Suhr/Gränichen

Autobahn-Überführung für Wildtiere: Sind diese 14 Millionen für die Füchse?

Füchse nutzen die Grünbrücken über die Autobahn, aber auch zahlreiche andere Tierarten profitieren von der Vernetzung der Lebensräume. zvg

Füchse nutzen die Grünbrücken über die Autobahn, aber auch zahlreiche andere Tierarten profitieren von der Vernetzung der Lebensräume. zvg

Die Kosten für eine Wildtier-Überführung über die A1 bei Suhr sind massiv gestiegen.

Ab heute liegen in Suhr und Gränichen die Pläne für die Wildtierüberführung Rynetel auf, die künftig die A1 überqueren soll. Das Projekt sieht eine 50 Meter breite Überführung vor, «die bis auf die Höhe des anstehenden Waldes mit Erde überdeckt und auf der ganzen Breite bepflanzt» wird, wie es in einer Mitteilung des zuständigen Bundesamts für Strassen (Astra) heisst. Die grüne Brücke für Rehe, Füchse, Hasen und zahlreiche andere Tierarten soll den sogenannten Wildtierkorridor AG6 wieder durchgängig machen, der heute durch die Autobahn zerschnitten ist. Diesen hat das Bundesamt für Umwelt als Korridor von überregionaler Bedeutung definiert.

6,5 Millionen mehr in einem Jahr

Aufhorchen lassen die Kosten für das Projekt, diese belaufen sich auf rund 13,9 Millionen Franken. Vor einem Jahr rechnete das Bundesamt für Strassen noch mit viel tieferen Kosten. In einem Papier mit dem Titel «Zwischenbilanz Sanierung der Wildtierkorridore» vom Juni 2015 sind für das Projekt Rynetel nur 7,4 Millionen Franken aufgeführt. Esther Widmer, Sprecherin der Astra-Filiale in Zofingen, begründet die massive Kostensteigerung so: «Die Angaben von 7,4 Millionen Franken waren eine Kostenschätzung auf Stufe Projektidee.» Die neuen, fast doppelt so hohen Baukosten würden der aktuellen Planung entsprechen und seien mit genaueren Grundlagen und aktuellen Preisen ermittelt worden. Widmer: «Das heisst, die Kosten waren bei der Projektidee zu niedrig veranschlagt.» Finanziert wird die Wildtierüberführung vom Bund, weil die A1 als Nationalstrasse in dessen Zuständigkeit fällt.

Bis die ersten Tiere über die Grünbrücke laufen, dauert es aber noch mindestens vier Jahre. Im besten Fall, wenn es keine Einsprachen gegen das Projekt gibt, können die Bauarbeiten im Sommer 2019 starten. Gut ein Jahr später wäre die Überführung – eine zweiteilige Bogenkonstruktion über die Autobahn – dann fertig.

Bund plant weitere Überführungen

Um zu prüfen, ob die Tiere die teure Brücke über die A1 auch nutzen, ist laut Esther Widmer ein Monitoring vorgesehen. Um die Wirksamkeit zu überprüfen. «In welcher Form dies geschieht, mit einer Kamera oder durch Aufnahme von Spuren, ist noch nicht definiert», sagt die Astra-Sprecherin. Bei anderen Unter- oder Überführungen für Wildtiere hat sich gezeigt, dass diese rege benutzt werden.

Neben der Brücke bei Suhr plant das Bundesamt für Strassen im Aargau noch weitere Bauten für Wildtiere. Für den Korridor Möhlin–Wallbach an der A3 im Fricktal wurde die Erarbeitung des Ausführungsprojekts diesen Sommer gestartet. Sprecherin Widmer sagt, die Grundlagenbeschaffung sei in der Schlussphase, nun beginne das Variantenstudium. «Vorgesehen ist, die öffentliche Planauflage Ende 2017 oder Anfang 2018 durchzuführen.» Für dieses Projekt rechnet das Astra laut dem Papier zu den Wildtierkorridoren mit Kosten von 5,5 Millionen Franken. Zudem sollen die schon bestehenden Brücken und Durchlässe an der A1 bei Oftringen saniert und aufgewertet werden, hier wurde die Projektierung aber noch nicht gestartet.

Wer bezahlt die T5-Überführung?

Mit der Brücke über die A1 bei Suhr ist der geplante Wildtierkorridor allerdings noch nicht vollständig. Auch der Autobahnzubringer nach Aarau, die T5, durchschneidet Lebensräume von Tieren. Im Herbst 2014 hiess es, der Kanton habe den Auftrag für die Wildüberführung über den Autobahnzubringer ausgeschrieben. Dieser sollte 45 Meter lang sein, mit Erde bedeckt und mit Gebüsch bepflanzt werden. Laut dem damaligen Projektleiter Guido Sutter sollten die Arbeiten 2017 beginnen. Die Kosten beliefen sich nach einer ersten Schätzung auf 7,5 Millionen Franken.

Geht es nach der SVP, soll der Kanton aus Kostengründen auf diese Wildtierüberführung verzichten. Dies hat die Partei in ihrer Stellungnahme zum Budget 2017 am Freitag mitgeteilt. Doch möglicherweise muss der Kanton die Überführung gar nicht selber bezahlen. Norbert Kräuchi, der Leiter der Abteilung Landschaft und Gewässer im Baudepartement, sagt auf Anfrage dieser Zeitung: «Die Finanzierung dieser Grünbrücke ist abhängig vom Ausgang der Beratungen zum Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrs-Fonds NAF im Parlament.» Gibt es in Bundesbern ein Ja dazu, würde der Bund die T5 übernehmen und damit auch die Wildtierüberführung bezahlen. Wie teuer diese zu stehen kommt, ist offen und hängt vom Variantenentscheid ab. «Für die Grünbrücke über die T5 wurde ein Bauprojekt mit zwei Varianten, eine in Holz und eine in Beton, ausgearbeitet», erklärt Norbert Kräuchi.

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