Kultur- und Kongresshaus Aarau
Ausgerechnet bei Vortrag übers Herz kam es zu zwei medizinischen Zwischenfällen

Während Referaten rund ums Herz ereigneten sich im KuK Aarau zwei Zwischenfälle. Ein Zuschauer verlor das Bewusstsein, eine Zuschauerin bekam Herzprobleme. Möglicherweise kein Zufall, dass die medizinischen Zwischenfälle ausgerechnet während des Vortrags passierten.

Ann-Kathrin Amstutz
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480 Zuschauer kamen ins Kultur- und Kongresshaus zum Vortrag vom Kardiologen Martin Steiner. Zweimal gab es im Saal Aufregung wegen medizinischen Zwischenfällen.

480 Zuschauer kamen ins Kultur- und Kongresshaus zum Vortrag vom Kardiologen Martin Steiner. Zweimal gab es im Saal Aufregung wegen medizinischen Zwischenfällen.

Das Ziel der Veranstaltung «Fokus Herz» im Aarauer Kultur- und Kongresshaus war, einen Einblick zu geben in die aussergewöhnliche Zusammenarbeit eines öffentlichen (Kantonsspital Aarau KSA) und eines privaten Spitals (Hirslanden Klinik). Auch wollte man neuste Behandlungsmethoden vorstellen. Doch was dann geschah, ging weit darüber hinaus. «Fokus Herz» zeigte nämlich, wie Mensch und Herz funktionieren: Neben der medizinischen Komponente hat eine Krankheit ganz oft auch eine psychische. Anders ist kaum zu erklären, wie es während der Vorträge rund ums Herz innerhalb von einer Stunde zu zwei medizinischen Zwischenfällen kommen konnte.

Angst vor plötzlichem Herztod

Doch von Anfang an. Das KuK war mit 480 Zuschauern zum Bersten voll. Viele von ihnen sind selbst (ehemalige) Herzpatienten. Nach der Begrüssung durch Robert Rhiner, CEO des KSA, gehörte die Bühne dem Kardiologen Martin Steiner. Er sprach über Herzrhythmusstörungen und – damit einhergehend – die Angst vor einem plötzlichen Herztod. Viele Patienten hätten Todesangst, wenn das Herz «stolpert», so Steiner. Wenn es ums Herz geht, dann geht es ums Leben.

Erstaunen legte sich über das Publikum, als Steiner wenig später erklärte: «Wenn ich dem Patienten sagen kann, es sei nichts Gefährliches, verschwinden die Symptome in manchen Fällen.» Herzrasen oder das Aussetzen des Schlages können verschiedene Gründe haben; nicht immer muss mit dem Schlimmsten gerechnet werden.

Doch dann geschah das Unerwartete: Steiner erläuterte gerade die Risikofaktoren für eine Herzkrankheit (Rauchen, hoher Blutdruck und hohes Cholesterin, Diabetes und Bewegungsmangel), als ein Zuschauer das Bewusstsein verlor. Mit einer Bahre wurde er aus dem Saal und auf die Notfallstation transportiert.

«Nirgendwo höhere Ärztedichte»

Doch damit nicht genug. Steiner setzte sein Referat fort, im Saal kehrte Ruhe ein. Doch nicht für lange. Tumult in den hinteren Rängen, als sich eine Dame ans Herz griff.

Nach einer viertelstündigen Pause konnte Markus Meier, der neue Direktor der Hirslanden Klinik Aarau, das Publikum beruhigen. Die Patienten seien wach und in guten Händen. «Nirgendwo im Kanton ist die Ärztedichte heute Abend höher als hier», sagte er. Seine Worte schienen Wirkung zu zeigen. Es kam zu keinen weiteren Zwischenfällen.

Seit September 2014 kooperieren das KSA und die Hirslanden Klinik Aarau in der Herzmedizin. Was früher undenkbar schien, funktioniere heute sehr gut, sagte Robert Rhiner. Unter dem Namen «Herzzentrum Aargau» biete man eine Versorgung auf höchstem Niveau.

Auch jedes Herz erbringt Höchstleistungen: 8000 Liter Blut pumpt das faustgrosse Organ jeden Tag durch die Blutbahnen. Mit dem Alter nimmt die Leistung ab: Jeder Zehnte der über 75-Jährigen leidet an Herzschwäche. «90 Prozent können mit Medikamenten oder speziellen Herzschrittmachern gut behandelt werden», sagt Herzchirurg David Reineke. Bei den anderen ist ein operativer Eingriff nötig. Im Endstadium der Krankheit steht nur noch eine Herztransplantation oder ein Kunstherz zur Verfügung.