Dass die Aarauer den Bach gelöscht haben, wie es das Bachfischet-Lied weismachen will, stimmte Freitagnacht bestimmt nicht. Jedenfalls, wenn man das Lichtermeer, das sich durch die Stadt wälzt, als den Feuer gewordenen Bach versteht. Den Feuerwehreinsatz leistete ein anderer: der Wind. Für einmal wurde der Bachfischet ein Opfer der Äquinoktialstürme. Und das, nachdem es am Nachmittag noch sommerlich warm gewesen war.

Bei einzelnen Klassen mit konventionellen Lichtquellen in den Laternen belief sich der Ausfall auf gegen 100 Prozent. Dass es sich nicht um die unheimliche Nachtschar, sondern um Schulklassen handelte, verriet indessen das «Füürio»-Geschrei, das noch lauter als sonst durch die Gassen zu hallen schien. Brüllen macht heiser, gibt aber warm. Die Umrisse der Lehrerinnen und Lehrer erkannte man im Dunkel in der Regel an der gebückten Haltung. Beim Versuch, ein Kerzlein wieder anzuzünden. Eine Lehrerin, die es geschafft hatte, eine Laterne wieder flott zu machen, gab dem beglückten Knirps aber gleich auch die traurige Wahrheit mit auf den weiteren Weg: «S goot ned lang – s esch ganz fies met dem Wind!»

Wo noch ein Lichtlein brannte, war durchaus zu erkennen, dass auch dieses Jahr viele kleine Kunstwerke hergestellt worden waren: Eulen, Katzen, Marienkäfer, Schmetterlinge, Fische mit aufgerissenem Rachen und zackigen Zähnen, niedliche Mäuschen, Scherenschnitt-Murmeltiere und -Kühe. Nebst den wie immer dominierenden Tiersujets und den Stadtansichten von der Altstadt bis zum Brügglifeld und zum Torfeld Süd fielen mehrmals Verkehrsschilder auf – etwa Baustellen-Signalisationen. Vielleicht eine Hommage an die Eniwa und die allgegenwärtige Fernwärme- und -Kälte-Locherei auf den Aarauer Strassen?

Rund 100 Schulklassen mit schätzungsweise 2100 Kindern waren am diesjährigen Umzug engagiert. Als Gäste waren fünf Schulklassen aus Erlinsbach mit rund 80 Kindern dabei. Aufgrund der Fusion der Schule Aarau mit der Kreisschule Buchs-Rohr waren auch die Buchser Kinder eingeladen, freiwillig am Bachfischet teilzunehmen. Es meldete sich allerdings im ersten Schuljahr nach der Fusion noch keine Klasse aus Buchs an. In Zukunft rechnet man bei der organisierenden Heinerich-Wirri-Zunft mit rund 300 zusätzlichen Kindern am Umzug. Dieses Jahr beteiligten sich an diesem auch die Kita des Kantonsspitals und ein privater Kindergarten aus Erlinsbach.