Er war ein Wirt durch und durch. Er hat gearbeitet, gechrampft – und ist kaum kürzer getreten, nachdem ihm der Körper die ersten Warnsignale gegeben hatte. Sein Kommentar war stets: «Mir mache s gärn.»

Im letzten Spätherbst spürte er, dass etwas mehr Ruhe angezeigt wäre. Aber vielleicht war es da schon zu spät. Am Sonntag ist der Küttiger «Traube»-Wirt Beat Michel im Alter von 63 Jahren gestorben. «Ein aussergewöhnlicher Mensch lebt nicht mehr», schreibt die Familie in der Todesanzeige.

Die Metzgete vom Heuwagen sind legendär. Ebenso der Brunch am Sonntagmorgen und der lange Herbst mit den Wild-Spezialitäten. Unter der Führung von Beat hat die Familie Michel die «Traube» zu einer der ersten Adressen in der soliden, geerdeten Aargauer Gastronomie gemacht. Und er hat frühzeitig erkannt, dass ein Restaurant-Betrieb dann speziell gut floriert, wenn man ihm einen Partyservice angliedert. Beat Michel war darin sehr erfolgreich, schaffte scheinbar mit links XXL-Veranstaltungen – gerade auch in bäuerlichen Kreisen.

Der Bauernsohn Michel, der Koch gelernt und in jungen Jahren oft bei Metzgern ausgeholfen hat, übernahm die «Traube» im September 1978. Im Alter von erst 22 Jahren. Schon damals mit dabei: seine Ehefrau Elisabeth. «Sie hat einen wesentlichen Beitrag zu unserem Erfolg geleistet», sagte Beat Michel bei Beginn des Jubiläums «40 Jahre Wirtefamilie Michel». Es endete im letzten Sommer mit einem Frauen-Schwinget in Uezwil. Dort, wo die Michels einen Bauernbetrieb haben; dort, wo der Küttiger Wirt wohnte.

Die «Traube» war alt, als sie in die Hände der Michels kam. In verschiedenen Etappen wurde das Gebäude modernisiert. Die Wirtschaft war stets ein Familienbetrieb, die Nachfolgeregelung aufgegleist. Der Vater hatte zuletzt die Oberaufsicht, Sohn Patrick (ihm gehört das 2016 dem Betrieb angegliederte Hotel Garni) arbeitete als Küchenchef, Tochter Karin als Chefin de Service. Der Betrieb in Küttigen wird weitergehen – auch wenn jetzt ein wichtiger Motor fehlt. (uhg)