Es ist eine Vakanz zur Unzeit: Ende Mai war bekannt geworden, dass Bauverwalter Andreas Filosi, seit fünf Jahren in Küttigen tätig, Ende August geht. Und gestern teilte die Gemeinde mit, dass vorerst kein Nachfolger eingestellt wird – der Gemeinderat hat das Lenzburger Büro Flury Planer und Ingenieure AG mit der interimistischen Führung der Bauverwaltung betraut.

Eine ungewöhnliche Massnahme zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt: Küttigen hat nicht nur eigene Grossprojekte in der Pipeline (Neubau Garderobe und Schutzraum beim Sportplatz Ritzer, Baugesuch in Vorbereitung), sondern steht auch vor einem massiven Bevölkerungswachstum. Auf dem Areal der ehemaligen Baumschule Hauenstein entsteht in den nächsten Jahren ein neues Quartier mit 170 Miet- und Eigentumswohnungen sowie Reiheneinfamilienhäusern (Baugesuchsauflage im Herbst).

Ganz in der Nähe, beim ehemaligen Restaurant ThaiThai, sind 22 Wohnungen geplant (Projekt lag 2018 auf, wird derzeit nachbearbeitet). Im Dorfkern ist ausserdem ein Gesundheitszentrum geplant. Allein das Baumschulareal-Projekt wird bis zu 500 neue Einwohner bringen (heute rund 6300).

Und in dieser Phase will der Gemeinderat «die bestehende Organisation» der Bauverwaltung analysieren und «mögliche strukturelle Veränderungen prüfen», wie er schreibt. So überraschend der Zeitpunkt, so absehbar der Umstand: Verschiedentlich wurde an die AZ herangetragen, dass gerade Bauherren in Küttigen einen überdurchschnittlich langen Geduldsfaden brauchen, wenn sie ein Projekt umsetzen wollen.

Ammann: «Seit Jahren Schwierigkeiten»

«Das erstaunt mich nicht», sagt nun Gemeindeammann Tobias Leuthard, der neben dem Personal auch für den Hochbau zuständig ist. «Wir haben seit Jahren strukturelle und organisatorische Schwierigkeiten auf der Bauverwaltung. Das ist unbestritten.»

Die Gemeinde hat schon 2018 eine Verwaltungsanalyse in Auftrag gegeben, welche nicht nur die Bauverwaltung, sondern auch andere Abteilungen umfasst. Die Resultate lagen im März dieses Jahres vor. «Sie hat klar aufgezeigt, dass die Struktur der Bauverwaltung optimiert werden muss.»

Der Bauverwalter nehme heute eine zu zentrale Rolle in allen Fachgebieten ein. Egal ob Hochbau, Tiefbau, Baugesuche oder gemeindeeigene Projekte – der Bauverwalter ist das Nadelöhr, alles muss über seinen Schreibtisch. «Hier streben wir eine Entflechtung an», so Leuthard.

Es sei nun nicht so, dass der Gemeinderat bislang nichts unternommen habe, um das Problem zu lösen, sagt Leuthard, der dem Gremium seit sieben Jahren angehört. Man habe in den vergangenen Jahren auf der Bauverwaltung mit verschiedenen Führungsmodellen gearbeitet.

Ins Detail gehen will er nicht, aber: «Modell und beteiligte Personen haben sich einfach nie gefunden.» Leuthard bestreitet, dass Bauverwalter Filosi deshalb gehen muss: «Er hat einfach ein sehr gutes Angebot bekommen.» Filosi wird Abteilungsleiter Hochbau/Ortsplanung in der Ausserrhoder Kantonshauptstadt Herisau.

Etwa ein Dreivierteljahr will man sich nun Zeit nehmen, um die Bauverwaltung neu aufzustellen. Leuthard will die Ergebnisse nicht vorwegnehmen. Er sagt lediglich: «Es ist gut möglich, dass der Stellenetat in der Bauverwaltung weiter erhöht werden muss.»

Pensionierte hat vier Jahre lang ausgeholfen

Die Suche nach neuem Personal dürfte schwierig werden. «Der Markt ist ausgetrocknet», sagt Tobias Leuthard. Das zeigt sich auch in einer weiteren Personalie: Zeitgleich mit Andreas Filosi verlässt Marianne Kauer die Küttiger Bauverwaltung. Sie hat in den letzten rund vier Jahren in einem Teilzeitpensum ausgeholfen. Kauer war früher Bauverwalterin in Suhr – und ist bald 70 Jahre alt. «Wir haben sehr von ihrer Erfahrung profitiert», sagt Ammann Leuthard. Aber ideal ist es nicht, wenn der Markt zu wenig junge Kräfte hergibt.

Die Bauherren sollen nicht unter der Umstrukturierung leiden. Da sich das Ingenieurbüro Flury hauptsächlich mit den Baugesuchen beschäftigt und regelmässig in Küttigen präsent sein wird, ist damit zu rechnen, dass es hier rascher vorwärtsgeht als auch schon.