Erlinsbach AG
Baumfrevler wüteten auf der Ramsflue: Jetzt werden die Spuren getilgt

Neues Leben auf der Ramsflue: 2015 fällten zwei Freunde rund ein Dutzend Büsche und Bäume, darunter auch eine über 100 Jahre alte Föhre – Landbesitzer Beat Roth hat nun dem Forstbetrieb Jura den Auftrag erteilt, die Ramsflue neu zu bepflanzen.

Nadja Rohner
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Peter Roth (l.), Vater des Landbesitzers Beat Roth, und Sebastian Selinger, Lernender beim Forstbetrieb Jura, pflanzen die jungen Föhren neben dem alten Stumpf.

Peter Roth (l.), Vater des Landbesitzers Beat Roth, und Sebastian Selinger, Lernender beim Forstbetrieb Jura, pflanzen die jungen Föhren neben dem alten Stumpf.

Zwei Sommer lang war der Erlinsbacher Hausberg Ramsflue (704 m.ü.M.), eine gegen Westen hin steil abfallende Anhöhe nahe der Wasserflue, ein karger Anblick. Ein beträchtlicher Teil des Baumbestandes war abrasiert worden – mit einer Motorsäge und aus einer Dummheit heraus. Eine Tragödie für Naturliebhaber. Nun soll der Kraftort oberhalb von Erlinsbach wieder etwas grüner werden.

Rückblick: Im Dezember 2015 wurde auf der Ramsflue gefrevelt: Zwei Freunde fällten rund ein Dutzend Büsche und Bäume. Darunter eine nicht besonders grosse, aber doch sehr markante und exponiert stehende Föhre. Über 100 Jahre hatte dieses Ramsflue-Wahrzeichen vorne auf der Felsnase ausgeharrt; dort, wo das Bänkli steht und sich Wanderer und Ruhesuchende gleichermassen über den Ausblick freuten. Freilich hatten die Täter keinerlei Recht, dem Baumbestand auf der Ramsflue zu Leibe zu rücken, der Wald gehört ihnen erstens nicht und ist zweitens ein Naturreservat.

Gericht lehnt Schadenersatz ab

Weshalb die beiden Männer also glaubten, es sei in Ordnung, wenn sie die Bäume fällen würden, um dann ein kräftig loderndes Feuer zu entzünden, bleibt im Dunkeln. Pech für sie, dass ein wanderndes Ehepaar ihr Tun bemerkte und sie beim Landbesitzer, Beat Roth aus dem Erlinsbacher Weiler Hard, meldete.

Die Täter, die den Baumfrevel stets abstritten, wurden vom Bezirks- und später vom Obergericht verurteilt. Wegen Verstössen gegen das Waldgesetz, das Verkehrsgesetz – sie hatten Fahrverbote missachtet – und wegen Sachbeschädigung. Bezahlen mussten sie Bussen von je rund 3000 Franken. Anders als noch das Bezirksgericht anerkannte das Obergericht aber den Schaden nicht – der Landbesitzer hatte ihn, basierend auf einer Offerte, auf rund 15 000 Franken beziffert. Deshalb mussten die Täter keinerlei Schadenersatz bezahlen und Landbesitzer Beat Roth blieb sogar auf einem Teil der Gerichtskosten sitzen. «Das ist schon sehr schwer nachvollziehbar», konstatiert dieser.

Trotzdem war für Beat Roth klar: So kahl, wie die Ramsflue jetzt ist, kann sie nicht bleiben. «Was der Natur genommen wurde, soll ihr zurückgegeben werden.» Das Obergericht, so erzählt Roth bedauernd, habe den landschaftlichen und ökologischen Wert der Bäume nicht erkannt. «Die wachsen nicht einfach wieder nach wie ein Rasen im Garten.» Also hat Roth nun dem Forstbetrieb Jura den Auftrag erteilt, die Ramsflue neu zu bepflanzen. Unter Beisein von Roths Vater Peter wurden kürzlich einige junge Föhren gepflanzt. Im Herbst, wenn es feuchter ist, kommen noch Büsche und Sträucher dazu.

Die magische Föhre auf der Ramsfluh vor (links) und nach dem Baumfrevel.      

Die magische Föhre auf der Ramsfluh vor (links) und nach dem Baumfrevel.      

Tele M1

Da das Gericht die Entschädigung abgelehnt hatte, muss nun Roth als Landbesitzer die Wiederaufforstung selber bezahlen. Immerhin: «Die beiden verurteilten Täter meldeten sich nach der Verhandlung beim Obergericht und suchten das Gespräch mit uns», erzählt Roth. «Sie streiten zwar nach wie vor ab, dass sie die Bäume gefällt haben. Aber sie stimmen uns zu, dass es auf der Ramsflue jetzt schlimm aussieht. Also haben sie in Aussicht gestellt, sich in irgendeiner Form an der Wiederaufforstung zu beteiligen.»

Ab Aarau gut erreichbar

Wer sich die Ramsflue und ihr grossartiges Panorama selber anschauen möchte: Sie ist zu Fuss in einer kurzen Wanderung recht gut erreichbar. Entweder nimmt man den Bus Nummer 2 ab Aarau Richtung Barmelweid bis zur Haltestelle «Abzweigung Hard», oder man parkiert das Auto auf dem dortigen Parkplatz. Ein Wanderweg führt anschliessend zum Weiler Hard. Am Ende des Weilers findet man einen Wegweiser zur Ramsflue.