Die Jungs der Punkrock-Band «Selbstbedienung» ertragen viel. Aber das hat selbst die gestandenen Musiker aus den Socken gehauen: Campino, Lead-Sänger von den «Toten Hosen», der deutschen Punkband schlechthin und ihr allergrösstes Vorbild, hat den Jungs ein Kompliment gemacht. Nicht nur, dass er die Band aus Aarau kennt, wie er kürzlich in einem Interview auf SRF 3 erzählt hat. Ihre Musik gefalle ihm auch richtig gut.

«Eine Riesenfreude hat er uns damit gemacht, das ist eine wahnsinnige Ehre», sagt Drummer Nuno noch immer ganz aus dem Häuschen. «Ausgerechnet Campino.» Wenn das kein passendes Geburtstagsgeschenk ist. Das Sahnehäubchen auf der Geburtstagstorte, die Krönung aller grossartigen Ereignisse, die dieses Jahr noch anstehen.

Das Ehepaar zu dritt

Die Band gibt es nicht erst seit gestern. «Selbstbedienung» feiert dieses Jahr das Zehnjährige. 2007 begann es, mit Apfelbier. Simon stellte das Bier an einer Party als Gastgeschenk auf den Tisch, sagte Nuno Hallo, die beiden sprachen über Musik, und bis Mitternacht waren aus Fremden beste Freunde geworden. Ihre Pläne aus dieser Nacht – eine Band und eine WG gründen – haben sie längst erfüllt. Gitarrist Luca, Nunos Kindergartengspändli, machte das Duo zum Trio und damit perfekt. «Das Ehepaar zu dritt», nennen sie sich.

Zehn Jahre ist das her. Die Schulbuben sind erwachsen, 27 Jahre alle drei. Wilder sind sie nicht geworden, eher braver. Sie sind voll berufstätig, haben Disziplin, üben mindestens zweimal pro Woche, und am Sonntag wird gejoggt, damit ihnen auf der Bühne die Puste nicht ausgeht. Alles ganz harmlos. Kein Irokesenschnitt, keine karierten Hosen, weder Ketten noch Ratten als Accessoires. Nichts, was man von Punks klischeemässig erwartet. Das hat seinen Grund: Ihnen geht es um die Einstellung, nicht ums Aussehen. Und die Einstellung ist links, aber nicht uneingeschränkt. «Wir sind gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie. Extremes heissen wir nicht gut, auch Linksextremes nicht», sagt Nuno.

Selbstbedienung - Insel der Erinnerung (Official)

Selbstbedienung - Insel der Erinnerung (Official)

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Wenn sie auf der Bühne stehen, dann bricht das Wilde durch. Da singen sie lauthals von wilden Nächten, von Helden der Gesellschaft, von schönen Frauen, von Freiheit und Demokratie, von der Insel der Erinnerung, laut, schroff, auf Hochdeutsch und ohne Blatt vor dem Mund. Keine Musik fürs Kinderzimmer. Aber sie ist gut. Und sie kommt an. In Hamburg, ihrer zweiten Heimat, haben sie unter anderem am Hafenfest mit eineinhalb Millionen Besuchern gespielt, und der Kult-Fussballverein St. Pauli hat einen ihrer Songs auf ihre Jubiläums-CD genommen. Diesen Winter haben sie selbst ihr drittes Album auf den Markt gebracht, «Insel der Erinnerung».

Und jetzt das: «Wenn sich tatsächlich Bands auf uns berufen, dann freut mich das ungeheuer. Es ist immer schön, zu sehen, wenn unsere Musik weiterlebt.» Sagt Campino und meint Nuno, Simon und Luca. «Endlich werden wir von den Grossen für unser Geleistetes wahrgenommen», sagt Nuno und redet damit nicht nur vom Interview: In einer Woche spielen «Selbstbedienung» am Greenfield-Festival, am 1. Juli im Millerntor-Stadion von St. Pauli an einem von Bela B. («Die Ärzte») organisierten Konzert und Mitte Juli auf dem Gurten.

Nur die Kirsche fehlt

Besser geht eigentlich nicht. Und doch wünschen sich die Jungs noch etwas, ein letztes Geburtstagsgeschenk – die Kirsche auf dem Sahnehäubchen: «Das Beste, was uns jetzt passieren könnte, wäre ein grosses Label, das uns unter Vertrag nimmt», sagt Nuno. Bis jetzt stemmen die drei alles selber. Das sei viel Arbeit. Aber eigentlich, sagt Nuno, wäre es auch nicht schlimm, wenn kein Label daherkäme. «Bis jetzt haben wir es auch ohne Label geschafft. Wir können das», sagt er und lacht. «Wenn keines kommt, gründen wir halt selber eins.»