Auenstein

Aus der Kampftruppe wird noch kein Naturschutzverein

Vogelschau auf die drei Abbaugebiete Jakobsberg (links) sowie Oberegg (oben) und Unteregg (unten, Richtung Veltheim). Die Erweiterung Jakobsberg-Egg plant die Jura Cement zum Grossteil Richtung Auenstein. IG Gisliflue

Vogelschau auf die drei Abbaugebiete Jakobsberg (links) sowie Oberegg (oben) und Unteregg (unten, Richtung Veltheim). Die Erweiterung Jakobsberg-Egg plant die Jura Cement zum Grossteil Richtung Auenstein. IG Gisliflue

Die IG Gisliflue fordert den finalen Abbauverzicht der Jura Cement am Aargauer Hausberg – und argumentiert mit den Schönheiten von Landschaft und Natur.

Die IG Gisliflue will den schönsten Aussichtsberg im Aargau schützen. Als der Vorstand am Dienstag einlud, um ihre neu lancierte Broschüre «Wegweiser» vorzustellen, hielt Vizepräsident Hans Hochstrasser ein engagiertes Referat über die Natur- und Erholungswerte der Gisliflue. Während früher der Angriff der Jura Cement auf den Ostgrat der Gisliflue einziges Thema war, schwärmte er von Trockenwiesen, Altholzinseln, Wanderwegen und Loipen, von Orchideen und Buchen, die den Brennstoff für die Holzschnitzelheizung der Gemeinde liefern.

Mutiert die IG Gisliflue, die 2011 als Stosstrupp gegen die Abbaupläne der Jura Cement Fabriken (JCF) gegründet, zum Naturschutzverein? «Nein», sagt IG-Präsident Heinz Alber dezidiert. «Solange die Jura Cement den Ostgrat der Gisliflue und die massiven Erweiterungspläne bei den bestehenden Steinbrüchen nicht endgültig aufgegeben hat, sind wir auf der Hut. Wir werden alle uns zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpfen, wenn nötig auch rechtliche.»

Beim «Wegweiser» handelt es sich um einen Flyer, der – als Ergänzung der Website gisliflue.ch – die Anliegen der IG darstellt. Er wird in diesen Tagen in alle Haushaltungen von Auenstein und Veltheim verteilt. Die nächste, zweite Nummer ist bereits für April geplant. Was darin steht, werde von der Entwicklung rund um die Abbaupläne der JCF abhängen, sagt Alber.

«Jura Cement will Zeit gewinnen»

Im Herbst 2014 ging die Jura Cement davon aus, dass der Grosse Rat die Steinbrucherweiterung «voraussichtlich Ende 2015» im Richtplan festsetzt. Um ihren Rohstoffbedarf für weitere 25 bis 30 Jahre zu sichern, will die JCF im Gebiet Jakobsberg-Egg weitere 6 Millionen Kubik abbauen. «Das bedeutet aber nicht, dass die JCF auf den Ostgrat der Gisliflue verzichtet», betont die IG Gisliflue. Ihr Verdacht: Die JCF wolle nur Zeit gewinnen. «Wir wollen jetzt und heute einen finalen Verzichtsentscheid für den Ostgrat, dann lassen wir mit uns reden», sagt Roger Bieri, Vorstandsmitglied der IG.

Ihr Kompromissangebot lautet auf 1 Million Kubik plus eine Tieferlegung der Abbausohle in den bestehenden Steinbrüchen. «Löcher kann man aufschütten, einen abgetragenen Berg nicht wieder aufbauen», sagt Bieri. Die von der IG akzeptierte Abteufung bedingt eine gewisse Erweiterung an den Rändern. Die IG schätzt, dass so eine weitere Ausbeute von rund 4 Millionen Kubik möglich wäre. Zusammen mit den noch vorhandenen Vorräten gewinne die JCF damit Zeit, um den Ausstieg aus dem Kalksteinabbau in Auenstein vorzubereiten.

«Intakte Umwelt bewahren»

«Es ist unser Ziel, künftigen Generationen eine intakte Umwelt zu bewahren.» Auf dem Flyer «Wegweiser» braucht die IG für diesen Wahlspruch fette Buchstaben. «Die Gisliflue gehört integral zu Auenstein.» Als naturnahes Erholungsgebiet ist sie Teil des neu geschaffenen Juraparks Aargau. Weite Gebiete figurieren im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN). Die IG Gisliflue, die 430 Mitglieder zählt, hofft deshalb, dass der Bund einem Abbau am Ostgrat den Riegel schiebt. «Es sei also gut möglich, dass die IG irgendwann zum reinen Naturschutzverein wird», räumt Alber ein, «jedoch erst, wenn wir das primäre Ziel, die Erhaltung unseres Hausbergs, erreicht haben.»

Die Jura Cement, die Gemeinde und der Kanton haben sich in einer Absichtserklärung darauf geeinigt, für die Erweiterung des Steinbruchs Jakobsberg-Egg ein nachhaltiges und mehrheitsfähiges Projekt zu erarbeiten – «unter grösstmöglicher Schonung der Landschaft und kleinstmöglicher Belastung der Bewohner». In einer Arbeitsgruppe sind auch die Behörden und Einwohner von Veltheim und Auenstein sowie mit zwei Personen die IG Gisliflue vertreten.

«Die Meinungsdifferenz der IG mit dem Gemeinderat ist kleiner als auch schon», sagt Alber. Er anerkennt auch, dass der Gemeinderat nicht nur die Naturwerte im Auge haben kann. Denn schliesslich gehe es nicht nur um die Schönheiten der Gisliflue, sondern auch um volkswirtschaftliche Interessen, um Steuern und Abbauentschädigungen.

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