Kinder auf den Wartelisten. Doch längst nicht jeder erhält demnächst einen Platz. «Wir müssen die Qualitätsstandards punkto Maximalbelegung einhalten», sagt Liechti.

Für den VEB bestehe immer noch ein finanzielles Risiko, betont die Geschäftsführerin. Sind Krippe und Hort zu mehr als 90 respektive 70 Prozent mit subventionierten Plätzen belegt, zahle der VEB unter Umständen drauf. «Wir schauen, wie sich die Lage im Sommer mit dem grossen Wechsel aufs neue Schuljahr entwickelt», sagt Liechti. «Allenfalls wird es dann wieder sehr eng mit weiteren Aufnahmen.»

Aarauer haben mehr Kinder

Von den 105 Kindern, die derzeit auf den den Wartelisten des VEB stehen, sollen 41 in die Krippe und 21 in den Hort «Spielvilla», weitere 43 in den Hort «Clubhaus Telli». Der Ansturm hängt nicht nur damit zusammen, dass die Bevölkerung an sich zunimmt. VEB-Geschäftsführerin Alice Liechti hat auch festgestellt, dass die Anzahl Kinder pro Familie steigt. «Als ich hier im 2008 angefangen habe, hatten wir hauptsächlich Ein-Kind-Familien. Jetzt stellen wir eine enorme Veränderung fest – es gibt bei uns einige Familien mit drei Kindern.» Und das seien sowohl Schweizer als auch ausländische Familien.

Aktuelle Nachrichten