Aarau
Aus einem Café in der Altstadt wurde ein Airbnb – vorläufig

Vier junge Leute wollten in der Aarauer Milchgasse ein Café betreiben. Doch Anwohner wehrten sich. Jetzt beherbergen sie in den Räumlichkeiten stattdessen eine individuelle Ferienunterkunft. Und sind erstaunt über die Nachfrage.

Barbara Vogt
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In der Milchgasse dreht sich die Welt: Die zwei Betreiberinnen Annette Kim (links) und Marisa Fricker sitzen im Schaufenster ihres Airbnb, in der Mitte eine Weltkugel. Auf dem Bild fehlen Charlotte den Hollander und Pueng That.

In der Milchgasse dreht sich die Welt: Die zwei Betreiberinnen Annette Kim (links) und Marisa Fricker sitzen im Schaufenster ihres Airbnb, in der Mitte eine Weltkugel. Auf dem Bild fehlen Charlotte den Hollander und Pueng That.

Alex Spichale

Diese Woche, wenn das Jugendtheaterfestival Schweiz in der Stadt beginnt, haben die Airbnb-Betreiber alle Hände voll zu tun: In ihrer Wohnung in der Milchgasse beherbergen sie Theatertechniker.

Seit diesem Juli vermieten die drei Frauen Marisa Fricker, Annette Kim und Charlotte den Hollander aus Aarau sowie ihr gemeinsamer Kollege Pueng That aus Küttigen eine Zweizimmerwohnung in der Milchgasse als individuelle Ferienunterkunft.

Die Idee, über den Online-Wohnungsvermittler Airbnb Touristen aus aller Welt in die Aarauer Altstadt zu locken, hat einen anderen Ursprung: Die vier mieteten die Wohnung, weil sie sie zu einem Café umnutzen wollten. «Wir lieben Cafés und finden es schön, Gäste zu bewirten», sagen Marisa Fricker und Annette Kim.

Das Café sollte klein und gemütlich werden, und weil die Wohnung direkt auf die Gasse geht, hätten sie gerne ein paar Tische und Stühle davor gestellt. Zudem sollte im Café ein Shop mit ausgewählten Lebensmitteln eingerichtet werden.

Doch dann wehrten sich Anwohner gegen das Café. Diese hätten Angst davor, dass die Wohnqualität in der Milchgasse beeinträchtigt würde, sagen die Initianten. Während des Auflageverfahrens gingen mehrere Einwendungen ein. Momentan läuft das Einigungsverfahren, denn die vier haben ihren Traum vom Café noch nicht aufgeben.

Frischer Zopf zum Zmorge

Doch bis ein Entscheid vorliegt, wollen Marisa Fricker, Annette Kim, Charlotte den Hollander und Pueng That ihre kleine Wohnung Touristen anbieten. Sozusagen als Alternative zum Café: «Wir entschieden uns spontan für ein Airbnb, denn wir wollten die Wohnung nicht einfach weitervermieten, sondern sie so gestalten, dass wir Kontakt zu den Reisenden haben», sagen Marisa Fricker und Annette Kim.

So würfelte das Quartett kurzerhand Möbel und Accessoires zusammen, richtete die Wohnung hübsch ein und hiess Mitte Juli die ersten Gäste – Teilnehmer des Gigathlons – in der Milchgasse willkommen. Die zwei Zimmer haben nebst einem Schlafbereich ein Badezimmer und eine kleine Kochnische. Zum Morgenessen überraschen die Betreiber die Gäste mit einem frisch gebackenen Zopf.

Es ist spannend, Menschen aus aller Welt zu bewirten», finden die vier Freunde. Seit der Eröffnung lernten sie Kanadier, Australier, Deutsche, Belgier, Italiener kennen. Schweizer machten auf der Durchreise mit ihren Fahrrädern spontan in Aarau halt und staunten nur so, wie schön die Altstadt sei. «Holländer zmörgelten auf der Milchgasse», erzählt Annette Kim, die gleich oberhalb vom Airbnb wohnt und so rasch zur Stelle ist, wenn die Gäste Hilfe brauchen. Auch schon hätten Geschäftsleute die Wohnung für eine ganze Woche gemietet.

Die vier Airbnb-Betreiber sind überrascht, wie gross die Nachfrage nach ihrer privaten Unterkunft ist, zumindest in den Sommermonaten. «Wir sind gespannt, wie es in der kälteren Jahreszeit läuft.» Auf alle Fälle konnten sie bis jetzt die Mietkosten decken. «Damit haben wir unser Ziel erreicht. Mit unserem Airbnb wollen wir kein Geld verdienen», sagen sie.

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