Die Bahnstrecke zwischen Lenzburg und Zofingen wird ausgebaut, damit die S-Bahn, im Volksmund «Nazeli» (Nationalbahn) genannt, ab Dezember im Halbstundentakt fahren kann.

Bis es soweit ist, wird die Geduld der Reisenden auf die Probe gestellt: Wegen der Bauarbeiten ist die Strecke zwischen Suhr und Zofingen seit Anfang Juli unterbrochen, es fahren Ersatzbusse.

Die gute Nachricht: Anders als die Züge, die nur einmal pro Stunde fuhren, verkehren die Busse alle 30 Minuten. Zudem halten die Busse in Kölliken und in Zofingen an zwei zusätzlichen Stellen.

Die schlechte Nachricht: Die Fahrt dauert 13 Minuten länger. Zudem sind beim Umsteigen zwischen Zug und Bus am Bahnhof in Suhr die Anschlüsse nicht immer gewährleistet.

Anschluss verpasst

Hauptproblem sei das Rotlicht kurz vor dem Bahnhof Suhr, erzählen Passagiere: Wenn der Verkehr zu dicht ist, bleibe der Bus oft zu lange dort stehen.

«Einmal gab der Chauffeur uns Passagieren die Durchsage, wir sollten beim Umsteigen pressieren. Doch als wir am Bahnhof ankamen, waren die Züge bereits weg», erzählt ein 48-jähriger Lenzburger, der täglich nach Zofingen zur Arbeit fährt. Er ärgert sich aber vor allem darüber, dass die Busse zu Stosszeiten «völlig überfüllt» seien. «Sie sollten mal gegen 7 Uhr den Bus nehmen. Seit Schulbeginn hat es noch weniger Platz.»

Die Problematik ist den SBB bekannt. «Das Umsteigen von Zug auf Bus ist verständlicherweise mühsam. Die Busse können die Fahrzeit und die allermeisten Anschlüsse aber halten», sagt Mediensprecherin Lea Meyer.

Gegen die Passagierdichte hat die SBB bereits Massnahmen getroffen: Bei Bedarf werden ab Suhr zwei Ersatzbusse statt einem ein gesetzt. Auf der Fahrt nach Zofingen waren so am Dienstag noch einige Sitzplätze vorhanden. Anders sah es auf der Gegenrichtung aus: Es gab nur noch vereinzelt Platz zum Stehen. Vor allem Jugendliche im Mittelschulalter füllten die Gänge des Gelenkbusses.

Suhr: Umsteigen ohne Probleme

Die meisten Passagiere nehmen die Situation gelassen. «Jeden Tag etwa zehn Minuten länger zu fahren, ist zwar blöd, aber sonst habe ich keine Probleme mit den Ersatzbussen», sagt ein 50-Jähriger, der täglich zwischen Suhr und Kölliken fährt. Einen 16-Jährigen aus Kölliken freut es sogar, dass die Busse an der zusätzlichen Haltestelle «Richtergasse» halten: «Das ist viel näher bei mir zu Hause.»

Im Feierabendverkehr begegnen wir auch einer 22-Jährigen aus Beinwil am See, die einen Kollegen in Zofingen besuchen geht und die Strecke sonst nie fährt. Dank Durchsage im Zug und Signalisation am Bahnhof Suhr konnte sie den Ersatzbus problemlos finden.

«Auch auf der SBB-App war alles angegeben», sagt sie. Probleme hatte sie nur in Lenzburg am Bahnhof. «Ich bin zuerst in den falschen Zug eingestiegen, weil auf demselben Gleis wie der Zug nach Suhr ein paar Meter weiter vorne auch ein Zug nach Wohlen stand.»

Bei Regen zusätzliche Geduld

Ein Ärgernis bleiben aber die fehlenden Dächer an den Haltestellen. Beim Bahnhof Kölliken treffen wir eine 61-jährige Frau aus Safenwil. «Wenn es regnet, muss ich auf der anderen Strassenseite beim Volg unters Dach, um auf den Bus zu warten. Zudem gibt es zu wenig Wartesitze an der Haltestelle und zu Stosszeiten sind die Busse so voll, dass man auch da stehen muss.»

Lea Meyer von der SBB räumt ein, dass nicht alle provisorischen Haltestellen gedeckt sind. «Das wird so bleiben. Für die kurze Zeit des Busbetriebes wäre der Aufwand für eine Dachmontage unverhältnismässig hoch», sagt sie.

Ärgern tut dies nicht jeden. Im Bus zurück nach Suhr sagt eine 62-jährige Frau, die ebenfalls in Safenwil wohnt: «Das fehlende Dach stört mich nicht. Wegen des Umbaus muss das jetzt halt so sein mit den Ersatzbussen. Es gibt immer Leute, denen es nicht recht ist.»

Unannehmlichkeiten müssen aber nicht nur die Passagiere, sondern auch die Ladenbetreiber an den derzeit stillgelegten Bahnhöfen in Kauf nehmen: Wegen Umsatzeinbussen kann es der Besitzer des Kebab-Ladens «Dolce Vita» am Bahnhof in Oberentfelden kaum erwarten, bis die Züge wieder fahren.