Verwaltungsgericht
Aussage über «geschnetzelte Fische» widerlegt: IBA darf Kraftwerk ausbauen

Das Verwaltungsgericht lehnt die Beschwerde der Umweltverbände ab. Diese haben behauptet, dass «massenhaft» Fische in der Turbinen getötet werden.

Urs Helbling
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Soll für über 150 Millionen Franken erneuert werden: Das Wasserkraftwerk der IBAarau.

Soll für über 150 Millionen Franken erneuert werden: Das Wasserkraftwerk der IBAarau.

Sandra Ardizzone

Umweltorganisationen wie der WWF Schweiz und der Aargauische Fischereiverband sind sauer auf das Aargauer Verwaltungsgericht. «Dieses Urteil gibt Kraftwerksbetreibern von grossen Anlagen einen Freipass, Massnahmen zum Schutz der absteigenden Fische weiterhin zu vertagen, ohne nach Lösungen suchen zu müssen», erklärt Ruedi Bösiger vom WWF. Und Benjamin Leimgruber, Geschäftsführer von Aqua Viva sagt: «Es darf nicht sein, dass Fische wie Aal, Äsche und Nase in den Turbinen weiter massenhaft getötet werden.»

«Guter und wichtiger Entscheid»

Ganz anders sieht es Hans-Kaspar Scherrer, der Chef der IBAarau: «Das ist ein guter und wichtiger Entscheid des Verwaltungsgerichtes. Die Aussage, dass wir Fische schnetzeln, konnten wir wiederlegen.»

Mit dem neuen Werk werde die Fischmortalität um 90 Prozent gesenkt. Dei IBAarau wolle nicht, wie das die Umweltverbände anstrebten, ein Experimentalkraftwerk bauen. Hans-Kaspar Scherrer sagt, die Forschung sei noch nicht soweit und der Vergleich mit dem Kraftwerk Dietikon alleine schon aus Dimensionsgründen nicht statthaft.

«Dort sollen mit einem schräg angestellten Horizontalrechen die Fische vor der Turbinenpassage abgehalten und mit einem Bypass um das Kraftwerk herumgeleitet werden», schreiben die Umweltverbände in ihrer gestrigen Medienmitteilung.

Weiterzug ans Bundesgericht?

Die Umweltorganisationen waren die letzten Einsprecher im Neukonzessionierungs-Verfahren für die Kraftwerkerneuerung. Bis Anfang Dezember haben sie Zeit, zu entscheiden, ob sie das Urteil ans Bundesgericht weiterziehen wollen.

Die IBAarau möchte ihr Wasserkraftwerk für über 150 Millionen Franken sanieren. Das soll in zwei Etappen geschehen. Zuerst wird der nördliche Teil, in dem die Maschinen bereits über achtzig Jahre alt sind, modernisiert. Dann ab etwa 2035 der südliche Teil des Werks, dessen vier Turbinen aus den 50er-Jahren stammen.

Das Gesuch für das Grossprojekt lag im Herbst 2013 auf. In einem ersten Schritt konnten die 70 Einsprachen der Anwohner am Hungerberg erledigt werden – durch Verzicht auf die Realisierung eines Restaurants auf der Aareinsel. In den Augen der Einsprecher wäre die Beiz eine Lärmquelle gewesen.

Option auf 30 Jahre Verlängerung

Sollten die Umweltorganisationen auf einen Gang ans Bundesgericht verzichten, könnte theoretisch im Jahr 2019 mit dem Bau begonnen werden. Zuerst muss aber der Verwaltungsrat einen wichtigen Grundsatzentscheid fällen: Ist der Neubau im heutigen Umfeld mit den extrem tiefen Strompreisen wirtschaftlich überhaupt noch tragbar?

Die IBAarau könnte die bestehende Anlage noch 30 Jahre lang weiterbetreiben – allerdings bei deutlich höheren Unterhaltskosten. Denn die Maschinen im älteren, nördlichen Kraftwerksteil haben im Prinzip das Ende ihrer Lebensdauer erreicht.

Sagt der Verwaltungsrat Ja zur Erneuerung, müssten in einem zweiten Schritt die neuen Konzessionsverträge unterschrieben werden. Die Kantone Solothurn (82 Prozent der Konzessionserträge) und Aargau (18 Prozent) haben beide auf einen Heimfall verzichtet und möchten den Vertrag für weitere 68 Jahre verlängern. Die Konzession sieht die Steigerung der umweltfreundlichen Stromproduktion um 16,3 Prozent (bis 2036) vor – im Wesentlichen erzielt dank der neuen, modernen Kraftwerkstechnologie.

Allerletzte Kanal-Leerung

In einem dritten Schritt würde dann in den Jahren 2017/18 die Detailplanung erfolgen. Angedacht ist, den ersten Teil des Grossprojektes in Etappen zu realisieren. Mit einer maximalen Bauzeit von sieben Jahren – also einem frühestmögliches Bauende im Jahr 2025.

Es gibt fünf Teilprojekte: Kraftwerk, Kanal, Umweltmassnahmen, Dotierkraftwerk, Wehr. Diese sollen so realisiert werden, dass es möglichst wenige Stromproduktions-Unterbrüche gibt. Zumindest einen wird es sicher geben: Dann, wenn der Kanal mit seinen teils maroden Wänden saniert werden muss. Er wird ein letztes Mal für einige Wochen ganz geleert.

Bisher geschah dies im 10-Jahres-Rhythmus: Künftig wird das nicht mehr nötig sein – was viele, die das Spektakel jeweils genossen haben, schade finden werden.