Vor 50 Jahren

Autobahn-Kanton Aargau: Dank der N1 Lenzburg-Neuenhof hatte die «Todesstrasse» ausgedient

Vor genau 50 Jahren wurde die Autobahn N1 um das Teilstück Lenzburg–Neuenhof erweitert. Die Erweiterung war ein Riesenschritt für die Bevölkerung. Doch nicht überall war die neue Autobahn ein Segen.

Es war ein Mittwochnachmittag im Jahr 1970, als Bern und Zürich ein bisschen näher zusammenrückten. Der Kanton Aargau feierte die Eröffnung des neusten Teilstücks der N1: Lenzburg–Neuenhof. 12,6 Kilometer, ein eher kurzer Autobahnabschnitt, aber ein Riesenschritt für die Bevölkerung.

In einem kilometerlangen Autokorso rollten die geladenen Gäste als Erste auf der neuen Nationalstrasse von Lenzburg in Richtung Baden. Einmal mehr hatte die Ingenieurskunst über die Natur triumphiert und mit 30 Brücken und einem doppelröhrigen Tunnel den Weg für das Auto frei gemacht. Der Siliziumkarbid-Belag habe bei der Eröffnung in der Sonne geblinkt und die Bauern bei der Runkelernte eingehalten, schrieb das «Aargauer Tagblatt» tags darauf über die Eröffnung.

Eine Erleichterung für verkehrsgeplagte Gemeinden

Bundespräsident Hans-Peter Tschudi fand trotz der durchgehenden Autobahnstrecke von Bern nach Neuenhof den Weg an die Eröffnungsfeier nicht, liess jedoch durch den Direktor des Eidgenössischen Amtes für Strassen- und Flussbau Grüsse und Glückwünsche ausrichten.

Dieser hielt in seiner Rede fest, dass das neue Teilstück erst voll zum Tragen komme, wenn das wichtigste Zwischenziel Zürich erreicht sei. Doch für die verkehrsgeplagten Gemeinden im Aargau war der neue Autobahnabschnitt eine Erleichterung. «Die Städte Lenzburg und Baden dürfen aufatmen. Auch die Landstrassen Lenzburg-Mellingen-Baden und Lenzburg-Wohlen-Bremgarten-Mutschellen dürften von der Wohltat der N1 Wesentliches abbekommen», stand im «Aargauer Tagblatt».

Der Beitrag des Schweizer Fernsehens zur Eröffnung des Autobahn-Teilstücks in der Sendung Antenne vom 7. Oktober 1970:

Endlich weg von der alten Landstrasse

Es war eine Zeit, in der die Schweiz so richtig mobil wurde. Während 1960 eine halbe Million Autos eingelöst waren, waren es 1970 schon fast dreimal so viele. In Lenzburg zeugen immer noch die Strassenschilder in der heute verkehrsfreien Rathausgasse von den Autofahrern, die sich früher durchs Städtchen zwängen mussten.

Bauarbeiten am Autobahn-Teilstück zwischen Kirchberg und Lenzburg:

Danach war man froh, wenn man die noch heute als «Todesstrasse» bekannte Strecke nach Wohlen unbeschadet überstanden hatte und die Serpentinen des Mutschellen in Angriff nehmen konnte. Das Autobahnstück ersetze einen «besonders widerlichen Happen der alten Zürich-Bern-Strasse», schrieb die «Schweizer Illustrierte» zur Eröffnung der neuen Teilstrecke. Auch Baden litt unter dem Durchgangsverkehr und der Schulhausplatz konnte kurzzeitig aufatmen.

Des einen Entlastung ist des anderen Belastung

Doch nicht überall war die neue Autobahn ein Segen. Die Autos, die auf der N1 in Richtung Osten unterwegs waren, mussten diese spätestens in Neuenhof wieder verlassen. Dort kam es nun zu massiv mehr Verkehr, woran das im März eröffnete Shoppingcenter in Spreitenbach nicht unbeteiligt war.

«Die Strecke Neuenhof–Spreitenbach–Dietikon und weiter bis Zürich wird man inskünftig besser meiden», schrieb das AT. Und die «Schweizer Illustrierte» schlug gar vor, die neue Autobahn bereits vor dem Bareggtunnel wieder zu verlassen. Der Strom von Autos im Limmattal sorgte für die Einführung des Prinzips «grüne Welle», damals ein Novum. 1971 folgte dann die durchgehende Autobahn bis nach Zürich.

Technisch gesehen war die Aargauer Landschaft eine Herausforderung, die mit markanten Bauten wie dem Bünzviadukt in Othmarsingen und der Reusstalbrücke vor dem Baregg überwunden werden musste. Insgesamt hat das Teilstück 130 Millionen Franken gekostet, wovon 40 für den Bareggtunnel draufgegangen sind.

Bauarbeiten an Autobahn-Teilstück A1 N1 zwischen Kirchberg und Lenzburg:

Sendung «Antenne» vom 21.7.1965

In der Berichterstattung des AT über die Eröffnung kam das Finanzielle nicht nur bei den Kosten für die Autobahn zur Sprache. Der anschliessende Imbiss im Kursaal Baden, bestehend aus «Spatz» und einem Stück Torte, sei ein Dokument für den Sparwillen des Kantons Aargau. Dafür spielte die BBC-Lehrlingsmusik erfrischende Weisen.

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