Die Institution Ballyana besteht aus der Stiftung für Bally-Familien- und Firmengeschichte, die im Jahr 2000 gegründet wurde, und aus dem 2010 entstandenen Verein Ballyana. Präsident beider Körperschaften ist Philipp Abegg, seines Zeichens Enkel einer Bally-Tochter und in Schönenwerd aufgewachsen. Die Ballyana hat in den vergangenen 15 Jahren einiges erreicht. Trotzdem kommt Philipp Abegg zuerst auf das zu sprechen, was bisher noch nicht gelungen ist: «Unser Kernanliegen ist das Bewahren des Bally-Firmenarchivs (Dokumente), des Werkarchivs (vor allem Schuhe) und des Schuhmuseums. Sie alle sind aber bis heute in privater Hand und geniessen keinen öffentlich-rechtlichen Schutz. In diesem Punkt», so Abegg, «sind wir nicht weitergekommen.»

Misserfolg auch für Peter Heim

Philipp Abegg klingt ähnlich wie Peter Heim, der Leiter des Projekts Firmenarchive im Kanton Solothurn. Von etwa der Hälfte der gut 60 Firmen, die sich auf der Priorisierungsliste des Projekts befinden, liegen bis jetzt inventarisierte Archive vor. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, die von den Firmen selber gelagert werden, liegen die Bestände im Stadtarchiv Olten. In einem Interview des Oltner Tagblatts bezeichnete der frühere Oltner Stadtarchivar den Fall Bally vor einem Jahr als einen seiner – wenigen – Misserfolge: «Das Archiv existiert, aber es ist nicht erschlossen.»

Funktionstüchtige Maschinen

Erreicht hat die Ballyana die Zusammenstellung einer grossen und bunten Sammlung. Ein Highlight sind die vielen funktionstüchtigen Maschinen. «Wir haben zudem rund zehn Privatnachlässe aus der Familie Bally», sagt Abegg, «die mit Briefen, Tagebüchern und Bildern tiefen Einblick in die Familiengeschichte geben. Und wir haben das Archiv von Bally Band, das zurückgeht bis 1810, also in die Urgeschichte der Industrialisierung. So ist eine runde Sammlung entstanden, auch wenn das Herzstück noch fehlt.»

Auch verschiedene Publikationen sind in den letzten Jahren im Rahmen der Ballyana entstanden. So 2005 der Kunstführer zu den Industrieensembles und zur Parkanlage Bally in Schönenwerd, 2009 die Broschüre «Hinterlassenschaften der Industriegeschichte» und ebenfalls 2009 die Memoiren von Carl Franz Bally («Pionier und Pfaffenschreck», 2009). «Mit dem Projekt des Kunstführers», verrät Abegg, «stiessen wir anfänglich auf Unverständnis – die Bedeutung des baulichen Erbes von Bally wurde zunächst nicht erkannt.» Philipp Abegg selber haben damals vor allem der Historiker Peter Heim und der Filmemacher Bruno Moll die Augen dafür geöffnet.

Weitere Sonderausstellungen und eine Publikation zur Schuhfabrikation sind geplant. Auch soll ein Katalog der Sammlung erstellt werden. «Aber im Moment», sagt Abegg, «müssen wir ein wenig konsolidieren, auch finanziell.»

Die Finanzen sind eine grosse Herausforderung. Unterhalt und Betrieb von Archiv und Ausstellungen finanziert die Ballyana zu 100 Prozent selber. Öffentliche Mittel erhält sie keine. Lotteriefonds-Gelder gibt es einzig für Projekte.

Abegg glaubt nicht, dass das Interesse an Ballyana mit dem Aussterben der ehemaligen Bally-Mitarbeiter abnehmen wird. Das Gegenteil, glaubt er, sei der Fall: Mit dem Absinken der klassischen Industrie ins Historische steige das Interesse daran. Mit dem Risiko des Vergessens nehme das Bedürfnis nach Erinnerung zu. «Jüngere Menschen wissen, dass ihre Vorfahren in der Industrie ihren Lebensunterhalt verdient haben. Sie ist die Basis unseres Wohlstands.» Ein Blick nach Deutschland oder England zeige, «dass Industriemuseen anhaltend interessieren».

Unersetzliches Know-how

Tatsache ist auch für Abegg, dass Archiv und Sammlung vom Know-how ehemaliger Spezialisten von Bally profitieren. «Wenn solche freiwilligen Mitarbeiter altershalber nicht mehr mittun können, ist der Verlust unersetzlich.» Was bestehen bleibt, ist die Infrastruktur: Fabrikgebäude, Park, die Anlage der Strassen, Gräber, Villen, Arbeiterhäuser. Auch das ehemalige Stift Schönenwerd hat bis heute Spuren hinterlassen, obwohl es 1874 liquidiert wurde.

Die Ballyana-Ausstellung in der Shedhalle der ehemaligen Bandweberei Bally an der Schachenstrasse 24 in Schönenwerd ist jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet.