Aarau

Bau-Boom beunruhigt Quartierbewohner – jetzt fordern sie ein Gemeinschaftszentrum

Der Kern der Petitionäre aus dem Scheibenschachen: Katharina Könitzer, Nicole Sigrist, Emilie Etesi, Daniela Deng, Markus Fehlmann und Bettina Galliker (von links, fürs Foto ohne Maske).

Der Kern der Petitionäre aus dem Scheibenschachen: Katharina Könitzer, Nicole Sigrist, Emilie Etesi, Daniela Deng, Markus Fehlmann und Bettina Galliker (von links, fürs Foto ohne Maske).

Das zum Verkauf stehende Zwinglihaus soll zum Begegnungsort für Aaraus Boom-Quartier werden. Dies fordern Quartierbewohner in einer Petition.

Nach fünf Tagen war das Ziel Anfang dieser Woche erreicht: 200 Unterschriften für die Petition «Ein Gemeinschaftszen­trum für das Quartier Scheibenschachen-Aarenau» auf petitio.ch. Aber gefeiert wird nicht. Noch nicht.

«Wir sind noch lange nicht am Ziel», sagt Mit-Petitionär Markus Fehlmann. Aber die vielen Unterschriften zeigten eines deutlich: Das Bedürfnis nach einem gemeinsamen Ort ist bei den Quartierbewohnern gross.

Kein anderes Aarauer Quartier ist in den letzten Jahren so gewachsen, wie die Aarenau: Auf den Landreserven der Ortsbürger sind mehrere Überbauungen entstanden. Hunderte Menschen leben heute dort, wo vor kurzem noch Kühe weideten und der Mais wuchs. Und noch sind drei der acht Baufelder nicht überbaut.

«Diese Entwicklung beun­ruhigt viele Quartierbewohner», heisst es in der Petition. «Sie wünschen sich einen Ort, an dem Platz für alle ist – für Jung und Alt, Singles und Familien, Zugezogene und Alteingesessene. Ein Ort, wo man ins Gespräch kommt, Probleme gemeinsam anpackt, wo Anlässe, Kurse etc. stattfinden und das Quartier aktiv mitgestaltet werden kann. Kurz: ein Gemeinschaftszentrum (GZ), wie es zum Beispiel das Telli-Quartier kennt.» Die Forderung: Die Stadt solle dafür der Reformierten Kirchgemeinde Aarau das Zwinglihaus abkaufen.

Hinter der Petition steht eine Handvoll Scheibenschächeler, die die hohe Lebensqualität im Quartier erhalten möchten. Ein GZ geistere schon seit Jahren in ihren Köpfen herum, sagt Markus Fehlmann stellvertretend für die Gruppe. Dass sie es jetzt aufs Tapet bringen, hat zwei Gründe: die Verkaufsabsichten der Reformierten Kirchgemeinde. Und natürlich Corona. ­«Corona hat viel verändert in den letzten Monaten. Es hat Nachbarn zusammengeschweisst, Hilfsbereitschaft und Solidarität waren gross», sagt Fehlmann. Aber Corona habe auch akzentuiert, was seit einiger Zeit schwelt: das nahe Aufeinan- der, die wenigen Freiflächen für ganz unterschiedliche Anspruchsgruppen. Das gab und gibt Knatsch.

«Standort sollte unbedingt gesichert werden»

Genau hier könnte ein GZ helfen, sind die Petitionäre überzeugt. Eine professionell geleitete, sozio-kulturelle Anlaufstelle, die für alle Generationen da ist. Wo Probleme diskutiert werden können, bevor es knallt. Ein Ort, von dem aus Nachbarschaftshilfe koordiniert werden kann, auch für Neuzuzüger ohne lokales Netzwerk. Ein Ort, wo alle Generationen Raum finden für ihre Bedürfnisse.

Das Zwinglihaus ist aus Sicht der Petitionäre perfekt für ein solches GZ. Mitten im Quartier und in direkter Nachbarschaft zu Schule und Kindergarten, mit viel Grünfläche und eingemieteter Kindertagesstätte. «Allein schon aufgrund dieser Lage und des steigenden Bedarfs an Kinderbetreuungsplätzen sollte dieser Standort unbedingt gesichert werden», so die Petition.

Die Stadt ist nicht uninteressiert am Zwinglihaus. Ein Kauf kam aber 2018 wegen unterschiedlicher Preisvorstellungen von Stadt und Reformierter Kirchgemeinde nicht zustande. Nun bitten die Petitionäre darum, die Verhandlungen wieder aufzunehmen und eine für beide Seiten tragbare Lösung zu suchen. «Als Zeichen der Stadt für starke und attraktive Quartiere», sagt Fehlmann. So, wie es damals im Gesamtkonzept für das Telli-GZ festgehalten wurde, im Mai 1974: «Das Gemeinschaftszentrum dient der Pflege der zwischenmenschlichen Beziehungen unter den Bewohnern.»

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