Aarau
Aus Lust wird Frust: Wenn die Party aus dem Ruder läuft

Szenart, die Gruppe für aktuelles Theaterschaffen, hat ein nächstes, spannendes Theaterprojekt angepackt. Im Moment laufen die Castings. Gesucht werden junge Spielerinnen und Spieler, Leute für Bühne, Technik, Kostüme, Musik.

Hubert Keller
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Frust und Übermut können die gute Stimmung an der Party zum Kippen bringen. az Frust und Übermut können die gute Stimmung an einer Party zum Kippen bringen. az

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Im Stück «Zabawa – Protokoll einer Party» entwickeln eine Männer- und eine Frauengruppe getrennt voneinander ihre Version eines missglückten Partyabends. Aus Lust wird Frust, aus Mut wird Übermut. Spielorte sind im Herbst der «Boilerclub» und die «Kettenbrücke» in Aarau, reale Szeneorte also. Die Produktion liegt ganz in den Händen von jungen Theaterleuten aus dem Kanton, die von der Gruppe Szenart im Hintergrund unterstützt werden.

Erstes Casting stattgefunden

Das erste Casting für die Männergruppe hat diese Woche stattgefunden. Erst zwei Kandidaten wagten den Weg ins Probelokal, wo ihnen der junge Regisseur Andreas Bürgisser auf den Zahn fühlte. «Beim ersten Kontakt will ich herausfinden, wie die Chemie stimmt», sagt er, «ob eine gute Zusammenarbeit überhaupt möglich ist.»

Erst im zweiten Schritt lotet er das schauspielerische Talent aus. Bereits habe er ein bemerkenswertes komödiantisches Talent entdeckt. Der 28-jährige Andreas Bürgisser, in Wohlen geboren, studiert an der Zürcher Hochschule der Künste Theaterpädagogik im 3. Semester. Während seines Bachelorstudiums in Soziologie hat er in verschiedenen Theaterprojekten mitgearbeitet.

Todesfall Nicky Hoheisel als Hintergrund

Die neue Produktion von Szenart hat einen tieferen Hintergrund. In Aarau löste der Todesfall von Nicky Hoheisel im Jahr 2007 Ratlosigkeit, Bestürzung und Beschämung aus. Er starb nach einem Faustschlag auf den Kopf. Die Stadt initiierte in der Folge das Projekt «Aarau bleibt cool».

Mit Plakatkampagnen, Konzerten, Standaktionen und vermehrter Präsenz der Jugendpolizei wurde reagiert. Szenart will «im Geist solcher Präventionsbemühungen auch eine Diskussion darüber herausfordern, was Lebenslust und Zukunftsaussichten für die Jugendlichen heissen kann und wo in unserer Gesellschaft Offenheit, Individualität und Identität Platz haben».

In der Produktion «Zabawa», der das gleichnamige Stück von Slawomir Mrozek aus dem Jahr 1963 zugrunde gelegt wird, sind drei Freunde beziehungsweise drei Freundinnen unterwegs, um einen «heissen Abend» zu erleben. Durch Klänge in einen Raum gelockt, stehen sie vor einem Rätsel. Niemand ist da und die drei wissen nicht, ob die Fete noch kommen wird oder ob sie schon vorbei ist. Das Warten wird lang. Aus Lust wird Frust. Der Zwang nach Kick und Unterhaltung beginnt seine Opfer zu fordern.

Man hätte im ersten Casting gern mehr Leute gesehen, sagt Produktionsleiterin Anna Byland. Sie ist dennoch fürs Erste zufrieden und hofft, dass am 22. März zum Casting der Frauen und am 28. März zum zweiten der Männer weitere Schauspieltalente kommen. Mehr Infos unter www.szenart.ch.