Gastronomie

Bald kein «Speck» in der Altstadt mehr: Die Aarauer Traditionsbeiz macht Schluss

Die Ära Speck am Zollrain geht zu Ende: Die Brüder Fredy (v. l.) und Arthur Speck. Das Unternehmen gehört seit 2006 Peter und Christine Speck (hinten).

Die Ära Speck am Zollrain geht zu Ende: Die Brüder Fredy (v. l.) und Arthur Speck. Das Unternehmen gehört seit 2006 Peter und Christine Speck (hinten).

Die Aarauer Traditionsbeiz mit Metzgerei ist seit drei Generationen im Besitz der Familie Speck. Nun schliesst das originelle Restaurant in der Altstadt auf Ende Jahr.

«Diese Art von Restaurant ist ein Auslaufmodell», sagt Friedrich «Fredy» Speck. Er wird im April 69 Jahre alt und arbeitet noch bis Ende 2017 als Wirt. Dann ist im «Speck» am Zollrain Schluss. Es verschwindet nicht nur eine der originellsten Aarauer Altstadt-Beizen, sondern auch die dazugehörige kleine Metzgerei.

Was anschliessend mit dem markanten Gebäude geschieht, ist offen. «Wir sind am Evaluieren», sagt Neffe Peter Speck (38), der das Unternehmen zusammen mit seiner Zwillingsschwester Christine seit 2006 besitzt. Keine Änderungen gibt es im Hauptgeschäft, der Metzgerei Speck in Rohr.

Seit drei Generationen

Das Restaurant mit Metzgerei ist seit drei Generationen im Besitz der Familie Speck. Grossvater Arthur hat es zusammen mit seiner Frau Helen mitten im Krieg (1944) erworben. Sohn Arthur jun. arbeitete ab 1967 im Betrieb. Er war damals 21 Jahre alt.

Mitte der Siebzigerjahre übernahm der Metzgermeister das Unternehmen. Etwa gleichzeitig trat sein Bruder Fredy Speck in dasUnternehmen ein – nachdem er die Wirteprüfung gemacht hatte. 1980 wechselte Arthur jun. in die neu gebaute Metzgerei nach Rohr.

Jahrzehntelang wenig geändert

Der Wirt, eine Serviertochter, eine Person in der Küche. Je 30 Plätze in der Gaststube und im Säli sowie 25 auf der Terrasse: Das «Speck» ist eine kleine Beiz. Natürlich gab es immer wieder Faceliftings und anfangs der Achtzigerjahre eine komplett neue Toilette, aber das «Speck» ist im Wesentlichen so geblieben, wie es die Familie vor 72 Jahren übernommen hat.

Für einen grossen Impuls sorgt die legendäre «Luci», die 1983 ins Restaurant kam. Sie arbeitete im Service – und hat 1992 Fredy Speck geheiratet. Im Frühling 2015 ist sie gestorben.

«Bei uns verkehrte alles. Vom Arbeiter bis zu den Stadträten», erklärt Fredy Speck. Er erinnert sich auch an Prominente, etwa Peach Weber, der die Mistchratzerli ganz speziell liebte. Und an das Eidgenössische Jodlerfest (2005). «Das war das absolute Highlight meiner Wirtekarriere.»

Die Familie Speck liebt Grossanlässe. So hat sie zusammen mit «Aff»-Wirt Lorenz Gadient über 30 Mal das Maienzugs-Bankett gekocht.

Neues Restaurant als Ziel

Etwas wehmütig sagt Arthur Speck: «Die Zeit hat uns überholt. Die klassischen Restaurants sterben langsam aus. Die Altstadt entwickelte sich zur Partymeile. Da wollten wir nicht mitmachen. Wir wollten einfach das ‹Speck› bleiben.» In den letzten Jahren sei viel Nostalgie mit dabei gewesen. Man habe nur noch das Nötigste investiert.

So auch darauf verzichtet, eine Lüftung einzubauen, dank der das kleine Lokal als Raucherbeiz hätte betrieben werden können. «Wir konzentrierten uns auf das Essen», ergänzt Fredy Speck.

Weil der Filialeiter der Metzgerei, Beat Huber, dieses Jahr ebenfalls das Pensionsalter erreicht, ist der Zeitpunkt ideal, die Ära Speck am Zollrain zu beenden. Und dann? Die Familie Speck möchte die Liegenschaft, zu der auch zwei Wohnungen und sechs Mansarden-Zimmer gehören, eigentlich behalten, schliesst aber einen Verkauf nicht aus.

Sie macht sich keine Illusionen über die Weiterführung der Metzgerei. «Aber uns wäre es Recht, wenn es weiterhin ein Restaurant gäbe» sagt Peter Speck. Klar ist: Der Neue wird investieren müssen.

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