Grossprojekt

Ausbau der Strecke Aarau–Buchs–Suhr: Fünf Jahre lang eine Baustelle – im Sommer 2022 könnte es losgehen

Bei der Kreuzung Bavaria soll ein Kreisel entstehen, wie auf der Visualisierung zu sehen ist.

Bei der Kreuzung Bavaria soll ein Kreisel entstehen, wie auf der Visualisierung zu sehen ist.

Es ist ein Projekt, das den Grossraum Aarau–Buchs–Suhr in den nächsten zehn Jahren beschäftigen wird: die Sanierung und Neugestaltung der Buchserstrasse, des Kreisels Bavaria und der Tramstrasse. Das Projekt soll mehr als 34 Mio. Franken kosten.

Betroffen ist der ganze Abschnitt von der Gais in Aarau bis zum Winkelweg in Suhr. Wenn alles läuft wie geplant, fahren hier Mitte 2022 die ersten Baumaschinen auf – und werden das Strassenbild bis mindestens Ende 2027 prägen. In welcher Reihenfolge die vier Teilprojekte realisiert werden, hängt davon ab, wie schnell die Einwendungs- und Landerwerbsverhandlungen abgewickelt werden. Ganze 350 Parteien haben Grundstücke, die direkt an den 2,3 Kilometer langen Bauperimeter grenzen.

Kantonsingenieur: «Es ist höchste Zeit»

Ab dem 17. August liegt das Grossprojekt öffentlich auf. Diese Woche führt das Departement Bau, Verkehr und Umwelt in Buchs, Suhr und Aarau Infoveranstaltungen durch; geladen sind coronabedingt allerdings nur die betroffenen Grundeigentümer. Neben Projektleiter Markus Kissling (Kanton) und Projektverfasser Paul Rytz (Büro BG Ingenieure, Aarau) war am Montag in Buchs Kantonsingenieur Rolf H. Meier zugegen – ein Indikator für die Wichtigkeit des Projekts. «Es ist höchste Zeit, dass wir die sehr alte Strasseninfrastruktur sanieren und modernisieren», so Meier.

Die Umgestaltung hängt auch damit zusammen, dass das Tram – die Wynental-Suhrentalbahn – nicht mehr auf der Strasse fährt, sondern seit rund zehn Jahren ein eigenes Trassee hat. Die Gleise müssen nun endlich aus der Strasse raus; und dort, wo sie direkt neben der Strasse verliefen, soll der Gleisraum dem Strassenraum zugeschlagen werden. Das gibt wiederum Platz für eine Entflechtung der verschiedenen Verkehrsteilnehmer.

Herbeigesehnt werden insbesondere Busspuren. Denn: Zu Stosszeiten stecken die Busse heute im Stau fest, massive Verspätungen sind die Folge. Das Projekt umfasst aber auch Velostreifen, breite Trottoirs, Begrünung, behindertengerechte Bushaltestellen, zusätzliche Fussgängerstreifen, Mehrzweckstreifen in der Strassenmitte und einen lärmarmen Belag.

«Wir wollen mittels Verkehrsmanagement eine bessere Auslastung der Strassen erreichen», erklärt Markus Kissling. Der Verkehr wird also nicht weniger, verteilt sich aber besser. Kissling zeigte sich in Buchs – vor mehrheitlich skeptischem Publikum – «überzeugt, dass wir ein ausgewogenes Projekt haben, das viele Vorteile bringt».

Während der rund fünf Jahre dauernden Bauzeit – allein der neue Kreisel bei der Bavaria-Kreuzung braucht ein Jahr – wird der Verkehr in der Regel zweispurig geführt. Behinderungen und Emissionen wird es aber zweifellos geben. Damit müssen die Anwohner leben. Auch damit, dass einige von ihnen Land in substanziellem Umfang abgeben müssen.

Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf total 34,09 Mio. Franken. Der Kanton zahlt davon 15,8 Mio. Franken. Der Rest entfällt dekretsgemäss auf die Gemeinden (Buchs: 4,58 Mio., Aarau: 6,78 Mio., Suhr: 6,85 Mio.). Noch nicht abgezogen sind dabei die 4 Mio. Franken, die aus dem Agglomerationsprogramm des Bundes erwartet werden. Der notwendige Kreditantrag im Grossen Rat sollen noch dieses Jahr traktandiert werden.

Grüne fordern Tempo 30 auf ganzer Strecke

In der Vernehmlassung hat sich lediglich die SVP Aargau komplett gegen das vorliegende Projekt ausgesprochen. «Der sich durch den Wegfall des WSB-Trassees ergebende Handlungsspielraum muss zwingend für die Verflüssigung des Verkehrs genutzt werden. Das vorliegende Projekt behindert aber insbesondere den motorisierten Individualverkehr stark.» Dieser dürfe nicht «künstlich verlangsamt oder gar vergrault werden».

Nach der Sanierung soll im ganzen Perimeter Tempo 50 gelten, heute ist es teilweise noch 60. Den Grünen Aargau reicht das nicht: Sie fordern Tempo 30 auf der gesamten Strecke. Und sie beantragen eine Reduktion der Gemeindeanteile an den Gesamtkosten: «Generell erachten wir es als sinnvoll, für Strassenprojekte möglichst viel aus der Strassenkasse zu entnehmen und diese nicht mit den Steuergeldern der Gemeinden zu finanzieren.»

Erstaunt über die «hohe Kostenprognose» ist auch die SP Aargau, unterstützt das Projekt jedoch. «Ob sich nach erfolgter Sanierung das Verkehrsaufkommen nicht erhöhen wird, bleibt abzuwarten», schreibt die Partei.

Die CVP findet das Projekt im Grundsatz gut, aber auch sie kritisiert das Budget: «Pro Meter sind es fast 15'000 Franken.» Es bestehe «Potenzial für Kostenoptimierungen».

Gleicher Meinung ist die Aargauische Verkehrskonferenz (AVK). Sie spricht zudem «ein klares Bekenntnis zum Sanierungsvorhaben» aus – der Handlungsbedarf sei «offensichtlich», der aktuelle Zustand «unhaltbar» – fordert aber einen «Nutzen für alle Verkehrsteilnehmer». Verbesserungen für Langsamverkehr und ÖV dürften nicht zu Lasten des Individualverkehrs erfolgen, schreibt die AVK.

Ins gleiche Horn stossen die Sektion Aargau des TCS sowie die FDP Aargau. Sie fordern im Hinblick auf die Kreditdebatte im Grossen Rat eine Prognose, wie sich die Umgestaltung auf die einzelnen Verkehrsträger auswirkt.

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