Aarau

Badi-Umbau: Böser Brief an Aarauer Stadtrat

Blick in die Badi Aarau

Blick in die Badi Aarau

Eine Sicherheitsfirma betreibt für ihre Schwimm-Armbänder aggressives Marketing. Doch in Aarau will man von dem rund 60000 Franken teuren Sicherheitssystem für Schwimmer nichts wissen.

«Für alle Angehörigen von Ertrinkungsopfern muss der negative Entscheid des Stadtrates wie eine Ohrfeige anmuten.» Das schreibt die Deep Blue Marine AG aus Hallwil allen Mitgliedern der Aarauer Exekutive. Betreffzeile des E-Mails vom Mittwoch: «Stadtrat ist gegen mehr Sicherheit in Aarauer Badi!» Am 7. März teilte die Behörde sämtlichen Einwohnerräten und den Medien mit, man verzichte auf bauliche Vorarbeiten für ein elektronisches Überwachungssystem im Freibad Schachen.

Die Badi wird ab Mitte August für 8,4 Mio. Franken modernisiert. Im Juni 2010 hatte der Einwohnerrat auf Anraten von Markus Hutmacher (Grüne) den Kredit um 30000 Franken für «Vorleistungen in der Rohbausubstanz für eine spätere Videoüberwachung» der Becken aufgestockt. Der Betrag und dessen Verwendungszweck waren auch in der Botschaft zur Volksabstimmung im September erwähnt. Die Aarauer bewilligten den Baukredit mit 83 Prozent Ja-Stimmen-Anteil.

Armband-Computer löst Alarm aus

Deep Blue Marine setzt nicht auf Unterwasser-Videokameras, sondern auf Armbandcomputer, die Alarm auslösen, wenn ein Badegast zu lang unter Wasser bleibt. Auch die Planer in Aarau hatten inzwischen herausgefunden, dass eine Videoüberwachung in Freibädern wegen der Lichtreflexionen nicht funktionieren würde. Das Hallwiler Unternehmen offerierte deshalb sein System Blue Fox – und kam der Baukommission gemäss Stadtrat mit «grossen Rabatten» entgegen. Sämtliche Becken kämen auf 60000 Franken zu stehen, wohingegen die Kamera-Infrastruktur 210000 Franken kosten würde.

Trotzdem sieht der Stadtrat auch vom Armband-System ab. Deep Blue Marine wolle seinen wenig erprobten «Blauen Fuchs» unbedingt an den Mann und die Frau bringen, um mit Aarau ein «Referenzobjekt» zu gewinnen. Regina Jäggi, zuständige Stadträtin und Präsidentin der Baukommission, bemängelt zudem die Durchdringung der freiwilligen Selbstschutzmassnahme: «Die Überwachung kann nicht flächendeckend wahrgenommen werden», ergänzt sie auf Anfrage. Die Armbänder, für die überdies ein Depot zu zahlen wäre, richten sich in erster Linie an Risikogruppen wie Kinder und Handicapierte. «Wer gehört schon gern zu einer Risikogruppe», versetzt sich Jäggi in die Lage aller anderen Badi-Besucher. Schliesslich könne die Schachen-Badi jederzeit nachgerüstet werden: «Für Blue Fox braucht es keine grossen baulichen Vorleistungen.»

«Akzeptanz ist hoch»

In Hallwil wehrt man sich gegen die Vorbehalte aus Aarau. Erste Erfahrungen in Bolligen BE und Speicher AR zeigten: «Die Akzeptanz bei den Badegästen, insbesondere auch bei den Kindern ist sehr hoch.» Die Beratungsstelle für Unfallverhütung hat Blue Fox ihr Sicherheitszeichen für dessen «besondere Schutzfunktion» verliehen. Und es stimme zwar, dass die Armbänder den Badmeister nicht ersetzten, aber das sei bei keinem Alarmierungssystem der Fall. Der Stadtrat gibt in seinem abschlägigen Bescheid zu bedenken, dass auch Blue Fox Aufsichtspersonal bedinge. Zum gleichen Schluss ist er allerdings auch bei der Videoüberwachung gekommen.

Sandra Ciampini, Geschäftsführerin der Deep Blue Marine AG, fordert die angeschriebenen Stadträte jetzt auf, das System auf der Demoanlage in Hallwil zu testen. «Wir haben Aufwand und Nutzen seriös abgeklärt», entgegnet Regina Jäggi.

Pikanterweise könnte Wettingen den Weg beschreiten, der für Aarau eine Sackgasse ist: Einwohnerrat Patrick Bürgi fordert per Postulat, das Schwimmbad Tägerhard bei der anstehenden Sanierung mit einem Überwachungssystem auszurüsten. Bürgis Favorit: Blue Fox.

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