Baden/Aarau

Baden als Vorbild für Kreisschule Aarau-Buchs? «Tagesschule ist ein wichtiger Standortfaktor»

Ruth Müri ist in Menziken geboren und in Baden aufgewachsen. Seit 2013 sitzt sie dort im Stadtrat. Sie ist zudem Grossrätin (Grüne) und Ständeratskandidatin. SAN

Ruth Müri ist in Menziken geboren und in Baden aufgewachsen. Seit 2013 sitzt sie dort im Stadtrat. Sie ist zudem Grossrätin (Grüne) und Ständeratskandidatin. SAN

Die Kreisschule Aarau möchte man die Tagesstrukturen-Organisation von den Gemeinden übernehmen – ob eine Tagesschule eingeführt wird, ist noch offen. Die erste öffentliche Tagesschule im Kanton entstand vor rund 20 Jahren in Baden. Heute müssen die begehrten Plätze ausgelost werden.

Grosse Erfahrung in Sachen Tagesschule hat die Stadt Baden. Hier startete 1998 die erste öffentliche Tagesschule im Kanton, ein Pilotversuch mit 20 Kindern. Anfangs wurden auch Auswärtige aufgenommen, sofern deren Eltern bereit waren, neben den Betreuungskosten auch das Schulgeld zu übernehmen.

Aber die Nachfrage in der Stadt war bald so gross, dass nur noch Badener Kinder einen der Plätze ergattern konnten. Heute gehen im Ländlischulhaus 120 Kinder ein und aus. Und die Nachfrage ist grösser als das Angebot: «Wir haben nahezu doppelt so viele Anmeldungen wie verfügbare Plätze und müssen losen», sagt die zuständige Stadträtin Ruth Müri (48, Grüne/«Team»).

«Interessant ist für mich: Es gibt in der Stadt Baden in jedem Quartier genügend Hort-Plätze in unmittelbarer Nähe zu den Schulhäusern. Die familienergänzende Betreuung ist also grundsätzlich geregelt, und trotzdem gibt es viele Eltern, die ihre Kinder lieber in die Tagesschule schicken wollen.» Für die Stadt Baden sei die Tagesschule «ein wichtiger Standortfaktor».

Die Tagesschule nimmt nur Primarschüler auf. Es gibt sechs Klassen. Unterrichtet wird altersdurchmischt: Die 1. und 2., 3. und 4., 5. und 6. Klasse teilen sich je ein Stockwerk im Ländli-Schulhaus mit zwei Klassenzimmern und einem grossen Hort-Raum. Die Badener führen eine sogenannt gebundene Tagesschule. Das bedeutet: Wer hier angemeldet ist, muss fünf Tage pro Woche Betreuung von 8 bis 16 Uhr in Anspruch nehmen. Die Zeit zwischen 7 und 8 Uhr, 16 und 18 Uhr sowie der Mittwochnachmittag sind freiwillig.

Finanziell ist die Tagesschule im Vergleich mit der modularen Betreuung leicht günstiger – weil die Auslastung gleichmässiger und somit die Kostenstruktur besser ist. Schwache Tage, an denen nur wenige Kinder kommen, gibt es nicht. Für einen Tag in der Tagesschule beträgt der Elternbeitrag maximal 66 Franken (also pro Monat maximal etwa 1400 Fr.), für einen «vollen» Betreuungstag im Hort (Früh-, Mittags-, Nachmittags- und Spätnachmittagsbetreuung) sind es 73 Franken, was den Vollkosten entspricht. Die Stadt zahlt auch bei Kindern, die in eine Kita oder in einen Hort gehen, die Differenz zwischen dem einkommensabhängigen Elternbeitrag und den Vollkosten.

Im Badener Quartier Rütihof ist nun eine zweite öffentliche Tagesschule geplant. Noch unklar ist, ob es wieder eine gebundene Tagesschule wird oder ob man auf das geläufigere und flexiblere Modell der ungebundenen Tagesschule setzt: Dabei können Eltern die Betreuungsmodule ihrem Bedarf entsprechend buchen. Wo liegt dann der Unterschied zu einer normalen Mittagstisch-/Hort-Lösung? Für Ruth Müri sind die Kontinuität der Betreuung und das abgestimmte pädagogische Konzept ausschlaggebend. Die Kinder bleiben in ihrem Klassenzug, die Klassenlehrperson arbeitet eng mit der Hortnerin zusammen. Während die Kitas und Horte in Baden von Firmen (z. B. ABB) oder Vereinen geführt werden, liegt die Trägerschaft für die Tagesschule bei der Stadt. «Das hat sich sehr bewährt und ist in meinen Augen auch eine Voraussetzung, dass Schule und Betreuung ineinandergreifen und von den Kindern und Eltern ganzheitlich erlebt werden.»

Meistgesehen

Artboard 1