Neubau

Bald 400 Mitglieder: Freikirche befindet sich in Aarau auf Expansionskurs

Kurt Haefeli (57) vor dem Eingang der Kirche der FreienChristengemeinde in der Telli. Links der Erweiterungsbau.

Kurt Haefeli (57) vor dem Eingang der Kirche der FreienChristengemeinde in der Telli. Links der Erweiterungsbau.

Die Freie Christengemeinde weiht am Sonntag einen grossen Neubau ein. Kostenpunkt: 2,5 Millionen Franken.

Sie ist die am schnellsten wachsende Freikirche auf dem Platz Aarau. Alleine am letzten Sonntag waren rund 650 Personen auf dem Gelände der Freien Christengemeinde in der Telli (bei der Coop-Tankstelle). In einer Kirche, die aussieht wie ein Gewerbekomplex. Der sechs Millionen Franken teure Bau ist vor elf Jahren in Betrieb genommen worden. An diesem Wochenende findet wieder eine grosse Feier statt: Eingeweiht wird der Erweiterungsbau. Ein 2,5 Millionen Franken teures, vierstöckiges Gebäude mit Gebetsraum, Sitzungszimmern, Gruppenräumen.

«Strukturiert wie eine Firma»

Kurt Haefeli (57) hat vor zwölf Jahren seinen Job als Geschäftsleitungsmitglied eines Logistikers aufgegeben und ist voll bei der Freien Christengemeinde (FCG) eingestiegen. Der gebürtige Bremgarter ist heute einerseits ehrenamtlicher Präsident und andererseits einer von fünf festangestellten Pastoren. Bei der FCG Aarau teilen sich etwa 20 Personen 13 Hundert-Prozent-Stellen. Dazu kommen 250 ehrenamtliche Helfer. Gemeindeleiter ist Pastor Matthias Truttmann (42). Er begann im Jahr 2000 noch in der kleinen Herzog-Kapelle, wechselte 2005 vom Gönhard in die Telli und ist seit 2006 operativer Chef der FCG.

Präsident Haefeli hat nichts dagegen, wenn man die Organisation der Freikirche mit derjenigen eines Unternehmens vergleicht: «Wir sind strukturiert wie eine Firma.» Auf einem Fact Sheet hat er die wichtigsten Kennzahlen notiert. Etwa die Einnahmen aus den Kollekten (Spenden), mit denen sich die FCG primär finanziert. Diese haben sich innerhalb von zehn Jahren fast verdoppelt auf 1,65 Millionen Franken (2016). Um 100 Prozent gestiegen sind die übrigen Einnahmen (222'000 Franken). Erzielt etwa mit Vermietungen. Zum Beispiel an die Alte Kantonsschule Aarau, die ihre Maturafeier seit 2005 in der Telli durchführt. «Letztes Jahr war die Alte Kanti mit fast 1200 Personen da», berichtet Haefeli.

Auch in Lenzburg

«Wir haben ein kontinuierliches Wachstum und werden diesen Frühling voraussichtlich die Grenze von 400 Mitgliedern erreichen», sagt Haefeli. Unter den Aarauer Freikirchen ist nur noch die Minoritätsgemeinde (neben der CS an der Bahnhofstrasse) ähnlich gross.

Die erste FCG-Versammlung fand 1920 statt. 1932 wurde der Verein gegründet. Jahrzehntelang war die FCG sehr dezentral organisiert. Es gab neben der Kirche in Aarau Gebets- und Versammlungsräume in Erlinsbach, Kölliken, Küttigen und Muhen. In den sechziger Jahren zählte die Bewegung etwa 200 Mitglieder. Später erfolgte die Zentralisierung. Neben Aarau ist die FCG noch in Lenzburg, Oberkulm und Reinach als eigenständige Freikirche präsent. Alle drei Standorte sind deutlich kleiner als jener in Aarau.

Nächste Jahr soll es eine Kita geben

Laut Haefeli gab es Ende des letzten Jahrhunderts einen grossen Wachstumsschub, als sich die FCG modernisierte, etwa auch, was die Musik anbetraf. «Gottesdienste sind am Schluss Events, bei denen auch das Gemeinschaftsgefühl eine Rolle spielt», erklärt Haefeli. Von den gegen 650 Personen, die am Wochenende auf dem FCG-Areal waren, nahmen 400 am Gottesdienst teil. Rund 170 waren Kinder/Teenies, der Rest Mitarbeiter. Für die Betreuung der Kinder ab 4 Jahren hat es im Neubau zwei einfache Kindergärten. Die Kleineren (Babys bis 4 Jahre) werden in speziellen Räumen im bestehenden Kirchen-Komplex gehütet. In diesen will die FCG ab kommendem Jahr unter der Woche eine öffentliche Kita betreiben.

Im Gegensatz zu den Landeskirchen ist die FCG nicht überaltert. Am meisten Mitglieder hat sie in der Altersgruppe der 40- bis 55-Jährigen. Die zweitgrösste Gruppe ist zwischen 15 und 25 Jahre alt. Die über 18-Jährigen haben am Freitagabend einen eigenen gottesdienstähnlichen Event mit Lounge-Charakter. «Wir haben jeden Freitag 50 bis 60 Besucher», sagt Haefeli.

Theologische Schule

In den FCG-Räumlichkeiten hat es auch eine theologische Schule (im Moment 19 Studenten), die den Schwerpunkt darauf legt, den Glauben im Alltag zu leben. Die Ausbildung (halbtags von Dienstag bis Freitag) dauert neun Monate.

Die Freie Christengemeinde führt das Sekretariat der Evangelischen Allianz Aarau, der sieben Freikirchen (etwa Heilsarmee, Evangelisch-methodistische Kirche) angehören. Grösster Event der Allianz ist die «24-h-Gebetszeit», jeweils im Januar.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1