Giuseppe Melina (58) ist ein klassicher Immigrant aus Italien. Mit 13 Jahren kam er aus Kalabrien in die Schweiz. Er arbeitete auf dem Bau, später in der Chemie. 30 Jahre lang war er bei der heutigen Novartis – bis ihn eine Allergie befiehl und zwang, das Unternehmen zu verlassen. Seit zwei Jahren ist er arbeitslos, hat nichts Neues mehr gefunden. Es drohte ihm der Gang aufs Sozialamt. Doch jetzt bleibt ihm das erspart. Mehr noch, sein grosser Lebenstraum geht in Erfüllung: eine eigene Gelateria. Und die verdankt er seinen beiden Söhnen, Fabio und Gian-Marco.

«So viel Hilfe bekommen»

Auf der Stadtverwaltung Aarau liegt gegenwärtig das Baugesuch für den Glace-Laden auf. Er soll in den heutigen Switcher-Laden (Street-Vision) am Zollrain 6 kommen. Giuseppe Melina hofft, im optimalsten Fall bereits ab Anfang August Gelati verkaufen zu können.

«Ich habe so viel Hilfe bekommen, dafür bin ich sehr dankbar», sagt Giuseppe Melina. Er meint damit vor allem seine Söhne Fabio und Gian-Marco, die das Geschäft eröffnen und ihm so einen Job verschaffen. Hinter der Theke im «Fab and John» werden Giuseppe Melina und sein Bruder Salvatore stehen. Sie werden Glace-Kugeln aus sechzehn Glace-Sorten formen.

Vorerst nur Take Away

Das Lokal ist winzig klein, so, wie man die Gelaterias in Italien kennt. «Wir möchten, dass sich die Leute wie in Italien fühlen, wenn sie bei uns sind», sagt Fabio Melina. Das Eis wird aus Waldshut angeliefert. Von einem Bekannten, der vier Gelaterias in Deutschland betreibt. Natürlich stellt dieser die Glace nach geheimer italienischer Rezeptur her.

Im kleinen Geschäft soll es das ganze Jahr durch etwas zum Naschen geben. Im Winter seien wohl die Waffeln und Donuts eher gefragt, prognostiziert Fabio Melina. Draussen vor der Gelateria wird es keine Sitzplätze geben, da diese als Take Away ausgelegt ist. Die Gründe dafür sind rechtlicher Art: Giuseppe Melina besitzt kein Wirtepatent.

Trotzdem gibt es wahrscheinlich keinen glücklicheren Glace-Verkäufer. Als er erfuhr, dass seine Söhne eine Gelateria eröffnen, um ihm eine Arbeit und Aufgabe zu verschaffen, sei er in Tränen ausgebrochen, erzählt Sohn Fabio Melina.

Papa Melina bringt sich zurzeit selbst bei, wie die Glaces richtig geformt werden, damit er für die Eröffnung bereit ist. Im nächsten Jahr will er das Wir- tepatent machen. Das Lokal sollte zuerst «Peppi’s Gelateria» heissen – für Giuseppes Gelateria. Doch war der Vater so berührt, dass er darauf bestand, dass der Take Away nach seinen beiden Söhnen Fabio und Gian Marco also «Fab and John» benannt wird. Der Name sei aber auch modern, wie Giuseppe Melina weiss, genauso wie die Frozen Yogurts, die seien jetzt in Italien auch gerade sehr beliebt, meint er und schmunzelt.

Familienzusammenhalt

Der Bruder von Giuseppe, Salvatore Melina, ist extra aus Kalabrien angereist, um Giuseppe vorübergehend zu unterstützen. Die Familie Melina stammt aus der Umgebung von Tropea. Heute sind die meisten in der Region Aarau zu Hause. Giuseppe wohnt mit seiner Familie in Frick.

Für die Gelateria engagiert sich die ganze Familie. Tochter Noé und Ehefrau Pascalé organisieren die Dekoration und die Brüder managen das Geschäftliche – denn Papa hat nach 45 Jahren noch immer etwas Mühe mit der deutschen Sprache.

Und was ist sein Lieblings-Gelato? «Cioccolato Nocciola», sagt Giuseppe und lächelt, das sei das klassische Eis in Italien – mit Schokolade und Nuss.