Juristisch gesehen ging es am Freitag vor dem Bezirksgericht Lenzburg um die Widerhandlung gegen das Baugesetz. Menschlich ging es um Hans (Name geändert) beziehungsweise um eine Nachbarschaft, die ihm nicht sonderlich gewogen schien. Diese hatte Hans wegen nicht bewilligter Bautätigkeit bei der Gemeinde verpfiffen. Hans wollte dies nicht auf sich sitzen lassen: Gegen die Strafanzeige mit einer Busse von 3000 Franken hat er Einsprache erhoben. «Es sind alles bewilligte Sachen und keine kriminellen Handlungen», befand Hans. Vor dem Bezirksgericht erschien er ohne Anwalt. Zur Verteidigung hatte er einen Schreibblock vollgeschrieben mit Notizen vor sich.

Zehn Jahre ist es her, seit Hans die Liegenschaft, ein mittlerweile 90-jähriges Bauernhaus, in der Region gekauft hat. Dort lebt er – allein. Am Haus hat er seither immer ein wenig herumgewerkelt. Bauen sei sein Hobby, erklärte er Gerichtspräsidentin Eva Lüscher. «So wie andere gerne mit Bauklötzen spielen oder Velo fahren, baue ich halt gerne.»

Seiner Freizeitbeschäftigung hat er auch dann noch weitergefrönt, als die Gemeinde einen Baustopp verhängt hatte. Eine Backsteinmauer und eine zusätzliche Tür in ein Mauerwerk waren zu viel gewesen und hatten das Fass zum Überlaufen gebracht. Vor Gericht vertrat Hans die Ansicht, diese Bautätigkeit sei Teil eines bereits früher bewilligten Baugesuchs für den Einbau einer Garagentür in den Schopf.

Verdacht wegen Brandstiftung

Seit der ersten Baubewilligung hatte Hans seine Pläne geändert, in der Absicht, das Ökonomiegebäude mit Wohnungen zu erweitern. Doch kam es nicht dazu. Im vergangenen Sommer brach im Schopf ein Brand aus, was zu einem Grosseinsatz der Feuerwehr und zu einem riesigen Sachschaden führte.

Deswegen hatte Hans anschliessend auch noch ein Strafverfahren wegen Brandstiftung am Hals. Dieses sei jedoch abgeschlossen, erklärte er der Gerichtspräsidentin, der Verdacht gegen ihn habe sich nicht erhärtet, er sei freigesprochen worden.

Baustopp negiert

Die Bauverwaltung der Gemeinde obliegt einem externen Fachspezialisten. Dieser ist als Zeuge vor Gericht erschienen. Und er sagte aus, man sei Hinweisen aus Hans’ Nachbarschaft bezüglich unbewilligte Bautätigkeit nachgegangen, habe auch einen Augenschein vor Ort vorgenommen. Offenbar teilte die Bauverwaltung die Haltung der Nachbarn: Nach der örtlichen Begehung wurde Hans schriftlich angewiesen, die Bautätigkeit einzustellen, und zwar so lange, bis eine schriftliche Bewilligung für die fraglichen Bauvorhaben vorliege. Man habe Hans jedoch erlaubt, den bereits «angemachten Beton noch zu verbrauchen», so der Bauverwalter.

An diese Weisung hat sich Hans laut dem Strafbefehl nicht gehalten. «Wir haben Meldung erhalten, dass wieder Bauarbeiten im Gange seien», hielt der Bauverwalter fest. Daraufhin habe der Gemeinderat Massnahmen ergriffen und gegen Hans Anzeige erstattet wegen Missachtung des Baustopps. Das führte zum Strafbefehl, den Hans partout nicht goutieren will.

Hans ist ein stiller, eher schmächtiger Mann. Er spricht leise. Auf sachliche Fragen gibt er kurze Antworten, gegenüber persönlichen gibt er sich zugeknöpft. «Keine Aussage.» Kurz vor Ende der Verhandlung jedoch machte er seinem Ärger noch energisch Luft. Er habe nichts Unrechtes getan, keine kriminellen Handlungen begangen, sagte er und klopfte mit seinem Kugelschreiber fest auf den Schreibblock. Er habe im Rahmen der bewilligten Eingaben gebaut und ergänzte: «Was ich im Innern des Gebäudes mache, ist meine Sache.»

Das Gericht sah das anders. Es sprach Hans der Zuwiderhandlung gegen das Baugesetz schuldig. Er sei in keiner Weise einsichtig oder reuig, bemängelte Gerichtspräsidentin Lüscher. Nebst einer Busse und der Strafbefehlsgebühr von gesamthaft 4000 Franken muss Hans nun auch noch die Verfahrenskosten von 950 Franken berappen.