Aarau

Bahnhof Süd: Ein Jahr Funkstille – Entscheid wird im April erwartet

Der Entscheid über das Baugesuch zum neuen WSB-Bahnhof steht noch aus.

Der Entscheid über das Baugesuch zum neuen WSB-Bahnhof steht noch aus.

Etwa im April soll das Baugesuch für den neuen WSB-Bahnhof entscheidungsreif sein.

Vor einem Jahr lag das Baugesuch für das Projekt Bahnhof Süd, den gigantischen Neubau des WSB-Bahnhofs, im Stadtbüro öffentlich auf. Für gegen 70 Millionen Franken will die Baugesellschaft Bahnhof Süd (WSB AG und Metro Immobilien AG, Aarau) an der Hinteren Bahnhofstrasse bis Mitte 2022 zwei 26 respektive 30 Meter hohe Büro- und Wohngebäude errichten. Die Auflage dauerte bis zum 26. Februar 2018. Seither herrscht Funkstille. Eine Baubewilligung seitens des Stadtrates liegt bis heute nicht vor.

Klar ist: Es gab damals mehrere Einwendungen gegen das Projekt. Praktisch alle betrafen, wie Thomas Oetiker, Leiter Baubewilligungen im Aarauer Stadtbauamt, im März 2018 auf Anfrage bestätigte, das selbe Thema: die Meyerschen Stollen. Das zwischen 1791 und 1810 entstandene Stollensystem, ein industriegeschichtlich einzigartiges Denkmal, verläuft zwischen Feerstrasse und Bleichematt in nord-südlicher Richtung beziehungsweise umgekehrt. Bedeutende Abschnitte befinden sich genau unter dem Bauplatz für den neuen WSB-Bahnhof.

Thomas Oetiker bestätigt: «Das Baubewilligungsverfahren zieht sich in die Länge – auch für uns.» Zum einen, weil Bahngeleise verlegt werden müssten; zum andern wegen des Stollensystems im Untergrund. Das Bauprojekt komme an einer sehr exponierten Stelle zu stehen, wo sich «alles auf engstem Raum» abspiele. Oetiker lässt keinen Zweifel: «Die Meyerschen Stollen wollen und müssen wir schützen.» Es hätten sich umfangreiche zusätzliche Ingenieurarbeiten als nötig erwiesen und es hätten diverse Gespräche mit der Bauherrschaft stattgefunden. «Zirka im April», schätzt Oetiker, «werden wir so weit sein, dass man einen Entscheid fällen kann.»

Baubewilligungsbehörde ist der Stadtrat. Auch er hat sich klar für den Schutz der Stollen ausgesprochen. In der Antwort auf eine Anfrage der Einwohnerräte Alois Debrunner (SP), Peter Jann und Alexander Umbricht (beide GLP) schrieb er letztes Jahr, der Bauherrschaft sei klargemacht worden, dass das Baugesuch mit den damals vorliegenden Plänen nicht bewilligungsfähig sei. Die aufgeführten Konzepte müssten bereinigt und als Bestandteile der Baubewilligung aufgenommen werden. Schon in der Botschaft zum Gestaltungsplan Bahnhof Süd hatte der Stadtrat Ende 2016 unmissverständlich die Absicht geäussert, die Stollen innerhalb des Areals integral im heutigen Zustand zu erhalten.

Dass die angestrebte integrale Erhaltung der Stollen ein schwieriges Unterfangen werden könnte, hatte sich schon während des Gestaltungsplanverfahrens abgezeichnet. Alarm schlug die Interessengemeinschaft Meyersche Stollen aber vollends, als das Baugesuch auflag und schnell klar wurde, dass die Bauherrschaft rund einen halben Meter tiefer bauen wollte, als im Gestaltungsplan vorgesehen war. Für die IG Meyersche Stollen und andere Kenner der Situation hiess dies, dass eine Tiefe erreicht wird, die dem Scheitel der östlichen Stollen entspricht und sich die Deckschicht bei den mittleren und westlichen Stollen auf rund 80 Zentimeter verringert. Das wäre gemäss parlamentarischer Anfrage vor einem Jahr gleichbedeutend mit dem Todesurteil für den Scheitelbereich auf der ganzen Länge des östlichen Stollens und einer akuten Gefährdung der beiden westlicher gelegenen Stollen.

Autor

Ueli Wild

Ueli Wild

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