Densbüren
Automatische Wasserreinigung: Der Trick mit dem Regenwasser

Die Gemeinde hat keine Kläranlage mehr – und trotzdem kein Abwasserproblem. Wie das geht, erklärt der örtliche Bauamtsleiter. Die Antwort von Hans-Peter Nussbaum vom örtlichen Forst- und Bauamt blendet zehn Jahre zurück.

Ralph Stamm
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Hans-Peter Nussbaum: «Wenn viel Abwasser kommt, drosseln wir den Abfluss aus dem Regenwasserbecken.» Christoph Voellmy

Hans-Peter Nussbaum: «Wenn viel Abwasser kommt, drosseln wir den Abfluss aus dem Regenwasserbecken.» Christoph Voellmy

Das Interesse der Bevölkerung war gross. Jeder zehnte Bewohner der 700-Seelen-Gemeinde war am Samstag bei der Einweihung des neuen Regenklärbeckens dabei. Immerhin hat der Bau die Gemeinde über zwei Millionen Franken gekostet. Wer an der Führung durch die 300 Kubikmeter grosse Wasserfassung teilgenommen hat, wird sich gefragt haben, was mit der alten Kläranlage passiert ist.

Damals haben 22 Fricktaler Gemeinden entschieden, ihr Abwasser fortan gemeinsam in der neu erstellten ARA Kaisten reinigen zu lassen. Im Zuge dessen hat auch die Gemeinde Densbüren ihre Kläranlage vergangenes Jahr aus dem Betrieb genommen und stattdessen eine Abwasserleitung nach Herznach verlegt, um das Abwasser nach Kaisten abfliessen zu lassen.

Automatische Wasserreinigung

Das Problem dabei: Bei Regenfällen vermischt sich das Abwasser mit dem Regenwasser und die Kanalisation stösst an ihre Kapazitätsgrenze. Mehr als 25 Liter pro Sekunde passen nicht durch. Um also das Regenwasser in Spitzenzeiten zurückzuhalten, wurde da, wo die Kläranlage stand – also am tiefsten Punkt der Gemeinde – ein Regenklärbecken gebaut.

Doch was passiert, wenn es so stark regnet, dass sich das Becken ganz füllt? Nussbaum: «In diesem seltenen Fall überfällt das Regenwasser automatisch in den Staffeleggbach.» Dabei werden aufschwimmende Schmutzpartikel wie Heu oder Papier von einer Tauchwand zurückgehalten. Und wenn sich das Becken bei schönem Wetter wieder leert, wird auch der liegen gebliebene Schlamm mit einer Spülkippe automatisch abgeschwemmt.

Keine Rückstände im Wasser

Hans-Peter Nussbaum ist sichtlich stolz auf das intelligente Regenklärbecken. «Die Umwelt hatte beim Entscheid, die Kläranlage zu ersetzen oberste Priorität.» Konnte die Kläranlage beispielsweise einige Rückstände von Medikamenten nicht vollständig herausfiltern, würden diese im neuen Abwasserrohr direkt nach Kaisten abgeführt.

Die Vorteile seien aber nicht nur ökologischer Natur. Das Regenklärbecken komme die Gemeinde auch um einiges günstiger. Hans-Peter Nussbaum: «Da die Abflusssteuerung computerisiert via ARA Kaisten geschieht und sich die Anlage praktisch von selbst reinigt, spart die Gemeinde pro Jahr 50000 Franken.»