Aarau
Bau-Odyssee endet mit einem Weitsprung

Mit Tobias Furer und Benjamin Gföhler testeten zwei Top-Leichtathleten die neue Indoor Sprint- und Sprungbahn an der Berufsschule.

Marina Bertoldi
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Der mehrfache Schweizer Meister Tobias Furer (Mitte) trainiert seinen Hürdenlauf auch in Aarau. Am Samstag lief er mit dem BTV-Nachwuchs um die Wette.

Der mehrfache Schweizer Meister Tobias Furer (Mitte) trainiert seinen Hürdenlauf auch in Aarau. Am Samstag lief er mit dem BTV-Nachwuchs um die Wette.

Es ist warm in der Halle, riecht nach Gummi und leicht nach Holzlack. «Ihr wisst, wie es geht», sagt Moderator Andreas Cueni. Das Publikum klatscht in die Hände. Einmal, zweimal, dann immer schneller. Benjamin Gföhler nimmt Anlauf. Er springt, reisst die Arme nach vorne und landet direkt vor den Füssen einiger Zuschauer in der Sprunggrube. Er lächelt. Nach der erreichten Weite fragt der derzeit beste Schweizer Weitspringer nicht. Der Sprung hat symbolischen Charakter. Mit ihm eröffnete Benjamin Gföhler soeben die neue Indoor Sprint- und Sprunganlage der Berufsschule Aarau (BSA). Und beendete damit eine Odyssee.

Weitspringer Benjamin Gföhler (r.) im Interview mit Moderator Andreas Cueni.

Weitspringer Benjamin Gföhler (r.) im Interview mit Moderator Andreas Cueni.

Bis die Arbeiten begannen, musste die Stadt den Kurs mehrmals ändern. Ursprünglich war die Halle beim Torfeld Süd geplant. Von der polysportiven Mantelnutzung sah man jedoch ab – und damit auch von der Sprint- und Sprunganlage. Dann sollte sie in die neue Turnhalle Schachen integriert werden. Im März 2015 starb aus finanziellen Gründen auch dieses Projekt. Doch: «Odysseus kam irgendwann in Ithaka an», sagte Stadtrat Lukas Pfisterer, und so habe man schlussendlich auch für die überdachte Sprint- und Sprunganlage eine Lösung gefunden. Die bestehende Aussenanlage bei der Berufsschule sollte überdacht werden. Ende 2015 bewilligte der Einwohnerrat einen Kredit von rund drei Millionen Franken.

Emotionen bei Schweizer Meister

Nun steht sie, die «halle de transpiration», wie sie BSA-Schulleiter Paul Knoblauch nannte. «Innerhalb vom Budget und im Zeitrahmen» sei sie zustande gekommen. Der Kredit wird von der Schule verzinst und zurückbezahlt. Eine Million Franken übernimmt der Kanton. Offen steht die Halle den Schülern der Berufsschule. Am Abend und an Wochenenden trainieren die Aarauer Vereine, allen voran der BTV Aarau Athletics.

Auch der fünffache Schweizer Meister in Serie über 110 Meter Hürden, Tobias Furer, trainiert in der neuen Halle. Am Samstag lief er mit dem BTV-Nachwuchs um die Wette. «Da kommen Emotionen hoch. So Hürden zu laufen ist im Herbst und Winter sonst unmöglich», sagte der 30-Jährige. Die neue Halle sei auch ein Zeichen des Zusammenrückens in der Leichtathletik, sagte Peter Haas, Chef Leistungssport bei Swiss Athletics.

Im Anschluss an die Einweihung ehrte Stadtrat Hanspeter Hilfiker bei der 13. Aarauer Sportlerehrung 32 Sportler aus den Vereinen Schwimmclub Aarefisch, BTV Aarau Athletics und FC Aarau Frauen für herausragende Leistungen. Auch drei Athleten aus Randsportarten wurden ausgezeichnet: Aikido-Trainer Roland Ott, dem der 6. Dan verliehen wurde, sowie René Schweizer von der Schäferhundclub-Ortsgruppe Aarau mit seinem Hund «Rasco vom Weinbergblick».