Aarau
Auto stand mehrere Tage auf Parkplatz – Besitzer will Busse nicht bezahlen

Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände bekam ein Mann eine Parkbusse von 200 Franken. Er sah nicht ein, warum er diese Busse und 220 Franken Kanzleikosten bezahlen soll. Der Richter nannte ihm einen guten Grund.

Sabine Kuster
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Unbeliebter Anblick: Busse.

Unbeliebter Anblick: Busse.

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Das Auto gab just einen Tag vor den geplanten Ferien im Ausland den Geist auf. Und dies nicht vor dem Haus des Besitzers in Rothrist, sondern mitten im Aarauer Gönhard-Quartier. Der Mann schob das Auto auf einen Parkplatz und reiste ab, denn das Flugticket wollte er deswegen nicht verfallen lassen.

Seine Kollegen, die er mit dem Abschleppen des Autos beauftragt hatte, holten es erst einige Tage später ab. Eine Parkkarte hatte er nicht hinter die Windschutzscheibe gesteckt.

«Wenn ich gewusst hätte, dass die Sache so problematisch ist, hätte ich die Parkscheibe gesetzt und eine Notiz hinterlassen», sagte der Mann gestern im Bezirksgericht Aarau. Der Fall wurde von der Staatsanwaltschaft behandelt, weil eine Parkzeitüberschreitung von mehr als zehn Stunden vorlag.

Zur Busse von 200 Franken kamen so noch 220 Franken Kanzleikosten hinzu. Zur Verhandlung kam es, weil der Mann nicht einsehen wollte, warum er bezahlen muss, obwohl er einen Beleg seiner Garage vorlegen konnte, welche den Schaden bezeugt. «Ich verstehe nicht, warum man nicht verstehen will, dass es einfach blöd lief», sagte er.

Er habe in den Ferien ja nicht schauen können, wann die Kollegen das Auto holten. Selber hätte er es sofort gemacht, um den Problemen, die er jetzt habe, aus dem Weg zu gehen. Es tue ihm wirklich leid und er habe es nicht absichtlich gemacht.

Bezirksrichter Thomas Müller (der pensionierte Präsident macht zurzeit in Aarau eine Vertretung) sagte, es gehe auch nicht um Absicht oder nicht, sondern darum, dass er keine Parkkarte hinterlegt habe und sich nicht genügend ums Abschleppen gekümmert habe. Und er warnte den Gebüssten: «Wenn Sie wirklich ein Urteil wollen, kommen Gerichtskosten von 600 Franken hinzu.» Der junge Rothrister verstand schliesslich und zog seine Einsprache vor Ort zurück.

Auf Anfrage der az sagte Thomas Müller nach der Verhandlung: «Wir lassen die Leute in solchen Fällen nicht ins Messer laufen. Einige sehen dann ein, dass ihre Erfolgsaussichten gering sind.» Das Bezirksgericht hat immer wieder mit Leuten zu tun, die eine Parkbusse oder den folgenden Strafantrag unangemessen finden und Einspruch erheben. Dies, obwohl sich die Kosten mit einem Verfahren schnell vervielfachen.

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